Seit Mitte des vierten Quartals 2014 treten die führenden US-Aktienindizes per Saldo lediglich auf der Stelle. Das klingt nach viel Tristesse, doch an einer breit aufgestellten Börse wie der in New York finden sich fast immer Teilbereiche, in denen richtig was los ist.

Vom allgemein vorherrschenden Seitwärtstrend eindeutig abgekoppelt haben sich die sogenannten Data Center REITs. Die wenigen in den USA börsennotierten Branchenvertreter kamen im Vorjahr im Schnitt auf eine Gesamtperformance von gut 32 Prozent. Auch in diesem Jahr legen die Notierungen bisher stark zu.

Ein solches Data Center ist letztlich nichts anderes als ein Betreiber von Rechenzentren, die sich neben der Bereitstellung der Räume auch um die Stromversorgung, die Klima- sowie die Zugangskontrolle kümmern müssen. Bei den Real Estate Investment Trusts (REITs) wiederum handelt es sich um börsennotierte Aktiengesellschaften, die ihr Geld vorwiegend aus der Bewirtschaftung von Immobilien erzielen und für die eigene strukturelle und steuerliche Bedingungen gelten.

Die Börsianer sind für den Sektor deshalb so zuversichtlich gestimmt, weil ganz einfach die Geschäftsaussichten gut sind. Verständlich angesichts der allgemeinen Datenflut - Wissenschaftlern zufolge werden Server weltweit im Jahr 2024 so viele Daten verarbeiten, dass sie als Bücher aufgestapelt bis zum erdnächsten Sonnensystem Alpha Centauri reichen würden.

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Das Gehirn eines Unternehmens ...



Die strategische Bedeutung eines sicheren und effizienten Umgangs mit der Datenflut nimmt immens zu. Deutlich wird das etwa daran, dass beim Softwarekonzern SAP das Rechenzentrum als "Gehirn eines Unternehmens" bezeichnet wird. Der Unternehmenserfolg hänge letztlich unweigerlich vom reibungslosen Betrieb der Software ab, weshalb dieser unbedingt sichergestellt werden müsse.

Die Geschäfte sollten also weiter brummen. So sieht der Marktforscher Research and Markets den globalen Markt für "Data Center Colocation" von 2014 bis 2020 mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 12,3 Prozent von 25 Milliarden auf 50 Milliarden Dollar wachsen. Colocation bedeutet dabei, dass die Hardware vom Mieter bereitgestellt wird, und der Anbieter der Räume nur für infrastrukturelle Dienstleistungen verantwortlich ist.

Viel investiert wird in diesem Bereich in Deutschland, wie Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit vorrechnet: "Die zunehmende Digitalisierung in allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen führt zu einem steigenden Bedarf an Rechenleistung, der auch das Wachstum der Rechenzentrumsbranche hierzulande beflügelt. Und in der Tat: Im Jahr 2015 stiegen die Investitionen für den Neubau und die Modernisierung der Rechenzentrumsinfrastruktur in Deutschland um zehn Prozent auf fast 900 Millionen Euro."

... kann sich in Sossenheim befinden ...



In Europa stellt Deutschland den größten Rechenzentrumsmarkt, weltweit haben diese Stellung aber die USA inne, wobei mit den höchsten Wachstumsraten künftig jedoch in Asien zu rechnen sein dürfte. Das ändert aber nichts daran, dass US-Anbieter weiter vorne mitmischen dürften. Zumal die Branchenvertreter zusehends weltumspannend agieren. Deutlich wird das beispielsweise daran, dass das US-Unternehmen Digital Realty Trust jüngst ein rund 2,4 Hektar großes Grundstück in Frankfurt-Sossenheim erworben hat. Die Planungen sehen dort den Bau eines 27-Megawatt-Rechenzentrums vor. Außerdem haben Marktführer auch deshalb gute Chancen, künftig vorn dabei zu sein, weil der Markt nach immer komplexeren und damit aufwendigeren Lösungen verlangt.

Die Data Center REITs aus den USA haben zuletzt praktisch durchweg überzeugende Geschäftszahlen vorgelegt. Die Nachfrage wird laut Jefferies-Analyst John Petersen von den Bereichen Cloud, Mobil, Video und Big Data angetrieben. Für noch mehr Interesse sprächen außerdem aufstrebende Segmente wie Internet der Dinge und Virtual Reality.

... und zudem unersättlich sein



Jedenfalls hätten die hausintern von der US-Investmentbank abgedeckten Gesellschaften im ersten Quartal 2016 deutlich volumenstärkere Leasing-Verträge abgeschlossen als in den beiden vergangenen Jahren. Petersen spricht deshalb sogar von einer "unersättlichen Nachfrage".

Ähnlich unersättlich scheint derzeit die Nachfrage nach den Aktien der Data Center REITs zu sein. Ausdruck findet das beispielsweise darin, dass mit Digital Realty Trust am 17. Mai der zweite Branchenvertreter nach Equinix die Aufnahme in den S&P-500-Index geschafft hat. Die beiden genannten Titel weisen wie fast alle anderen im Empfehlungskasten enthaltenen Werte völlig intakte Aufwärtstrends auf. Charttechnisch macht das diese Titel weiter zu einem Kauf.

In den Bewertungen steckt inzwischen allerdings schon einiges an Fantasie. Das wird zwar zum Teil mit den erwarteten Wachstumsraten kompensiert, doch wer einsteigt, sollte zur Absicherung mehr als sonst auf Stop-Loss-Kurse vertrauen. Zu achten ist auf den etwaigen Aufbau von Überkapazitäten. Solange das Aufwärtsmomentum aber intakt ist und das Nachrichtenumfeld stimmt, sind weiter steigende Kurse drin.



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