Konjunkturängste drücken Aktien - Ölpreise fallen weiter

Konjunkturängste drücken Aktien - Ölpreise fallen weiter
15.01.2016 18:06:58

Frankfurt (Reuters) - Der immer tiefere Fall der Ölpreise und neue Zweifel an der Konjunkturerholung in den USA haben am Freitag die Aktienbörsen weltweit ins Straucheln gebracht.

Der Dax verlor 2,5 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 9545,27 Punkte. Der EuroStoxx50 fiel um 2,4 Prozent auf 2952,48 Zähler. An der Wall Street notierten der Dow-Jones- und der S&P500-Index zum europäischen Handelsschluss jeweils mehr als zwei Prozent schwächer. An den Ölmärkten stürzten die Preise unter 30 Dollar je Fass (159 Liter). "Während sich Autofahrer über günstige Benzinpreise freuen, sorgen sich die Börsen über eine Pleitewelle im Energiesektor", erklärte Jochen Stanzl, Analyst beim Online-Broker CMC Markets.

Ein übriges taten die wenig überzeugenden Daten aus den USA. Die weltgrößte Volkswirtschaft hängt wie keine andere von der Konsumfreudigkeit der Bürger ab. So schrumpfte der Einzelhandelsumsatz im Dezember um 0,1 Prozent. "Die Macht war im Dezember also nicht mit dem US-Verbraucher", sagte NordLB-Analyst Tobias Basse. Doch auch aus der Industrie gab es erneut schlechte Nachrichten[nZON15N501]. Und die US-Firmen räumten ihre Lager im November so stark wie seit 2011 nicht mehr, ein Signal dafür, dass die US-Wirtschaft zuletzt an Schwung verloren hat[nZON15N501].

Nach dem schlechtesten Jahresauftakt seiner Geschichte in der Vorwoche hat der Dax in der zweiten Woche 2016 nun drei Prozent verloren - seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf gut elf Prozent. Die Ölpreise haben mit über 20 Prozent fast doppelt so viel eingebüßt: Nordseeöl und US-Leichtöl WTI verbilligten sich am Freitag um fünf und sechs Prozent auf je rund 29,30 Dollar - dem niedrigsten Niveau seit rund zwölf Jahren.

ANLEGER SETZEN AUF ZUSÄTZLICHE ÖLSCHWEMME DURCH IRAN

Auslöser der Verkaufswelle am Freitag waren Spekulationen darauf, dass bald auch der Iran wieder mehr Öl exportieren dürfte. Denn sollte die Internationale Atomenergiebehörde dem Iran[ID:nL8N14X3Q9] die Erfüllung der Bedingungen des Atomabkommens vom Sommer bescheinigen, können die Sanktionen des Westens aufgehoben werden[nL8N14Z1HE]. Viele Börsianer sprechen von einem Preiskampf unter den Förderern, die ihre Marktanteile angesichts des Überangebots verteidigen wollen.

Befeuert wurden die Konjunkturängste zudem erneut auch durch die Entwicklung in China, der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt: So wurden im Dezember weniger Unternehmenskredite vergeben[nL8N14Z0OP]. Chinas Börsen verloren drei Prozent[ID:nL8N14Z0D4].

Der Preisverfall bei den Rohstoffen setzt den großen Bergbau- und Ölförderkonzernen derweil immer stärker zu: So ist der weltgrößte Bergbaukonzerns BHP Billiton zu milliardenschweren Abschreibungen auf sein US-Geschäft gezwungen[ID:nL8N14Z12X]. Die Aktien, die im vorigen Jahr schon über 40 Prozent an Wert verloren hatten, fielen in London um 6,4 Prozent. Ein weiterer Kollaps der Preise könnte laut Händlern auch den Banken zu schaffen machen, die möglicherweise Kredite an Ölfirmen abschreiben müssten.

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