Bei seinem letzten Auftritt auf der HV hatte der scheidende Chef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard gute Nachrichten dabei: Das Ziel, 2017 einen Gewinn zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro zu erreichen, sei "ambitioniert," sagte er am Mittwoch in München, aber man sei "auf Kurs".

2016 habe die Munich Re ein "grundsolides Ergebnis" erzielt, fasste von Bomhard das Jahr zusammen: Das Eigenkapital ist gestiegen, die Solvenzquote ist bei 260 Prozent gelegen. "Die Bilanz ist stark, Munich Re ist gesund." Aber: "Ist das ein Ergebnis mit Goldrand?," fragte er die Aktionäre in München. "Nein, nein das ist es nicht. Hinter uns liegt ein ordentliches Jahr, nicht übertrieben gut, aber angesichts des schwierigen Umfeldes können wir zufrieden sein."

Im vergangenen Jahr hatte die Munich Re 2,58 Milliarden Euro verdient - 17,3 Prozent weniger als noch 2015, der vierte Rückgang in Folge. "Wir haben unser Gewinnziel erreicht, trotz Niedrigzinsen, trotz Preisdruck in der Rückversicherung und trotz deutlich gestiegener Schäden aus Naturkatastrophen," sagte der scheidende Chef am Mittwoch.

Auch im laufenden Jahr wird der Gewinn wohl wieder sinken. Von Bomhard versprach am Mittwoch, sein Nachfolger Joachim Wenning werde "in absehbarer Zeit auch wieder steigende Gewinne erzielen." Denn der Rückversicherer wolle "wachsen, aber nicht mit unprofitablem Geschäft, schon gar nicht aggressiv, sondern überlegt."

Hauptsorgenkind der Münchener Rück ist noch immer die Erstversicherung Ergo, die 2016 einen Verlust von 40 Millionen Euro machte. "Es soll der letzte sein," sagte der 60-Jährige. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen einen Gewinn von 150 bis 200 Millionen Euro. Sein Nachfolger Wenning machte klar, die Tochter nicht verkaufen zu wollen: Sie werde den Umbau überstehen. "Ich bin da sehr zuversichtlich," sagte er. Daniela Bergdolt von der Aktionärsvereinigung DSW forderte hingegen Konsequenzen: "Ich verliere langsam, aber sicher die Geduld mit Ergo."

Hauptversammlung billigt Dividende



Die Munich Re schüttet 8,60 Euro je Aktie an die Aktionäre aus - 35 Cent mehr als im Vorjahr. Zudem plant der Konzern ein weiteres Aktien-Rückkaufprogramm. Bis zur kommenden Hauptversammlung am 25. April 2018 wird das Unternehmen für eine Milliarde Euro 3,5 Prozent des Gesamtkapitals zurückkaufen. Dieses Programm sei "zuletzt ein wenig wie Deutsche Meistertitel beim FC Bayern München: Zwar nicht ganz selbstverständlich, aber auch wahrlich nicht überraschend," sagte von Bomhard.

Nach 13 Jahren als Vorstandsvorsitzender geht von Bomhard am Donnerstag in den Ruhestand. "Es ist ein Privileg, in diesem Unternehmen gearbeitet haben zu dürfen, es sogar führen zu dürfen," sagte er zum Abschied. Ob er mit Wehmut gehe? "Nein, aber der Austausch wird mir fehlen."

Der scheidende Chef ist aus Sicht der Anleger erfolgreich gewesen. Er habe während seiner Amtszeit über 23 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet, erklärte Versammlungsleiter Bernd Pischetsrieder. Der Aktienkurs habe sich nahezu verdoppelt. "Ich glaube, die Aktionäre können mit seiner Arbeit zufrieden sein."

Als von Bomhard nach seiner Rede das Pult verlässt, bekommt er Standing Ovations. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment lobt, von Bomhard sei "immer ein Garant für Verlässlichkeit" gewesen. Er selbst würde sich freuen, wenn der baldige Ex-Chef in zwei Jahren in den Aufsichtsrat berurfen würde.

Seinen Posten übernimmt von Donnerstag an Joachim Wenning, der bislang für das Lebensversicherungsgeschäft und das Personalressort zuständig war. "Er ist der richtige Mann zur rechten Zeit," erklärte von Bomhard. Der Nachfolger sei "bestens auf das vorbereitet, was ihn erwartet."



Speich gab Wenning auch gleich einen Auftrag mit: Der neue Chef solle "alles daran setzen, die hausgemachten Probleme bei der Düsseldorfer Tochter in den Griff zu bekommen." Denn: "Das Ergo-Desaster muss endlich ein Ende nehmen."

Streit um das Vergütungssystem



Für Aufregung sorgte zuletzt der US-Stimmrechtsberater ISS, der empfohlen hatte, das Vergütungssystem der Vorstände abzulehnen. Es sei nicht transparent genug, kritisierte ISS. Fast zwei Drittel der vertretenen Aktionäre folgten dem, der Vorschlag fiel durch. Pischetsrieder verteidigte die Pläne hingegen. Die Bezüge seinen zu 70 Prozent variabel. Davon würden 30 Prozent als Jahreskomponente ausgezahlt, 70 Prozent auf mehrere Jahre. Insgesamt entfielen netto rund ein Drittel der Bezüge auf Aktien. Zusätzlich gebe es eine Altersversorgung.

Das Vergütungssystem sei damit auf den "langfristigen Unternehmenserfolg ausgerichtet," sagte er. Es sei zudem unverändert gegenüber dem der letzten HV. Pischetsrieder will nun auf den Stimmrechtsberater, der institutionelle Aktionäre aus angelsächsischen Ländern vertritt, zugehen. Das Veto der Anleger ist rechtlich nicht bindend.



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Einschätzung zur Aktie



Die Munich Re-Aktie lockt vor allem mit einer hohen Dividende. 8,60 Euro erhalten Anleger je Aktie für 2016, das entspricht einer Rendite von derzeit rund 4,8 Prozent. Die Dividende wird wohl auch in der Zukunft stabil bleiben und womöglich sogar weiter steigen: "Dividendenkürzung ist ein Wort, das wir nicht kennen," sagte von Bomhard am Mittwoch.

Sollten die Zinsen endlich steigen, würde das die Erträge des Konzerns beflügeln. 2016 erzielte die Munich Re am Kapitalmarkt ein Anlageergebnis von 7,57 Milliarden Euro, annähernd so viel wie im Vorjahr (7,54 Milliarden Euro). Die Rendite lag bei 3,2 Prozent. Die Zinswende in den USA bezeichnete der scheidende Chef als "Silberstreif am Horizont" Unterm Strich sank der Konzerngeweinn im Vorjahr aber bereits zum vierten Mal in Folge. Auch für 2017 dürfte sich dieser Trend wohl fortsetzen. Vor allem die verlustreiche Tochter Ergo belastet. Besserung ist hier vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die überfällige Sanierung der Düsseldorfer dürfte teuer werden.

Zudem bleibt das Marktumfeld weiter schwierig: Neue, branchenfremde Konkurrenten - Pensionskassen und Hedgefonds - drängen in den Wettbewerb und drücken die Preise. Das Prämienvolumen und die Bruttobeiträge sinken und damit der Gewinn. Auch eine konkrete Wachstumsperspektive fehlt.

Empfehlung: Beobachten.

Kursziel: 190,00 Euro

Stoppkurs: 170,00 Euro