16.03.2016 20:39:39

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Börsen-Zeitung: Deal mit Risiken, Kommentar zur Fusion der Deutschen

Börse und der Londoner Börse von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Den Chefs der Deutschen Börse und der LSE

(London Stock Exchange), Carsten Kengeter und Xavier Rolet, ist bei

der Vorstellung ihres Fusionsplans gestern anzumerken gewesen, dass

sie aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Rolet hat die bei seinem

Amtsantritt weitgehend auf das Aktiengeschäft fokussierte LSE zu

einem diversifizierten Börsenbetreiber umgestaltet, und an Kengeters

Gestaltungswillen bestand schon vor der Bekanntgabe des Vorhabens

längst kein Zweifel mehr.

Wenn man Kengeter beim Wort nimmt, ist die Fusion nur konsequent.

Er hat mehrfach betont, dass die Deutsche Börse nach seiner

Vorstellung in allen Bereichen, in denen sie aktiv ist, entweder die

Nummer 1 oder die Nummer 2 sein soll. Zudem wurde er nicht müde zu

betonen, dass die Deutsche Börse ihre ehemalige weltweite

Spitzenposition eingebüßt hat und die europäische Börsenbranche droht

von übermächtiger amerikanischer und asiatischer Konkurrenz

zurückgedrängt zu werden, wovor sie geschützt werden solle. Für beide

Zielsetzungen gibt es nur einen einzigen logischen Partner: die LSE.

Es ist aber auch ein Projekt, das für Kengeter nicht ohne Risiken

ist. Schon so früh in seiner Amtszeit ein Fusionsvorhaben anzugehen,

das in der Geschichte der Deutschen Börse bereits zweimal in einem

Debakel geendet hat, erfordert einigen Mut. Es gibt jedoch erhebliche

Unterschiede zu den zurückliegenden Versuchen. Die LSE ist unter

Rolet so stark geworden, dass ein Merger of Equals darstellbar

geworden ist, so dass Vorbehalte am Londoner Finanzplatz bis zu einem

gewissen Grad reduziert werden können. Auch ist das kartellrechtliche

Risiko geringer als beim ebenfalls gescheiterten Fusionsversuch mit

der Nyse Euronext. In keinem Bereich haben die beiden Börsen eine

Quasimonopolstellung, wie sie die Deutsche Börse und Nyse Euronext im

börslichen Derivatehandel Europas gehabt hätten.

Das größte Risiko scheint derzeit ein Gegengebot der

Intercontinental Exchange zu sein, das vorbereitet ist und

möglicherweise demnächst lanciert wird. Auch ist noch unklar, wie

sich die Börsenaufsicht Hessens äußern wird, sobald sie über

hinreichende Details verfügt.

Risiken gibt es nicht zuletzt auch für den hiesigen Finanzplatz.

Dass die Deutsche Börse Tochter einer britischen Holding wird, ist

eine schwer zu schluckende Kröte. Gestern gelang es der Deutschen

Börse jedenfalls nicht, den Sorgen über die ohnehin schon vorhandene

Sogwirkung des Londoner Finanzplatzes überzeugend entgegenzutreten.

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