Wer nach neuen Anlageoptionen für das Jahr 2016 sucht, dem legt die Deutsche Bank unter anderem ein Investment in europäischen Pharma-Aktien nahe. Zur Begründung wird auf Kurse verwiesen, die sich Schnitt bei den Branchenvertretern um zehn Prozent unter dem fairen Wert bewegen. Die geschäftlichen Rahmendaten werden als solide, aber nicht als überragend bezeichnet.

Der Nachteil auslaufender Patente dürfte durch eine gut bestückte Produktpipeline ausgeglichen werden. So sei in diesem Jahr mit zwölf Mittelzulassungen zu rechnen, die in der Spitze über ein Umsatzpotenzial von 24 Milliarden Dollar verfügen dürften. In diesem Jahr seien sogar Medikamente auf den Markt gekommen, die über ein Umsatzpotenzial von in der Spitze 30 Milliarden Dollar verfügten. Rückenwind für die Branche könnte außerdem von einem weiter aufwertenden Dollar ausgehen, weil die meisten europäischen Sektor-Mitglieder davon profitieren würden.

Trotz der insgesamt als gut bezeichneten Ausgangslage wird nicht ausgeschlossen, dass es im Verlauf des kommenden Jahres möglich sein wird, noch einmal zu tieferen Kursen zum Zuge zu kommen. Möglich machen könnten das eventuell im Zuge des US-Präsidentenwahlkampfs aufkommende Diskussionen über eine strengere Begrenzung der Preise für zu teure Medikamente. Die Deutsche Bank hat die damit verbundenen Bedenken aber für überzogen, weil eine nur moderate Reform des Gesundheitswesens die wahrscheinlichste Variante sei.

Folglich seien etwaige Kursrückschläge als Einstiegsgelegenheit zu interpretieren. Gefährlich könnte es allerdings bei einem erdrutschartigen Wahlsieg der Demokraten werden, weil diese stärker auf Preiseinschnitte drängen. Angesichts der von 2015 bis 2020 für möglich gehaltenen Zuwächse von fünf Prozent p.a, bei den Branchenumsätzen und von acht Prozent p.a. bei den Gewinnen je Aktie sei eine geringe Bewertungsexpansion auf Sicht von zwölf Monaten von 16,5 (exklusive Novo Nordisk) auf 17,0 beim Branchen-KGV denkbar.

Als besonders aussichtsreich stuft die Deutsche Bank dabei vier Branchenvertreter ein. Zwei davon werden als Standardwerte und zwei als Nebenwerte bezeichnet. Auf den nächsten Seiten werden diese Titel etwas näher vorgestellt. Die Kursziele der Deutschen Bank liegen dabei zwischen 10 Prozent und 34 Prozent über den aktuellen Notierungen.



Deutsche Bank Top-Pharmaaktien-Favorit für 2016, Nummer vier: UCB S.A. (WKN: 852738, 81,64 Euro, alle Kurs- und Bewertungsangaben beziehen sich auf den Stand vom 07.12.)



Als Nebenwert deklariert wird von der Deutschen Bank der erste Top-Favorit für 2016. Gemeint ist damit die UCB-Aktie. Dahinter steckt ein belgisches Pharma- und Biotechnologieunternehmen, das sich auf Erkrankungen des Immunsystems (Rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Axialer Spondyloarthritis, Ankylosierender Spondylitis, Morbus Crohn) und Erkrankungen des Nervensystems (Epilepsie, Parkinson, Restless-Legs-Syndrom) fokussiert hat.

Außerdem hofft man eigenen Aussagen zufolge darauf, neue Medikamente entwickeln zu können, die künftig Menschen mit chronischen Krankheiten helfen werden wie Lupus erythematodes, Osteoporose und Knochenschwunderkrankungen. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren 1,5 Millionen neue Patienten von den haueigenen Medikamenten profitieren, die derzeit in rund 40 Ländern erhältlich sind. Auch um diese Zielvorgabe zu erreichen, werden mehr als ein Viertel der Einnahmen für Forschung und Entwicklung ausgegeben.

In Deutschland ist die Gesellschaft relativ unbekannt und es ist nur selten etwas über diesen Konzern zu lesen, obwohl dieser immerhin auf einen Börsenwert von fast 16 Milliarden Euro kommt und im belgischen Leitindex BEL 20 vertreten ist. Selbst die Tatsache, dass 2007 der deutsche Branchenvertreter Schwarz Pharma übernommen wurde, hat daran nichts geändert. An der Performance kann diese Missachtung aber nicht gelegen haben. Schließlich hat der Aktienkurs seit dem vierten Quartal 2008 in der Spitze um 384 Prozent zugelegt. Im Dezember wurden auch schon neue Rekordnotierungen aufgestellt, womit der langfristige charttechnische Aufwärtstrend als weiterhin vollkommen intakt untermauert wurde.

Auf Bewertungsebene ergibt sich dagegen auf den ersten Blick kein so vorteilhafter Eindruck. Beträgt das für 2015 geschätzte KGV doch immerhin gut 40. Die Deutsche Bank ist trotzdem optimistisch gestimmt, weil die Analysten UCB auf einem anhaltenden Wachstumspfad sehen. Die Hoffnungen ruhen dabei auf neuen Produkten wie dem im Zulassungsprozess befindlichen Osteoperose-Mittel Romosozumab, auf sich verbessernde Ergebnismargen und einen Erfolg bei einen anhängigen Gerichtsverfahren, bei dem es um den Epilipsie-Arzneistoff Vimpat geht. Konkret wird von 2014 bis 2017 mit einem Anstieg beim Umsatz von 3,344 Milliarden auf 4,28 Milliarden Euro gerechnet und beim Gewinn je Aktie im genannten Zeitraum mit einer Verbesserung von 1,69 auf 3,44 Euro.

Auf dieser Basis errechnet sich bereits ein günstigeres KGV von 23,7. Analysten halten im Konsens im Jahr 2018 aber einen weiteren deutlichen Gewinnsprung auf 4,46 Euro für möglich, wodurch sich das KGV sogar auf 18,3 verbessern würde. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Bank zuletzt das Kursziel hier von 85 Euro auf 90 Euro erhöht, wobei hierzu vor allem der gestiegene Dollar beitrug. Das genannte Kursziel lässt der Notiz nach den jüngsten bereits deutlichen Kursavancen noch 10,2 Prozent Luft nach oben, wobei die Deutsche Bank derzeit im Idealfall auch 98 Euro für durchaus erreichbar hält.



Deutsche Bank Top-Pharmaaktien-Favorit für 2016, Nummer drei: Actelion Ltd. (WKN: 936767, 134,40 Schweizer Franken, 123,89 Euro)



Der zweite Nebenwert, der es in die Top-Pharma-Aktien-Favoriten für 2016 der Deutschen Bank geschafft hat, ist Actelion. Die Gesellschaft stammt aus der Schweiz und ist auf die Entwicklung und Vermarktung synthetischer Kleinmolekül-Medikamente gegen Endothelerkrankungen spezialisiert. Die beiden wichtigsten Präparate, Veletri und Tracleer, werden bei der Behandlung von Herz- und Lungenleiden eingesetzt. Das Unternehmen ist globaler Marktführer in der Behandlung pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH). Das ist eine chronische, lebensbedrohliche Erkrankung, die durch abnorm hohen Blutdruck in den Arterien zwischen Herz und Lunge der betroffenen Patienten gekennzeichnet ist.

Allerdings keimen am Markt seit geraumer Zeit immer wieder einmal Zweifel auf, wie es Actelion wohl gelingen wird, den sich nach und nach fortsetzenden Verlust des Patentschutzes für das Blockbuster-Präparat Tracleer (76 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2014) zu kompensieren. Bis jetzt ist es letztlich aber immer wieder gelungen, diese Zweifel zu zerstreuen. Ablesen lässt sich das auch am Chart, hat sich der Kurs doch trotz Nachteile durch den festen Franken fast wieder dem im Juli bei 146,20 Franken aufgestellten Rekordhoch wieder genähert.

Zur Kurserholung seit Mitte Oktober, die dabei half, den langfristigen charttechnischen Aufwärtstrend zu verteidigen, trugen auch ansprechende Quartalszahlen bei. Im dritten Quartal erhöhte sich der Umsatz in Landeswährung um zehn Prozent und in Franken gerechnet um 3,7 Prozent auf 514.7 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn kam gleichzeitig um 10,1 Prozent auf 189.3 Millionen Franken voran. Eine Basis, die es den Verantwortlichen erlaubte, den Ausblick auf das Gesamtjahr beim währungsbereinigten Gewinnwachstum auf über 20 Prozent zu erhöhen. Bislang war ein Plus von 15 bis 19 Prozent in Aussicht gestellt worden, wobei die Verantwortlichen bereits im April und Juli die Prognose erhöht hatten.

Positiv aufgenommen wurde auch, dass das Tracleer- Nachfolgemedikament Opsumit gut abgeschnitten hat. Ein Rückschlag musste dagegen kürzlich beim Versuch hingenommen werden, mit Hilfe eines Zukaufs zu expandieren. Beim Übernahmekampf um die auf Hyperkaliämie spezialisierte US-Biotech-Gesellschaft ZS Pharma zog man gegenüber dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca den Kürzeren. Die Deutsche Bank bleibt dennoch optimistisch und hält dabei vor allem große Stücke auf das in der Zulassung befindliche dritte PAH-Medikament mit dem Markennamen Uptravi. Die Analysten setzen auf einen Marktstart für dieses Produkt im kommenden Jahr und auf damit möglichen Spitzenumsätzen von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr.

Geht die Rechnung auf, könnten sich die Gewinnmargen erheblich verbessern und der Gewinn je Aktie von 2017 bis 2020 um mehr als 15 Prozent p.a. zulegen. Aber auch schon von 2014 bis 2017 wird eine Ergebnisverbesserung von 4,60 auf 6,49 Franken unterstellt, woraus sich für 2017 ein geschätztes KGV von 20,7 ergibt. Laut Deutsche Bank werden damit die Geschäftsaussichten noch nicht ausreichend honoriert und das Kursziel wurde gerade von 170 auf 180 Franken erhöht. Wird die Vorgabe erreicht, hätte der Titel ein Aufwärtspotenzial von 33,9 Prozent.



Deutsche Bank Top-Pharmaaktien-Favorit für 2016, Nummer zwei: Astrazeneca Plc. (WKN: 886455, 44,04 britische Pfund, 61,45 Euro)



Der nächste Top-Pharma-Favorit der Deutschen Bank für 2016 hat bereits bei der Besprechung von Actelion Erwähnung gefunden. Denn dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca ist es gelungen, Actelion das kalifornische Biotechunternehmen ZS Pharma vor der Nase wegzuschnappen. Um das zu erreichen wurden 2,7 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt, was einem sehr deutlichen Aufschlag gegenüber dem Aktienkurs entsprach. Das im britischen Leitindex FTSE 100 enthaltende Unternehmen steht aber unter Druck, das Portfolio wie jetzt geschehen in Bereichen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verstärken, weil viele eigene Medikamente ihren Patentschutz verlieren. Unter anderem droht dem Blockbuster Crestor, ein Cholesterinsenker, in den USA der Wettbewerb durch Nachahmer-Medikamenten. Der Bestseller Nexium sieht sich außerdem seit dem ersten Quartal mit billigeren Nachahmerprodukten konfrontiert.

Aber immerhin ist es der Gesellschaft im dritten Quartal trotz der zusätzlich belastenden Dollarstärke gelungen, positiv ausgenommene Ergebnisse vorzulegen. Trotz einem Umsatzrückgang von zehn Prozent auf 5,95 Milliarden Dollar verdreifachte sich der Nettogewinn auf 770 Millionen Dollar, wobei der operative Kerngewinn, bei dem Sonderposten wie Finanzkosten und einmalige Restrukturierungsaufwendungen nicht berücksichtigt sind, allerdings um zwei Prozent auf 1,73 Milliarden Dollar zurückging. Trotzdem reichte das aus, um den Gesamtjahresausblick anzuheben. Der Umsatz wird jetzt zu konstanten Wechselkursen auf Vorjahresniveau gesehen, während bisher von einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich die Rede war. Das Kernergebnis je Aktie soll im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegen statt nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Die Deutsche Bank ist zuversichtlich, dass es der 1999 aus der Fusion der schwedischen Astra AB mit der britischen Zeneca Plc. gelingen wird, wieder in den Vorwärtsgang zu schalten. Gestützt auf den Schwerpunkten Herz und Kreislauf sowie Brust- und Prostatakrebs und zusätzlichen Aktivitäten im Bereich Magen und Darm, chronischen Lungenerkrankungen, Schizophrenie und bipolaren Störungen wird nach 2017 eine Rückkehr auf einen Wachstumskurs für möglich gehalten. Von 2017 bis 2020 wird jedenfalls ein durchschnittliches jährliches Plus von 14 Prozent für den Gewinn je Aktie prognostiziert. Bis dahin müssen sich die Anleger aber auf eine Durststrecke einstellen, wird der Gewinn für 2017 doch mit 4,21 Pfund je Aktie etwas unter den im Vorjahr erzielten 4,27 Pfund gesehen. Als Kursziel werden dennoch 57 Pfund genannt, was um 29,4 Prozent über den aktuellen Notierungen liegt.



Deutsche Bank Top-Pharmaaktien-Favorit für 2016, Nummer eins: Roche Holding AG (WKN: 851311, 267,00 Schweizer Franken, 247,70 Euro)



Beim vierten und letzten Pharma-Top-Favoriten der Deutschen Bank für 2016 handelt es sich um Roche aus der Schweiz. Die Aktie des Unternehmens ist auch bei deutschen Anlegern beliebt, trotzdem sei zunächst noch einmal daran erinnert, was der Konzern macht. Und zwar werden Medikamente für den Einsatz in den Bereichen Onkologie, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Hautkrankheiten, Stoffwechselkrankheiten sowie aus den Bereichen Transplantationsmedizin und Zentralnervensystem hergestellt.

Die Gesellschaft verfügt über viele Vorteile, wie etwa ein starkes Portfolio an Onkologiemedikamenten und einem hohen Anteil an Biotechnologie-Produkten, die weniger dem Wettbewerbsdruck durch Generika ausgesetzt sind als andere Pharmahersteller. Die klare Ausrichtung auf das Thema Innovation verschafft dem Unternehmen eine relativ große Preissetzungsmacht. Auch sind die Bereiche Pharma und Diagnostics so gut miteinander verknüpft, dass man gut aufgestellt ist, um von Trends wie im Bereich der personalisierten Medizin zu profitieren.

Trotz alledem tritt der Aktienkurs nun schon seit Ende Februar 2014 per Saldo nur auf der Stelle. Selbst die Tatsache eines nach dem dritten Quartal angehoben Ausblicks auf das Gesamtjahr hat daran nichts geändert. Fest steht aber, dass nun ein Umsatzplus im mittleren einstelligen Bereich zu konstanten Wechselkursen erwartet wird, statt wie bisher mit einem Zuwachs im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich. Der Gewinn je Aktie soll dabei unverändert stärker steigen als der Umsatz.

Die Deutsche Bank hat aber eine bestehende Kaufempfehlung für den Titel. Drohende Konkurrenz durch Biosimilars (Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika) wird zwar als ein Risikofaktor genannt, doch das Kerngeschäft sei insgesamt sehr stabil und außerdem sei auch die eigene Pipeline mittelfristig gut bestückt. Der Nachrichtenfluss dürfte insgesamt positiv ausfallen und langfristig sei ein Gewinnwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich drin.

Gemessen daran seien die Marktteilnehmer gegenüber Roche derzeit zu vorsichtig eingestellt, heißt es. Mit einem deutlicheren Gewinnschub wird aber erst 2017 gerechnet, denn da soll das Ergebnis je Aktie den Prognosen zufolge von 15,78 für 2016 auf 17,57 Franken klettern. Auf dieser Basis ergibt sich ein KGV von 15,2. Bei der Dividende wird für 2015 mit 8,16 Franken gerechnet, für 2016 mit 9,45 Franken und für 2017 mit 10,62 Franken. Das Kursziel wird auf 310 Franken beziffert, was um 16,0 Prozent über dem aktuellen Niveau liegt.