Um den Düngemittelkonzern K+S zeichnet sich ein Übernahmekampf ab. Der Dax-Konzern aus Kassel hat am Donnerstag eine Offerte des um einiges größeren kanadischen Rivalen Potash mit deutlichen Worten zurückgewiesen. "K+S braucht Potash nicht", sagte Vorstandschef Norbert Steiner. Das Angebot der Kanadier, das K+S mit knapp acht Milliarden Euro bewertet, reflektiere den Wert des Unternehmens nicht angemessen. Steiner befürchtet zudem, dass Potash nach einer Übernahme die Produktion in den deutschen Minen von K+S herunterfahren könnte, um das Angebot am Markt für Kali-Düngemittel zu verknappen. Damit würde ein Teil der weltweit 14.000 Arbeitsplätze bei K+S auf der Kippe stehen.

Potash habe bei diesen Punkten bisher keine konkreten Zusagen gemacht, sagte Steiner vor Journalisten in Frankfurt. "Derjenige, der behauptet, dass es keine Probleme mit den Arbeitsplätzen gibt, muss belegen, dass es so ist." Auch die Gewerkschaft IG-BCE lehnt die Übernahmeofferte deshalb ab. "Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Zukunftsperspektiven der deutschen Standorte", erklärte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef bei dem hessischen Unternehmen ist.

Ob K+S eine Übernahme durch Potash überhaupt abwehren kann, steht allerdings in den Sternen. Das Unternehmen hat nämlich seit einiger Zeit keine Ankeraktionäre mehr, die sich schützend vor den Konzern stellen könnten. Viele Branchenkenner trauen es Potash durchaus zu, ein feindliches Übernahmeangebot für K+S vorzulegen. Eine Vertreterin von Potash in Deutschland wollte sich zum weiteren Vorgehen nicht äußern. Steiner sagte, wenn ein neues Angebot der Kanadier auf dem Tisch liege, werde der Vorstand dieses prüfen. "Der Ball liegt im Augenblick bei Potash." K+S-Aktien verbilligten sich am Donnerstag um zwei Prozent auf 37,02 Euro. Analysten schlossen ein höheres Angebot nicht aus.

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K+S HÄLT SICH ALLEINE FÜR STARK GENUG



Potash hat bereits vor 20 Jahren versucht, K+S zu kaufen - was am Widerstand des Kartellamts scheiterte. Im Februar unternahm der Konzern dann Insidern zufolge einen neuen Anlauf. Der deutsche Potash-Chef Jochen Tilk traf sich mit Steiner, um über einen Zusammenschluss zu sprechen. Ende Mai übermittelte er dann einen schriftlichen Übernahmevorschlag und bot 41 Euro je K+S-Aktie - aus Steiners Sicht viel zu wenig. Eine neue Mine, die K+S Ende 2016 in Kanada eröffnen will, sei im Aktienkurs derzeit noch nicht berücksichtigt, sagte der Vorstandschef. Es gebe eine "Bewertungslücke" von bis zu 21 Euro je Aktie.

K+S werde seinen Konkurrenten Potash auch nicht in seine Bücher schauen lassen, sagte Finanzchef Burkhard Lohr in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Er wollte sich nicht dazu äußern, welchen Preis die Kanadier bieten müssten, um die K+S-Spitze auf ihre Seite zu ziehen. Wenn es zu einem Übernahmeangebot komme, müssten am Ende die Aktionäre entscheiden, ob sie es für angemessen halten, sagte Lohr.

K+S stellt neben Kali-Düngemitteln auch Salz her, hier sind die Hessen Weltmarktführer. In dieser Aufstellung ist das Unternehmen aus Sicht von Steiner stark genug, um sich alleine am Markt zu behaupten. Der Konzern werde in den kommenden Jahren "erhebliche Wertsteigerungen" erzielen und seinen Betriebsgewinn bis 2020 auf rund 1,6 Milliarden Euro ausbauen. 2014 waren es 895 Millionen Euro.

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POLITIK WILL FÜR ARBEITSPLÄTZE KÄMPFEN



Der Kali-Markt wird seit langem von einer Handvoll Unternehmen beherrscht. Durch die Übernahme des fünftgrößten Anbieters K+S würde Potash wieder zur weltweiten Nummer 1 aufsteigen. Analysten erwarten, dass die Kanadier diese Marktmacht nutzen würden, um das Angebot zu verknappen und den Preis auf ein gewünschtes Niveau zu bringen. Die Bergwerke in Deutschland, in denen die Produktionskosten höher sind als in Kanada, stünden somit vor einer unsicheren Zukunft.

Die Ministerpräsidenten von Hessen und Thüringen wollen für die Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region kämpfen. Es müsse geklärt werden, ob sich durch Umweltauflagen und bergrechtliche Vorgaben Einfluss nehmen lasse, sagte der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow zu Reuters. "Es ist uns nicht egal, ob K+S feindlich übernommen wird."

Potash hatte betont, freundlich über eine Übernahme verhandeln zu wollen. Operative Veränderungen wie Werksschließungen oder der Verkauf von Aktivitäten seien nicht geplant, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Steiner will dem keinen Glauben schenken. Potash befinde sich in einem "Dilemma" und kämpfe mit Überkapazitäten von fünf Millionen Tonnen. "Wir sind nicht überzeugt, angesichts der eigenen Lage von Potash, dass ein Unternehmen soviel Geld ausgibt, um alles beim Alten zu lassen. Das ist unplausibel."

Reuters