29.01.2016 19:06:58

Hoffnung auf neues Notenbank-Geld treibt Europas Börsen


Frankfurt (Reuters) - Spekulationen auf neue Geldspritzen der großen Notenbanken haben die europäischen Aktienmärkte am Freitag beflügelt.

Der Dax stieg um 1,6 Prozent auf 9798,11 Punkte und machte damit einen Teil seiner Vortagesverluste wieder wett. Dennoch verbuchte der Leitindex im Januar mit einem Minus von knapp neun Prozent einen der schlechtesten Jahresstarts seiner Geschichte. Der EuroStoxx50 zog am Freitag um 2,2 Prozent auf 3045,09 Zähler an und lag damit fast sieben Prozent niedriger als Ende Dezember. Für den Auftrieb zum Wochenschluss sei vor allem die japanische Notenbank verantwortlich, sagte IG-Marktes-Analyst Gregor Kuhn.

Im Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturschwäche und die Gefahr einer Deflation führen Japans Währungshüter Strafzinsen ein. "Die Geldpolitik folgt nun dem Vorbild der Europäischen Zentralbank", schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. "Ähnlich wie bei der EZB dürfte dieser Schritt darauf abzielen, die Kreditvergabe der Banken zu stimulieren." Dahinter dürften den Experten zufolge jedoch vor allem währungspolitische Überlegungen stehen. "Der Yen wertete schließlich in den letzten Monaten gegen alle wichtigen Währungen teils kräftig auf."

EURO GERÄT UNTER DRUCK

Als Reaktion auf den Zinsentscheid geriet der Kurs der japanischen Währung ins Rutschen. Ein Dollar verteuerte sich um 1,9 Prozent auf 121,04 Yen. Auch gegenüber dem Euro konnte der Greenback zulegen: Die Gemeinschaftswährung sank auf 1,0824 Dollar. Schließlich habe die EZB bereits angedeutet, dass sie bei ihrer Ratssitzung im März die Geldpolitik weiter lockern wolle, betonte Analyst Craig Erlam vom Brokerhaus Oanda. Die Geldhäuser der Euro-Zone müssen auf ihre Einlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent zahlen. Gleichzeitig pumpen die Währungshüter monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Anleihe-Investoren setzten bereits auf eine Ausweitung der Wertpapierkäufe: Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stieg bis auf 163,52 Punkte und markierte damit den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch.

ANLEGER MACHEN BOGEN UM THYSSENKRUPP - AMAZON IM MINUS

Thyssenkrupp rutschten mit einem Minus von 3,2 Prozent auf 14,24 Euro ans Dax-Ende. Zwischenzeitlich waren die Aktien mit 14,13 Euro auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen. Händler verwiesen auf Aussagen von Konzernchef Heinrich Hiesinger. "Die Lage der europäischen Stahlindustrie ist in der Tat besorgniserregend", hatte der Manager auf der Hauptversammlung gesagt. Im MDax brach der Kurs des Konkurrenten Salzgitter um 10,4 Prozent ein.

An der Wall Street stiegen die wichtigsten Indizes zum Handelsschluss in Europa jeweils um rund 1,2 Prozent. Microsoft-Aktien legten um fünf Prozent zu. Dank florierender Einnahmen im zukunftsträchtigen Cloud-Geschäft und eines aggressiven Sparkurses übertraf der weltgrößte Softwarekonzern im abgelaufenen Quartal die Markterwartungen. Zu den großen Verlierern gehörten dagegen Amazon mit einem Minus von rund acht Prozent. Der weltgrößte Onlinehändler enttäuschte die Märkte trotz eines Rekordgewinns.

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