01.03.2016 18:16:39

KORREKTUR/ROUNDUP/Sparkassen Niedersachsen:Bargeldgrenze ebnet Negativzinsen Weg


(Im vorletzten Absatz, 3. Satz wurde präzisiert, dass es sich um das Zinsergebnis handelt.)

HANNOVER (dpa-AFX) - Die Debatte um mögliche Bargeldeinschränkungen ebnet nach Ansicht von Niedersachsens Sparkassenverbandschef Thomas Mang der Einführung von Negativzinsen den Weg. Wenn Sparer für die Lagerung ihrer Ersparnisse auf Bankkonten zahlen müssten, so Mang am Dienstag in Hannover, könnten sie große Mengen Bargeld in Schließfächern lagern. Das aber wäre nicht wünschenswert. "Man muss sich dann überlegen, wie man das Bargeld-Bollwerk knackt", sagte Mang und betonte: "Ich habe Europa so kennengelernt: Leise Ankündigungen haben oft einen ziemlich ernsten Hintergrund".

Die EU prüft zur Zeit Obergrenzen für Bargeldzahlungen, wie es sie in vielen Ländern gibt. Deutschland hatte eine Grenze von 5000 Euro ins Spiel gebracht - das Bundesfinanzministerium hat aber wiederholt klargestellt, dass es dabei nicht um eine Abschaffung von Bargeld geht. Eine Obergrenze soll Kriminalität, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit eindämmen. In der Europäischen Zentralbank (EZB) wird zudem über eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins nachgedacht. Mang, der auch Vize-Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands ist, befürchtet eine schleichende Entwertung des Bargeldverkehrs.

Er kritisierte erneut eine überbordende Bürokratie: "Wir stellen dabei fest, dass auf europäischem Parkett mit allen Tricks gearbeitet wird; so versucht beispielsweise der italienische Ministerpräsident, sein Bankensystem für die Staatsfinanzierung zu erhalten und gleichzeitig Stimmung gegen Deutschland zu machen".

Kritisch äußerte er sich über die Einlagensicherung der Kreditinstitute im Sinne einer "Haftungsvergemeinschaftung" und betonte: "Um einen historischen Rückblick wagen zu wollen, kann man auch sagen, dass zurzeit 500 Jahre Erfahrungen sowie Erfolg im Bankengeschäft auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen wird."

Der Verbandschef schwor die Sparkassen daher auf schwierige Zeiten ein. Im Vorjahr hatten sich die 46 Sparkassen des Landes in einem bereits schwierigen Umfeld noch "zufriedenstellend" behaupten und Kosten und Ergebnis weitgehend auf dem Vorjahresniveau halten können. Mit Blick auf die Ergebnisse meinte Mang: "Sie haben trotz des Druckes auf die Ertragslage sowie steigender Regulierungskosten ein Betriebsergebnis vor Bewertung von rund 920 Millionen Euro erreicht."

Spätestens 2017 erwartet der Verbandschef eine Trendwende: "Dass wir im Jahre 2017 Einschnitte in unserer Ertragslage haben werden, das steht definitiv fest." Gegensteuern will Mang mit Kostensenkungen und zunehmender Digitalisierung - 50 Prozent der Kunden wickeln heute ihre Geschäfte online ab. Die Zahl der 46 Sparkassen im Lande ist seit Januar durch eine Fusion zwischen denen im Weserbergland und Hameln geschrumpft. Ähnliche Gespräche stehen in Hildesheim, Peine und Goslar an. Konsolidierungsgespräche werden erwartet bei kleineren Sparkassen in Osterode, Duderstadt, Hannoversch Münden, Bad Sachsa, aber auch in Einbeck und Nordheim, haben aber noch nicht begonnen.

Mang kündigte einen weiteren Stellenabbau an, der aber ohne betriebsbedingte Kündigungen vollzogen werden soll. Gegenüber 2014 schrumpfte die Zahl der Arbeitsplätze im Vorjahr um 811 Mitarbeiter auf nun 22 759 - die Zahl der Geschäftsstellen verringerte sich um 86 auf 1015. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet er einen acht- bis zehnprozentigen Rückgang des Betriebsergebnisses sowie ein sinkendes Zinsergebnis, das zurzeit bei etwa 2,2 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme liegt. Es soll aber über der Zwei-Prozent-Marke bleiben. Das Zinsergebnis bezeichnet die Summe aller Zinsaufwendungen und Zinserträge - der Haupteinnahmequelle eines Kreditinstituts.

Die Einlagen von Privatkunden, Unternehmen und der öffentlichen Hand stiegen im vergangenen Jahr nach diesen Angaben um 2,8 Prozent auf 72,4 Milliarden Euro. Der Trend zu kurzfristigen Sichteinlagen nahm zu - sie stiegen um 9,4 Prozent auf 42,2 Milliarden Euro. Stark nachgefragt wurden auch Unternehmenskredite und Wohnungsbaudarlehen. Der Jahresüberschuss lag bei 200 Millionen Euro. Mang: "Der Fiskus kann sich voraussichtlich auf eine Steuerzahlung in Höhe von 230 Millionen Euro freuen."/rek/DP/men

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