Die Zeichen stehen auf Kontinuität in Japan. Zumindest politisch. Bei den Oberhauswahlen hat nämlich gerade die Regierungskoalition von Ministerpräsident Shinzo Abe deutlich gewonnen. Sie verfügt nun über eine Zweidrittelmehrheit sowohl im Ober- wie auch im Unterhaus, was Abe große politische Möglichkeiten eröffnet. Zum einen wird er noch konsequentere wirtschaftspolitische Maßnahmen durchsetzen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Und zum anderen - und das ist mindestens so kontrovers wie Ersteres - wird er wohl die angedachte Reform der pazifistischen Verfassung durchsetzen. Dies birgt natürlich die Gefahr geopolitischer Konfrontationen.

An den Finanzmärkten spielt diese Befürchtung derzeit indes keine Rolle. Man konzentriert sich hier klar auf das Potenzial der wirtschaftspolitischen Pläne. Der Nikkei-Aktienindex legte in den zurückliegenden Tagen deutlich zu, und die Landeswährung Yen schwächte sich ab - was der Exportindustrie nützt. Es wird ja auch Zeit: Japans Börse gehört in diesem Jahr zu den schlechtesten Märkten weltweit. Der Nikkei 225 verlor in der Spitze 22 Prozent und liegt - trotz der jüngsten Erholung - aktuell immer noch zwölf Prozent im Minus. Doch das könnte sich jetzt ändern. Ein erstes Signal scheint der höchst erfolgreiche Börsengang von Line zu sein, der japanischen Alternative zu Whatsapp: Binnen zweier Börsentage war der Kurznachrichtendienst milliardenschwer bewertet.

Die Sache mit dem Helikoptergeld



Und was ist also jetzt zu erwarten von der Regierung Abe? Es ist jedenfalls mal wieder die Rede vom "Helikoptergeld". Die japanische Zentralbank wird wohl Geld direkt in die Wirtschaft pumpen. Das soll die Endnachfrage steigern. Der neue Plan folgt auf das massive Aufkaufen von Wertpapieren, was trotz eines Gegenwerts von 15 Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts die Deflation bisher nicht nachhaltig stoppen konnte. Allerdings lag dies auch daran, dass Japan durch die bis zuletzt fallenden Rohstoffpreise, die schwächere Inlandsnachfrage sowie die deutliche Abwertung des chinesischen Renminbi mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Nicht funktioniert hat auch der Ende Januar gestartete Versuch, durch Negativzinsen den Yen zu schwächen. Das Gegenteil war der Fall: Der Yen legte etwa gegenüber dem chinesischen Renminbi um 20 Prozent zu. Es bedarf also anderer Aktionen.

Und so wie die Dinge stehen, scheinen sich Abe und der Präsident der japanischen Nationalbank Haruhiko Kuroda dabei von Ben Bernanke beraten zu lassen, dem einstigen Chef der US-Notenbank, der während seiner Amtszeit den Spitznamen "Helikopter-Ben" trug - in Anspielung auf seine Ideen, was laxe Geldpolitik angeht. Ein Datum wird dabei besonders wichtig: das nächste Meeting der japanischen Zentralbank am 29. Juli. Spätestens dann dürften erste Maßnahmen beschlossen werden.

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Aber ob es funktioniert? Schafft es Japan tatsächlich nachhaltig aus der Malaise, die durch den starken Bevölkerungsrückgang noch verschärft wird? Zuletzt gab es wieder Nachrichten, dass die Zahl der Einwohner so schnell schrumpft wie noch nie zuvor seit Start der Statistik.

Klar ist: Wenn Japan nichts tut, riskiert man den wirtschaftlichen Zusammenbruch. Auf der anderen Seite ist "Helikoptergeld" ein Experiment mit unsicherem Ausgang. Inflation lässt sich damit eventuell schneller herbeiführen, als es den Initiatoren vielleicht lieb ist - selbst eine Inflation der zerstörerischen, finanziell repressiven Sorte. Ungewiss ist auch, wie andere Länder auf die Maßnahmen reagieren. China könnte die Versuche mit eigenen Abwertungsaktionen kontern. Stichwort Währungskrieg.

Die Sache mit den Dividendenrenditen



So oder so ist die Börse Japan aber einen Blick wert. Die Unternehmen sind selbstbewusst wie lange nicht. So will etwa der Telekomkonzern Softbank den günstigen Pfund-Kurs nutzen und den britischen Chipdesigner ARM kaufen.

Darüber hinaus ist eine große Zahl der Aktien vernünftig bewertet. Ein Indiz ist die Dividendenrendite, die bei vielen Unternehmen zwischen drei und fünf Prozent beträgt. Bei Canon etwa liegt die erwartete Dividendenrendite auf Zwölfmonatssicht bei über fünf Prozent. Das Unternehmen ist nach wie vor einer der großen Player im Fotobereich, und der Kurs ist nach unten gut unterstützt. Ähnlich sieht es mit den Renditen bei Komatsu und Toyota aus. Ein Tipp aus dem Wachstumsbereich ist der Medizintechnikhersteller Terumo, dessen Geschäft kontinuierlich zulegt.

Wer keine Einzelwette wagen möchte, fährt mit einem Fonds wie dem Henderson Japan Small gut, der vor allem von einer Zunahme des Binnenkonsums profitiert. Top auch das Zertifikat Solactive Japan Buyback, das von den weiter zunehmenden Aktienrückkaufprogrammen im Land profitiert.





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