Die Munich Re schlägt wegen der Dauer-Niedrigzinsen Alarm. "Wenn die Zinsen nicht bald steigen, werden wir Federn lassen, bis ins Ergebnis hinein", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in München. Schon für das laufende Jahr rechnet der weltgrößte Rückversicherer mit einem Gewinnrückgang auf 2,3 Milliarden bis 2,8 (Vorjahr: 3,1) Milliarden Euro, auch weil die Kapitalanlagen eine halbe Milliarde Euro weniger abwerfen dürften als 2015. Die Politik habe in den weltweiten Krisen versagt, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihrem Präsidenten Mario Draghi sei nach der Senkung der Leitzinsen auf Null am Ende. "Draghi soll die Fantasie nehmen, dass er die Probleme löst, die die Politik nicht löst", sagte von Bomhard.

Die Munich Re- experimentiere bereits damit, wie sie den Strafzinsen der EZB entkommen könne, die Finanzinstitute mittlerweile bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Schon vor einiger Zeit habe sie Gold in den Tresor gelegt, vor kurzem auch eine zweistellige Millionensumme in bar gebunkert. "Wir probieren das jetzt einfach mal aus. Daran sehen sie, wie ernst die Situation ist", sagte der Munich Re-Chef. Die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik hätten verheerende Ausmaße angenommen. "Das besorgt uns im höchsten Maß. Deshalb muss unsere Gewinnerwartung sinken, weil wir die Risiken nicht erhöhen." In das vorige Jahr war die Munich Re mit einem Ziel von 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro Nettogewinn gegangen. Gelandet war sie bei 3,1 Milliarden Euro, vor allem weil sie für Naturkatastrophen nur halb so viel ausgeben musste wie geplant.

Die Rückversicherer leiden wie alle großen Kapitalanleger stark unter den Dauer-Niedrigzinsen. Dazu kommt ein Preiskampf in der Branche, nachdem Hedgefonds und andere Anleger auf der Suche nach Rendite seit Jahren Kapital in den Markt pumpen. "Das Umfeld ist heftig", sagte von Bomhard. Die weltweite Nummer eins der Branche versucht dem mit Innovationen auszuweichen, etwa mit der Absicherung von Unternehmen gegen das Risiko eines Cyber-Angriffs gegen ihre Computersysteme.

ERGO-UMBAU KOSTET NICHT WENIG



Der zweite Grund für die getrübten Aussichten ist der Umbau des Sorgenkindes Ergo. Der zweitgrößte deutsche Versicherer hat im vergangenen Jahr nach Abschreibungen auf Firmenwerte rote Zahlen geschrieben. In diesem Jahr sollen 250 bis 350 Millionen Euro übrig bleiben, rund 200 Millionen weniger als in den Jahren davor. "Wir haben das Ergo-Ergebnis auf eine realistischere Basis gestellt", sagte von Bomhard. Der neue, vom Marktführer Allianz gekommene Ergo-Chef Markus Rieß will spätestens im Juli seine neue Strategie vorstellen. "Wir wollen Ergo zu einem modernen, digitalen und internationalen Versicherer ausbauen", sagte er. Auf Dauer könne und müsse Ergo deutlich mehr verdienen als heute. Der Umbau wird zunächst aber Geld kosten. "Die Zahlen werden nicht klein sein", sagte von Bomhard. "Es geht aber nicht darum, die Ergo gesundzusparen." Er hoffe, die Konzernziele für das laufende Jahr wegen der Umbaukosten nicht kassieren zu müssen.

Der Munich Re-Chef räumte Fehler bei der Tochter ein. Der Mutterkonzern habe dort im Lebensversicherungsgeschäft - dem größten Problem - nicht konsequent genug gegengesteuert, obwohl man die Schwierigkeiten früh erkannt habe. Von Bomhard, der im Juli 60 Jahre alt wird, führt die Münchener Rück seit 13 Jahren. Am Dienstag hatte er für April 2017 seinen Rückzug angekündigt. Sein Nachfolger soll Joachim Wenning werden, der bisher für das Lebens-Rückversicherungs-Geschäft im Konzern verantwortlich ist.

Von Bomhard schloss nicht aus, dass er nach der üblichen Wartefrist von zwei Jahren den Vorsitz im Aufsichtsrat von Bernd Pischetsrieder übernehmen werde.

Die Anleger tröstet die Munich Re mit der Fortsetzung ihres milliardenschweren Aktienrückkaufs. Seit 2006 hat sie eigene Aktien für 8,9 Milliarden Euro erworben und damit überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückgegeben. Nach der Hauptversammlung im April folgt das nächste Programm: Bis April 2017 will die Munich Re erneut Aktien für eine Milliarde Euro erwerben. Das stabilisierte am Mittwoch den Kurs der Munich Re-Aktie bei 186 Euro.

Reuters