Kohlepreis

01.12.2014 12:53:18

Energiekonzern

E.ON-Aktie legt deutlich zu - Versorger vor tiefgreifendem Umbau - Atom und Kohle gehen


E.ON steht vor einem radikalen Konzernumbau. Der 62.000 Mitarbeiter zählende Stromriese verabschiedet sich unter dem Druck der Energiewende von seinen Atom- und Kohlekraftwerken und setzt auf Ökostrom. Für E.ON werde es künftig zwei getrennte Welten geben, die der konventionellen und die der erneuerbaren Energie, umriss Konzernchef Johannes Teyssen am Montag die Neuausrichtung.

Der Versorger soll binnen zwei Jahren in zwei börsennotierte Gesellschaften aufgespalten werden. Politik, Analysten und Anleger begrüßten den Schritt, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könnte. E.ON-Aktien gewannen zeitweise mehr als sechs Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sieht in der Aufspaltung des Versorgers keine Gefahr für den Verbraucher. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet, sagte eine Sprecherin Gabriels. Zudem müsse nach einer Aufspaltung von E.ON der neue Eigentümer der Atomkraftwerke sicherstellen, dass ausreichend Rückstellungen für deren Abbau und Entsorgung vorhanden sind. Die Regierung gehe davon aus, dass dies der Fall sei, sagte die Sprecherin. Derzeit seien dafür 36 Milliarden Euro vorhanden. "Es ist zu begrüßen, wenn E.ON sich den Herausforderungen der Energiewende offensiv stellt", betonte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. Der SPD-Politiker pochte zudem auf einen Erhalt der Arbeitsplätze.

Nach den Plänen Teyssens soll der Kohle- und Atom-Konzern 2016 von E.ON abgespalten und an die Börse gebracht werden. Die Mehrheit der Aktien werden den E.ON-Aktionären dann ins Depot gebucht. Die restlichen Anteilsscheine will E.ON danach in kleineren Schritten über die Börse verkaufen. Die Abspaltung soll auch die Rückstellungen für den Abriss der Kernkraftwerke übernehmen. Dies könnte die Idee einer Atomstiftung erneut anfachen, in der die AKW-Betreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Risiken auslagern.

Der bei E.ON bleibende Teil repräsentiere eine "saubere, nachhaltige, komplexe und dynamische" neue Energie-Welt, bilanzierte Teyssen. Gleichzeitig werde die konventionelle Energieversorgung auf absehbare Zeit "Rückgrat" der Stromerzeugung sein. Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Teyssen auf den Preissturz bei den Strom- Großhandelspreisen. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. "Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.ON wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht", räumte Teyssen ein. Ein Stellenabbau sei mit der Neuaufstellung nicht verbunden, versicherte er. Mit dem Spin-Off folgt E.ON dem Beispiel von Bayer mit Lanxess oder Siemens mit der Lichttochter Osram.

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Bildquelle: Wolfgang Rattay/Reuters

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