Wegen der Krise der Kohle- und Gaskraftwerke nimmt die Bedeutung des Ökostroms zu. Doch nicht überall läuft es rund. Die Einnahmen sind wechselhaft wie das Wetter. Das Geld für Investitionen sitzt nicht mehr so locker. Und Deutschland spielt beim Ausbau der Erneuerbaren Energien keineswegs die Hauptrolle.

"Die konventionelle Stromerzeugung ist auf dem Rückzug - nicht nur bei RWE", erklärt Vorstandschef Terium. E.ON und RWE waren nach der Jahrtausendwende nur zögerlich in die Erneuerbaren eingestiegen. Lange Zeit setzten sie auf Kernkraft und Kohle, ehe sie ab 2007/08 eigene Ökostromtöchter aufbauten. E.ON hat zehn Milliarden Euro investiert, RWE ließ jährlich eine Milliarde springen. Soviel können sie sich nicht mehr leisten. Neue Partner, darunter Finanzinvestoren, sind willkommen.

Auf Seite 2: ÖKOSTROMANTEIL WÄCHST AUCH WEGEN KRISE VON KOHLE UND GAS

ÖKOSTROMANTEIL WÄCHST AUCH WEGEN KRISE VON KOHLE UND GAS

Investionen in Ökostrom zahlen sich aus, weil die Kohle- und Gaskraftwerke wegen der Überkapazitäten und des Preisverfalls der Strom-Großhandelspreise weniger verdienen. Den "Brennstoff" Sonne, Wind und Wasser gibt es umsonst. Konventionelle Kraftwerke werden vom staatlich geförderten Ökostrom aus dem Markt gedrängt. "Wir gehen davon aus, dass sich der Energiemix der Unternehmen in den kommenden Jahren deutlich zugunsten von Erneuerbaren verändert", erklärt Moody's-Analyst Matthias Heck. Es werde jedoch einige Zeit dauern, um die wegfallenden Ergebnisbeiträge aus den Kernkraftwerken zu kompensieren.

"Wir ernten nun die Früchte, die wir in den ersten sechs Jahren gesät haben", sagte der Chef der Ökostromtochter RWE Innogy, Hans Bünting, kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Gewinne im Bereich Erneuerbare Energien werden steigen", kündigte auch E.ON-Vorstandsmitglied Mike Winkel an. Der Anteil des Ökostroms an der Gesamterzeugung des Versorgers nehme auch zu, weil der aus Kohle- und Gaskraftwerken kontinuierlich sinke. "Somit findet auch bei uns eine Energiewende statt."

Die Versorger sind aber vor Rückschlägen nicht gefeit. RWE musste viel Lehrgeld zahlen. Der Anschluss neuer Windparks an das Stromnetz verzögerte sich, und in Spanien zog die Regierung Förderzusagen zurück. Hohe Abschreibungen waren fällig. "Wir zahlen einen Preis dafür, dass wir das Geschäft relativ schnell begonnen haben", erklärt Finanzchef Bernd Günther. "Aber wir sind durch eine steile Lernkurve gegangen." Doch gegen das Wetter kann RWE nichts ausrichten. Und das spielte zuletzt nicht mit. Die Windräder hätten zu wenig Wind gehabt und die Wasserkraftwerke zu wenig Wasser. RWE musste die Prognose für Innogy senken und erwartet nun 2014 statt eines Wachstums einen Rückgang des Ergebnisses. Danach soll es aber bergauf gehen.

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VERSORGER WERDEN "WETTERFÜHLIG" - BREITE AUFSTELLUNG HILFT

RWE steht damit nicht allein. Auch der Karlsruher Versorger EnBW musste einen Einbruch des operativen Ergebnisses beim Ökostrom um ein Fünftel hinnehmen. "Die Wetterabhängigkeit wird zunehmen", räumt Finanzchef Thomas Kusterer ein. Je stärker der Konzern den Ökostrom ausbaue, desto stärker könne die Witterung auch das operative Ergebnis beeinflussen. EnBW wolle daher das Geschäft regional breit streuen.

"Wettereffekte lassen sich kaum absichern", sagt Moody's-Analyst Heck. Bei breit aufgestellten Unternehmen dürfte dieser Effekt aber geringer ausfallen. Darauf setzt E.ON. Der Konzern verfügt über Wasserkraftwerke in Schweden, Deutschland, Italien und Spanien und betreibt in Europa und den USA Windkraftanlagen mit der Leistung von vier Kernkraftwerken. Vor allem mit dem US-Geschäft hebt sich E.ON von dem auf Europa konzentrierten Konkurrenten RWE ab. Auch in den USA ist Ökostrom auf dem Vormarsch. E.ON betreibt in Texas einen der größten Windparks der Welt. Große Solaranlagen sollen in Amerika hinzukommen.

Mit Ökostrom verdienten die Düsseldorfer 2013 operativ 1,4 Milliarden Euro. Der Anteil am Gesamtgewinn lag bei gut 15 Prozent. RWE kam auf ein betriebliches Ergebnis von 200 Millionen Euro. Der Ergebnisanteil betrug etwa vier Prozent. Mittelfristig wollen die Essener auf zehn bis 15 Prozent kommen.

Auf Deutschland allein verlassen sich die Konzerne nicht. Während E.ON fast ein Viertel seiner Ökostrom-Kapazitäten in den USA hat, betreibt RWE diverse Anlagen in Großbritannien und den Niederlanden. Auch in Polen wollen die Essener mehr Windräder aufstellen. "Weitere Investitionen werden im wesentlichen von der Verfügbarkeit von Standorten und der Höhe von Subventionen abhängig sein", sagt Experte Heck.

Bei Umweltschützern lösen die Konzerne noch keine Begeisterungsstürme aus. "Die Investitionen sind begrüßenswert, aber die Versorger bauen auch weiter Kohle- und Gaskraftwerke", kritisiert Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl. "Vor allem Privatpersonen haben die Energiewende vorangetrieben." Wegen der hohen Investitionskosten seien die Energieriesen aber etwa beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen gefragt. "Und das ist ein Geschäftsmodell, das der Bürgerenergiewende nicht im Weg steht."

Reuters