"Draghi-Effekt" und Ölpreis-Anstieg schieben Aktien an

22.01.2016 18:06:53

Frankfurt (Reuters) - In der Hoffnung auf weitere Geldspritzen der EZB und der Bank von Japan haben Anleger am Freitag bei Aktien beherzt zugegriffen.

Für Erleichterung sorgte der wieder anziehende Ölpreis. Der Dax legte zwei Prozent auf 9764,88 Punkte zu. In Summe erzielte er mit einem Plus von 2,3 Prozent den ersten Wochengewinn des Börsenjahres 2016.

Auch an den anderen europäischen Handelsplätzen ging es kräftig aufwärts: Der EuroStoxx50 gewann 2,7 Prozent auf 3023,21 Punkte. Denn Notenbank-Chef Mario Draghi nährte Spekulationen auf zusätzliche Wertpapierkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Seine Warnungen vor den Risiken für die Wirtschaftsentwicklung[nFWN156003] sind Börsianern zufolge ein Hinweis darauf, dass die EZB wohl schon im März weitere Milliarden in die Finanzmärkte pumpen wird. Damit soll die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abgewendet werden. Dies drückte den Euro um 0,6 Prozent bis auf 1,0795 Dollar. Parallel dazu fielen die Renditen für zwei- und fünfjährige Bundesanleihen auf Rekordtiefs. Auch die Renditen südeuropäischer Länder wie Spanien und Portugal gaben deutlich nach.

Auch in Japan denkt die Zentralbank einem Bericht des Wirtschaftsblatts "Nikkei" zufolge "ernsthaft" über eine weitere Lockerung der Geldpolitik nach. "Bei einer so niedrigen Inflation wäre es seltsam, wenn die Zentralbanken angesichts der Marktturbulenzen und gestiegenen Risiken nicht mehr tun würden", sagte Anlagestratege John Reid von der Deutschen Bank. Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, warnte aber: "Wie im Dezember könnten es die Anleger auch dieses Mal wieder bitter bereuen, auf weitere Geldgeschenke der EZB zu spekulieren, bevor sie beschlossen wurden." Damals waren die Börsen als Reaktion auf die aus Anlegersicht unzureichende Öffnung der Geldschleusen abgestürzt[nL8N13S4JK].

KÄLTEEINBRUCH BEFLÜGELT ÖLPREISE

Erleichterung an den Aktienmärkten weltweit löste der anziehende Ölpreis aus. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 8,6 Prozent auf 31,76 Dollar je Barrel (159 Liter). Auslöser der Rally war der Kälteeinbruch in den USA und Europa, der den Bedarf für Heizöl in die Höhe treibt. Darüber hinaus lösten zahlreiche Anleger ihre Wetten auf fallende Kurse auf, um ihre Verluste zu begrenzen, sagten Börsianer. Da das Angebot die Nachfrage aber bis auf weiteres übersteigen werde, sei dieses Kursplus aber nur ein Strohfeuer. Seit Mitte 2014 hat sich der Rohstoff wegen der weltweiten Überproduktion um etwa 70 Prozent verbilligt.

ÖLWERTE IM AUFWIND

Der Aufschwung am Rohstoffmarkt schob die Ölwerte an. BP, Shell, Total, Statoil, OMV und Repsol gewannen bis zu 9,5 Prozent. In Russland, das stark von Energieexporten abhängig ist, legte der Moskauer Leitindex RTS 9,4 Prozent zu. Abwärts ging es hingegen für britische Minenwerte wie Anglo American und Glencore. Händler verwiesen unter anderem auf eine drohende niedrigere Bonitätsbewertung durch die Ratingagentur Moody's.

Bei den Dax-Werten waren Vonovia und HeidelbergCement mit Aufschlägen 5,5 Prozent und 4,6 Prozent die Spitzenreiter. Nicht recht überzeugen konnte hingegen SAP mit seinen angehobenen Wachstumszielen für 2017. Die Aktie des Softwarekonzerns legte lediglich 0,4 Prozent zu.

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