OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Dax im Steilflug, Marktkommentar von ...

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06.10.2017 20:55:40

Börsen-Zeitung: Dax im Steilflug, Marktkommentar von Christopher

Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Eine schwierige Regierungsbildung nach der

Bundestagswahl, die Krise in Katalonien oder der weiter schwelende

Konflikt zwischen Nordkorea und den USA: Es scheint mehr als genug

Gründe zu geben, für den Aktienmarkt skeptisch zu sein. Dennoch

scheint derzeit nichts den Dax aufhalten zu können - mit Ausnahme

vielleicht der Schwelle von 13000, vor der der Index am Freitag mit

einem Rekord von rund 12993,5 Punkten zum wiederholten Mal

zurückschreckte. Weltweit ziehen die Indizes an und lassen sich dabei

auch von den sich allmählich von der ultralockeren Geldpolitik

abkehrenden Zentralbanken nicht beeindrucken.

Getragen wird der Aufschwung von der über Erwarten positiven

Entwicklung ihrer fundamentalen Basis. Das weltweite Wachstum fällt

höher aus als noch zu Jahresbeginn prognostiziert wurde, auch wenn

die Hurrikan-geschädigten Daten aus den USA das derzeit nicht

widerspiegeln können. Zudem zieht die Konjunktur - erstmals seit

vielen Jahren - global synchron an. In der Folge überraschen auch die

Unternehmensergebnisse nach oben und steigen die Gewinnerwartungen

der Marktteilnehmer. Das wiederum lässt die vor allem in den USA

hohen Bewertungen etwas weniger beunruhigend aussehen, als sie dies

auf den ersten Blick tun, zumal noch positive Impulse durch die von

Donald Trump geplante Steuerreform hinzukommen könnten. Im

Hintergrund wirkt zudem das Niedrigzinsumfeld als stützender Faktor.

Zum Outperformer mutiert

Das bessere konjunkturelle Umfeld ist gerade für den stark

zyklisch geprägten und auslandsorientierten Dax positiv. Seit seinem

Tief vom 29. August hat der Index steil um mehr als 1000 Punkte bzw.

um mehr als 9% zugelegt. Getrieben wird er auch dadurch, dass der

Euro seinen Höhenflug Ende August abgebrochen hat und leicht gesunken

ist. In den Monaten zuvor hatte die Stärke der Währung den Index

gehemmt und ihn im Vergleich zum amerikanischen S&P 500 deutlich

unterdurchschnittlich abschneiden lassen. In den zurückliegenden

Wochen hat sich dies komplett gedreht. Seit Ende August hinkt der S&P

500 mit Gewinnen von bis zu 4,4% dem deutschen Leitindex hinterher.

Aus ebendiesem Grund könnte die Schwelle von 13000 Dax-Zählern

demnächst fallen. Denn die Zeichen stehen gut, dass der

Euro-Höhenflug nicht nur abgebrochen ist, sondern die Währung in den

kommenden Wochen weiter nachgibt. Trotz der in diesem Monat wohl

anstehenden Ankündigung der Europäischen Zentralbank, das Volumen

ihrer Anleihekäufe zu reduzieren, wird ihre Geldpolitik noch geraume

Zeit überaus akkommodierend bleiben. Insbesondere wird eine erste

Leitzinsanhebung noch lange auf sich warten lassen, nach allgemeiner

Überzeugung der Experten bis mindestens zum Ende des kommenden

Jahres.

Ganz anders sieht die Lage in den Vereinigten Staaten aus. Ihre

Zentralbank Fed hat klar signalisiert, dass sie im Dezember ein

weiteres Mal an der Zinsschraube drehen will, und hält auch eisern

daran fest, für das kommende Jahr drei weitere Anhebungen ihres

Leitzinses zu prognostizieren. Letzteres will ihr der Markt, der ein

deutlich gemächlicheres Zinserhöhungstempo einpreist, derzeit noch

nicht glauben. Wenn man die US-Währungshüter aber halbwegs ernst

nimmt, wird das transatlantische Zinsgefälle bis Ende 2018 um 100

Basispunkte steigen - eine starke Stütze für den Dollar.

Ob der Index im laufenden Zyklus wesentlich höhere Niveaus

erreichen kann - die DZBank rechnet mit einem Hoch von 14000, das

Bankhaus Sarasin erwartet den Index Ende 2018 bei 15000 Zählern -,

hängt wesentlich davon ab, dass die positive Entwicklung der

Weltwirtschaft und der Unternehmensergebnisse sich fortsetzt. Gerade

in einem Umfeld, in dem die Bewertungen hohe Niveaus erreicht haben

und gleichzeitig der geldpolitische Wind zu drehen begonnen hat, sind

die Spielräume für Enttäuschungen mittlerweile recht eng geworden.

Damit rückt die demnächst in den USA startende Quartalsberichtssaison

zum dritten Quartal ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Nicht nur die

Zahlen der Berichtsperiode werden die weitere Tendenz an den

Aktienmärkten bestimmen, sondern insbesondere auch die Ausblicke der

Unternehmen auf das kommende Jahr. Bricht der positive Trend der

zurückliegenden Quartale nicht ab, könnte die nächste Stufe des

Rekordflugs an den Aktienmärkten gezündet werden. Neben einem

weiteren Abbröckeln des Euro-Außenwerts könnte somit die

Unternehmensberichterstattung den letzten kleinen Schubser über die

Schwelle von 13000 Dax-Punkten bringen.

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