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Nestlé-Aktie: Koffein fürs Depot

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WKN: A0Q4DC ISIN: CH0038863350 Nestlé SA (Nestle)

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18.01.2018 - 19:00
06.01.2018 03:00:00

Ex-Fresenius-Chef Ulf Schneider soll den Nahrungsmittelriesen Nestlé wachrütteln. Wie er den Umbau des Milliardenkonzerns plant, wer ihn dabei unterstützt. Von Sabine Gusbeth



Um sich fit zu halten, joggt Ulf Schneider regelmäßig an der Uferpromenade des Genfer Sees in Vevey. Der Stammsitz des Traditionskonzerns Nestlé ist seit vergangenem Jahr die neue Heimat des gebürtigen Rheinland-Pfälzers. Der ehemalige Chef des Gesundheitskonzerns Fresenius, der sich neuerdings Mark Schneider nennt, soll den schwächelnden Nahrungsmittelriesen wieder auf Trab bringen. Das sei, "als ob man einen Lauf absolviert und gleichzeitig Diät halten muss", beschreibt der passionierte Läufer die Herausforderung.



Ob Nesquik-Kakao, Süßigkeiten wie Smarties oder Kitkat, Maggi-Fertiggerichte oder Wagner-Tiefkühlpizzen - fast jeder hat hierzulande schon mal ein Nestlé-Produkt in seinen Einkaufswagen gelegt. Und doch sind die weltweit bekannten Marken des Konzerns kein Garant mehr für stabile Wachstumsraten.


Seit 2010 stagniert der Umsatz des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt bei knapp 90 Milliarden Schweizer Franken, umgerechnet knapp 84 Milliarden Euro. Der Gewinn schrumpfte in den vergangenen drei Jahren gar auf zuletzt 8,5 Milliarden Franken, rund 7,9 Milliarden Euro. Zwar trug der starke Schweizer Franken zuletzt zu der schwachen Entwicklung bei. Doch es gibt einen anderen wichtigen Grund für die mauen Geschäftszahlen: Immer mehr Konsumenten achten auf eine gesunde Ernährung. Gerade kaufkräftige Kunden entscheiden sich zunehmend für Bioprodukte oder regionale Lebensmittel. Die meisten Nestlé-Marken fallen nicht in diese Kategorie.

Ziele verfehlt



Dabei hatte schon Schneiders Vorvorgänger Peter Brabeck-Letmathe vor mehr als zehn Jahren die Devise ausgegeben, Nestlé müsse vom Nahrungsmittelhersteller zum Gesundheitskonzern werden und Lebensmittel anbieten, die vor Alzheimer, Diabetes und Übergewicht schützen. NHW lautet seither die Zauberformel der Schweizer. Die drei Buchstaben stehen für die englischen Begriffe Nutrition, Health, Wellness, zu Deutsch Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden. Doch Nachfolger Paul Bulcke agierte zu zögerlich. Das als "Nestlé-Modell" titulierte Dauerziel, aus eigener Kraft fünf bis sechs Prozent pro Jahr zu wachsen, erreichte er in seiner neunjährigen Amtszeit nur ein Mal. Auch 2017 ist diese Zahl außer Reichweite. Der neue Konzernchef Schneider rechnet mit einem organischen Wachstum von 2,6 Prozent. Erst ab 2020 werde wieder ein "mittleres einstelliges Wachstum" erreicht.



Preis für Wachstum



Schneider soll es richten. Dem langjährigen Fresenius-Chef wird zugetraut, das Ruder des träge gewordenen Konzerns herumzureißen. Wie groß die Verzweiflung bei den Schweizern war, zeigt die Tatsache, dass zum ersten Mal seit 1922 ein unternehmensfremder Manager an die Konzernspitze geholt wurde. Der 52-Jährige gilt nicht nur als ausgewiesener Experte für den wachsenden Milliardenmarkt Gesundheit, sondern vor allem als äußerst erfolgreicher Manager. In den 13 Jahren, die Schneider Fresenius führte, vervierfachte er den Umsatz und verzwölffachte den Gewinn - auch dank seiner aggressiven Übernahmepolitik. Der Aktienkurs stieg um sagenhafte 1498 Prozent, 2009 erfolgte der Aufstieg in den deutschen Leitindex DAX. Das "Manager Magazin" bezeichnete ihn 2013 als den "besten Konzernlenker seiner Generation".

Wer jedoch hinter die Kulissen blickt, sprich in die Bilanz von Fresenius, sieht den Preis, den Schneider für das enorme Wachstum gezahlt hat. Durch die größtenteils kreditfinanzierten Milliardenübernahmen stieg der Schuldenberg von 5,1 Milliarden auf über 24 Milliarden Euro. Dass die Zukäufe keine Schnäppchen waren, kann man am Goodwill ablesen, der sich versiebenfachte. Die Kennzahl zeigt, welcher Aufpreis bei Übernahmen auf den Buchwert eines Unternehmens gezahlt wurde. Lässt sich dieser Wert nicht realisieren, drohen Abschreibungen, die das Eigenkapital empfindlich reduzieren können. Bei Schneiders Abgang überstieg der Goodwill das Eigenkapital (siehe €uro 6/2017). Ein Indiz, wie riskant seine damalige Einkaufstour war.

Die Nestlé-Investoren jedoch scheinen Schneider einiges zuzutrauen. Nicht nur der Börsenkurs, der seit der Vorstellung des neuen Chefs um fast 24 Prozent zugelegt hat, ist ein Indiz dafür. Auch der Einstieg des aktivistischen Hedgefonds Third Point (siehe auch Kasten links) Ende Juni kann als Vertrauensbeweis für den Neuen gewertet werden. Mehr als ein Fünftel des Fondsvolumens, umgerechnet über 3,3 Milliarden Euro, investierte dessen umtriebiger Gründer Daniel Loeb in einen 1,25-Prozent-Anteil an dem Schweizer Konzern. Das Engagement von Schneider sei eine "weise Entscheidung". Man sei "enthusiastisch", was die Erfolgsaussichten von Nestlé angehe, heißt es in einem offenen Brief der Investmentgesellschaft.

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Bildquelle: Denis Balibouse/Reuters, BÖRSE ONLINE

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