Der Gewinn der Munich Re stieg im ersten Quartal um 27,7 Prozent auf 557 Millionen Euro (Q1 2016: 436 Millionen Euro). Damit sei der Rückversicherer "auf Kurs", das Gewinnziel von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro für das Gesamtjahr zu erreichen, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider am Dienstag in München.

Der Grund für das "erfreuliche Quartalsergebnis" seien die Kapitalanlagen. An den Finanzmärkten erwirtschafteten die Münchener 36,8 Prozent mehr als im Vorjahresquartal: 2,151 Milliarden Euro (1,572) - eine Rendite von 3,6 Prozent. Sie sei damit dem Marktumfeld entsprechend "erfreulicherweise stabil" geblieben.

Dabei hofft Schneider weiter auf ein Ende der expansiven Geldpolitik. "Wir begrüßen die Zinswende in den USA und hoffen, dass auch die EZB zu einer nachhaltigen Geldpolitik zurückkehren wird."

Im operativen Geschäft lief es weniger gut: Das Ergebnis im Kerngeschäft sank um 26,5 Prozent auf 694 Millionen Euro (945). Verantwortlich dafür seien teure Großschäden gewesen, sagte Schneider. Allein der Tropensturm "Debbie" hatte die Rückversicherung 100 Millionen Euro gekostet. Insgesamt gaben die Münchener für Großschäden 403 Millionen Euro aus, 303 Millionen Euro mehr als im Vorjahresquartal.

3,3 Prozent mehr nahm der Dax-Konzern durch Prämien ein: 12,925 Milliarden Euro (12,511). Aber der Druck auf die Preise bleibt weiter bestehen: Mit der jüngsten Vertragserneuerungs-Runde im April mussten die Bayern einen Rückgang von 0,5 Prozent hinnehmen. Im Vorjahr waren es aber noch 1,5 Prozent. Schneider zeigte sich zufrieden: "Der Preisdruck in der Rückversicherung hat sich spürbar abgemildert."

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Gewinne bei Ergo - aber...



Gute Nachrichten auch von der verlustreichen Tochter Ergo. Die Erstversicherung schreibt wieder schwarze Zahlen: 91 Millionen Euro Gewinn, nach einem Minus von 12 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Finanzchef Schneider sagte, er sei damit "sehr zufrieden".

In allen Segmenten verbesserte sich das Ergebnis. Am meisten trug dazu aber ein Einmaleffekt bei: Der Konzern nahm rund 40 Millionen Euro durch die Auflösung einer Reserve für Kunden mit hohen Zinszusagen auf die Lebensversicherungen ein. Dieser Gewinn sei damit "auf Jahresbasis," sagte Schneider. "Wir erwarten keine Vervierfachung."

Aber die Ergo ist wieder weniger profitabel. Die Schaden-Kosten-Quote etwa der Sparte Schaden/Unfall Deutschland verschlechterte sich. Sie stieg auf 99,1 Prozent (98,6). Der Grund dafür seien die Investitionen in den Umbau, sagte Schneider. Mit diesem Wert geben Versicherungen das Verhältnis zwischen Ausgaben für Schäden und Prämieneinnahmen an. Je niedriger diese Ziffer, desto profitabler arbeitet sie.

Ergo ist seit Jahren die Problemsparte der Münchener Rück. Allein im vergangenen Jahr machte das Düsseldorfer Tochterunternehmen einen Verlust von 40 Millionen Euro. Durch ein teures Strategieprogramm soll die Erstversicherung wieder in die Spur kommen. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern hier einen Gewinn von 150 bis 200 Millionen Euro. Bis 2021 soll Ergo sogar 600 Millionen Euro verdienen. Schneider sagte, er sei "sehr zuversichtlich, das Ziel zu erreichen."

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Einschätzung zur Aktie



Anleger waren von den Zahlen der Munich Re am Dienstag enttäuscht. Im Tagesverlauf fiel die Aktie zeitweise um knapp drei Prozent an das Dax-Ende - auf den niedrigsten Stand seit Februar. Seit Jahresbeginn tritt das Papier auf der Stelle. Zum Vergleich: Der im MDax notierte Wettbewerber Hannover Rück verbucht mittlerweile ein Plus von knapp 13 Prozent.

Das operative Geschäft des Rückversicherers stockt. Großschäden belasten die Bilanz bereits im ersten Quartal stark. Der Gewinn von Ergo fiel hauptsächlich durch die Auflösung von Rückstellungen so hoch aus - Die Beitragseinnahmen in allen Sparten der Tochter etwa fielen um 0,6 Prozent. Keine gute Basis für den Umbau.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Münchener Rück einen Gewinn zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro. Das wäre der fünfte Rückgang in Folge. Ein Fragezeichen bleibt hinter Ergo. Ob die Tochter trotz der Sanierung tatsächlich die erwarteten 150 bis 200 Millionen Euro zum Konzernergebnis beitragen kann, ist weiter offen.

Auch das Marktumfeld bleibt weiter schwierig. Steigende Zinsen würden sich zunächst in der Bilanz als Belastungen aus Kurssicherungsgeschäften niederschlagen. Langfristig aber würden steigende Zinsen die Erträge beflügeln. Auf der Hauptversammlung Ende März hatte der jetzige Ex-Chef Nikolaus von Bomhard die Geldpolitik der US-Notenbank Fed als "Silberstreif am Horizont" bezeichnet. Wann die Zinswende in Europa genau kommt, ist trotzdem weiter unklar.

Der Druck auf die Preise wird zudem wohl anhalten: Branchenfremde Wettbewerber wie Pensions- oder Hedgefonds drängen weiter in den Markt.

Aber die Munich Re-Aktie lockt mit einer außergewöhnlich hohen Dividende. Für das vergangene Jahr erhielten Anleger 8,60 Euro je Papier. Die Münchener waren damit Spitzenreiter im Dax. Auch in Zukunft wird die Ausschüttung stabil bleiben oder gar weiter steigen. Analysten gehen von 8,80 Euro aus. Damit bleibt das Papier ein attraktiver Dividendentitel, der vor allem für langfristig orientierte Anleger interessant ist.



Empfehlung: Halten.
Kursziel: 190,00 Euro
Stoppkurs: 170,00 Euro