Milliardenpoker mit Heta-Gläubigern geht in nächste Runde

Milliardenpoker mit Heta-Gläubigern geht in nächste Runde

WKN: 843002 ISIN: DE0008430026 Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (vink. NA)

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27.09.2016 - 08:29
20.01.2016 16:31:51

- von Alexandra Schwarz-Goerlich und Andreas Kröner

Wien/Frankfurt (Reuters) - Im Streit über die Abwicklung der österreichischen Krisenbank Heta stehen sich Eigentümer und Gläubiger unversöhnlich gegenüber.

Das Bundesland Kärnten bot Inhabern vorrangiger Heta-Anleihen am Mittwoch einen Rückkauf der Papiere für 75 Prozent ihres Nennwerts an. Zahlreiche Gläubiger wollen sich damit aber nicht zufrieden geben, weil Kärnten einst eine Garantie für die Rückzahlung der Bonds gegeben hatte. "Im Interesse ihrer Kunden bestehen die Versicherer auf einer hundertprozentigen Erfüllung ihrer Forderungen", erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch viele Banken und andere Investoren wollen die Offerte zurückweisen, wie mehrere Gläubigervertreter der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Somit ist höchst ungewiss, ob es am Ende überhaupt zu einem Rückkauf von Heta-Papieren kommt. Die Offerte wird nämlich nur wirksam, wenn zwei Drittel der Heta-Gläubiger zustimmen.

Bei der Heta handelt es sich um eine der größten Bank-Abwicklungen in Europa. Kärnten haftet für Anleihen der ehemaligen Hypo Alpe Adria in Höhe von elf Milliarden Euro. Das Bundesland sieht sich allerdings nicht in der Lage, das Geld vollständig zurückzuzahlen. Daher will es Heta-Papiere nun mit einem Abschlag zurückkaufen. Die Besitzer nachrangiger Schuldtitel sollen dabei lediglich 30 Prozent zurückerhalten.

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling erklärte, es handle sich um ein "äußerst attraktives Angebot", zumal es über den aktuellen Marktpreisen der Bonds liege. Zudem müsse allen Gläubigern klar sein, was die Alternative sei. "In einem allfälligen Konkursfall" würden sie "deutlich weniger bekommen", sagte Schelling in Wien. "Die Rückmeldungen, die ich jetzt aktuell seit der Früh bekomme, sind alle positiv." Zum Rückkauf will Kärnten selbst 1,2 Milliarden Euro beisteuern und dafür mit Hilfe des Bundes einen Kredit aufnehmen. Der Rest des Geldes soll durch den Verkauf von Heta-Vermögen zusammenkommen. Dabei hofft die Heta nach früheren Angaben auf Erlöse von 6,3 Milliarden Euro[nL8N12L2SU].

LAG DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK FALSCH?

Die Gläubiger haben vom 21. Januar bis zum 11. März Zeit, um das Angebot anzunehmen. Zahlreiche Investoren, die nach eigenen Angaben Forderungen von gut fünf Milliarden Euro vertreten, haben jedoch bereits im Dezember angekündigt, auf eine vollständige Rückzahlung der Anleihen zu pochen[ID:nL8N1452FO]. "An der Position hat sich nichts geändert", sagte eine mit Vorgang vertraute Person. Zu der Gruppe gehören unter anderem die Commerzbank und die HSH Nordbank. Es wird erwartet, dass sich die Gläubiger-Gruppe am Donnerstag äußert, wenn weitere Details des Angebot vorliegen.

Die Banken haben auf Druck der Europäische Zentralbank (EZB) bereits vor einiger Zeit mindestens 50 Prozent auf ihre Heta-Bonds abgeschrieben. Einige Geldhäuser könnten nun wieder Zuschreibungen vornehmen, da Marktwert und Rückkaufangebot für vorrangige Heta-Anleihen deutlich über 50 Prozent liegen. Da die Heta-Verhandlungen noch laufen und ein Zustandekommen des Rückkaufs ungewiss ist, werden die meisten Banken aber vermutlich zunächst die Füße stillhalten, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters sagten.

Die Kärntner Hypo Alpe Adria hatte sich jahrzehntelang mit Garantien des Landes Geld günstig von Investoren geholt und dieses in den Ausbau ihres Balkan-Geschäftes gesteckt. Doch die Expansion ging schief und die Bank geriet in Finanznöte. Die frühere Mutter BayernLB drehte der Hypo den Geldhahn zu, weshalb Österreich das Institut 2009 verstaatlichte. Seither hat der Staat Milliarden in die Bank gepumpt, um eine Pleite abzuwenden. 2014 wurde der Konzern zerschlagen und die Abbaugesellschaft Heta geschaffen. Zudem wurde die Rückzahlung sämtlicher Heta-Anleihen bis zum Mai 2016 gestoppt, um Zeit für eine Einigung mit den Investoren zu gewinnen.

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