An den Märkten waren solche Vermutungen nach dem Einstieg des ebenfalls im Stahlhandel aktiven Familienunternehmers Friedhelm Loh aufgekommen, der inzwischen größter Einzelaktionär ist. Vogel berichtete, dass es zwei Treffen mit Loh gegeben habe. "Herr Loh hat nicht den Eindruck hinterlassen, als würde er die Beherrschung dieses Unternehmens als Zielsetzung haben." Auch habe er nicht den Eindruck vermittelt, dass er seinen Anteil von heute weiter aufstocken wolle.

Loh und seine Investmentfirma Swoctem halten 25,25 Prozent der Anteile und sind mit Abstand der größte Einzelaktionär des Stahlhändlers. Dieser ist durch die Stahlkrise stark unter Druck geraten und hatte im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 349 Millionen Euro eingefahren. 2016 strebt KlöCo die Rückkehr in die Gewinnzone und eine Dividende von mindestens 20 Cent an. KlöCo konkurriert im Handel mit Herstellern wie Thyssenkrupp und Salzgitter

GROSSAKTIONÄR LOH WILL IM AUFSICHTSRAT "SEGEL NEU SETZEN"



Loh und ein weiterer Vertreter seiner Firmengruppe, der frühere Thyssenkrupp-Stahlchef Karl-Ulrich Köhler, kandidierten auf dem Aktionärstreffen für den sechsköpfigen Aufsichtsrat. In seiner Vorstellungsrede stellt er sich hinter die kriselnde Stahlindustrie. "Ich bin überzeugt, dass das Thema Stahl eine Zukunftsthema ist. Ich bin der Überzeugung, dass man damit einen wirklich guten wirtschaftlichen Beitrag leisten kann." Seine eigene Firma, der Schaltschrankhersteller Rittal, verarbeite jährlich 150.000 Tonnen des Werkstoffs.

Die Investition bei KlöCo diene der Umsetzung finanzieller und strategischer Ziele, hatte Loh erklärt, aber keine weiteren Details genannt. Er wolle sich erstmal ein Bild machen, sagte er am Rande des Aktionärstreffens der Nachrichtenagentur Reuters. Vorher werde er sich nicht äußern. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat und dem Vorstand, berichtete er den Aktionären und schloss mit den Worten: "Gegen Wind kann man nichts tun, aber man kann die Segel anders setzen." Dies sei die Aufgabe des Aufsichtsrats und des Vorstands.

Aktionärsschützer forderten Loh daraufhin auf, für mehr Klarheit zu sorgen. "Sie lassen jegliche Interpretation zu", kritisierte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Lohs Firmengruppe mit Sitz im hessischen Haiger ist Kunde und Konkurrent des Duisburger Stahlhändlers zugleich. KlöCo ist Lieferant für die Loh-Tochter Rittal. Mit der Firma Stahlo ist Loh zugleich selbst im Stahlservicegeschäft tätig. Er ist über Swoctem mit zehn Prozent auch Großaktionär des Roboterbauers Kuka.

Reuters