Draghi läßt Anleger hoffen - Dax startet durch

Draghi läßt Anleger hoffen - Dax startet durch
21.01.2016 18:17:01

Frankfurt (Reuters) - EZB-Chef Mario Draghi macht Anlegern mit der Aussicht auf weitere Geldgeschenke im März den Mund wässerig.

Der oberste Währungshüter fachte am Donnerstag die Spekulationen auf weitere geldpolitische Lockerungen kräftig an. Dax und EuroStoxx starteten daraufhin durch, der deutsche Aktienindex legte 1,9 Prozent auf 9574 Punkte zu. Der Euro hingegen fiel zweitweise um mehr als einen US-Cent unter 1,08 Dollar.

An den Leitzinsen rüttelte die Europäische Zentralbank (EZB) erwartungsgemäß nicht. Draghi zeigte sich jedoch wegen des Preisverfalls am Ölmarkt und niedriger Inflationsaussichten in Alarmbereitschaft. Die Gefahr bestehe, dass eine wirtschaftliche Abwärtsspirale in Gang komme, betonte er. Viele Marktteilnehmer rechnen nun damit, dass die EZB schon auf der Sitzung im März nachlegen wird. "Denkbar ist, dass sowohl an den Strafzinsen wie auch am QE-Programm noch einmal etwas geändert wird", kommentierte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Erst im Dezember hatte die EZB das Anleihekaufprogramm zur Anheizung der Inflation ausgedehnt.

DRAGHI ERHÖHT DEN DRUCK AUF SICH SELBST

Einige Volkswirte und Analysten sorgen sich nun, dass Draghi sich zu weit aus dem Fenster gelehnt haben könnte. "Die EZB läuft Gefahr, Hoffnungen zu wecken, die sie nicht erfüllen kann", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Dies sei bereits im Dezember der Fall gewesen, erinnerte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. "Innerhalb der EZB gibt es auch Stimmen gegen weitere Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik."

Die Ölpreise gingen dank der Hoffnung auf konjunkturtreibende Geldspritzen erst einmal auf Erholungskurs. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um fünf Prozent auf 29,34 Dollar je Fass. US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um rund 4,5 Prozent 29,72 Dollar je Fass.

Die Ölpreise sind seit Jahresbeginn um mehr als 25 Prozent gefallen. Als Hauptgrund gilt die weltweite Überproduktion an Öl, der die Förderländer aus Angst vor Verlusten bei den Marktanteilen, bislang nicht Einhalt gebieten. Auch die wöchentlichen US-Lagerdaten stiegen erneut stärker als von Analysten erwartet.

ANLEGER STRAFEN DEUTSCHE BANK AB

Schlusslicht am deutschen Aktienmarkt waren die Titel der Deutschen Bank, die in der Spitze um 9,5 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Tief abstürzten. Analysten und Aktionäre reagierten entsetzt auf den Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro für 2015. Auch die neuen Rückstellungen von gut einer Milliarde Euro für Rechtsstreitigkeiten stießen Anlegern sauer auf. "Die Kosten für Gerichtsprozesse enden nicht mit dieser Rückstellung - wir gehen davon aus, dass es sie noch mehrere Jahre geben wird", sagte Goldman-Sachs-Analyst Jernej Omahen. Börsianer befürchten nun, dass die Deutsche Bank eine weitere Kapitalerhöhung benötigt. Die Papiere gingen 3,4 Prozent tiefer aus dem Handel.

Größte Gewinner im Dax waren RWE mit einem Plus von sechs Prozent, gefolgt von Volkswagen mit plus 5,5 Prozent.

Mit der Ankündigung einer großen Restrukturierung beruhigte das britische Verlagshaus Pearson die Anleger. Die Titel schnellten in London um 17,4 Prozent nach oben. Allerdings hatten sie in den vergangenen zwölf Monaten angesichts mehrerer Gewinnwarnungen rund 45 Prozent verloren.

Nach dem Ausverkauf der vergangenen Tage wagten sich Anleger in italienische Bankenwerte zurück. Zu den größten Gewinnern zählte die kriselnde Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS). Die Aktien des ältesten Geldhauses der Welt stiegen um 43 Prozent auf 0,73 Euro.

Anmeldung notwendig

Benutzername oder E-Mail:
Passwort:
Anmelden
Um diese Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Falls Sie noch kein Benutzerkonto bei boerse-online.de besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Eintrag hinzufügen

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit