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03.03.2016 20:40:40

Börsen-Zeitung: Es kommt noch knüppeldick, Kommentar zu Audi von

Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Auf der Bilanzpressekonferenz von Audi hat man

den Eindruck gewinnen können, als ginge die Affäre um manipulierte

Dieselabgaswerte die Volkswagen-Tochter gar nichts an. Die

Führungsriege um Vorstandschef Rupert Stadler trug kein Büßergewand,

sondern verhielt sich wie ein Kraftprotz, dem eine Krise nichts

anhaben kann. In dieser PR-Show war sogar noch Zeit für eine

Filmvorführung. Zu sehen war ein Audi-PS-Biest, das es im Sprint auf

einem Rollfeld mit einem Alpha-Kampfjet aufnahm. Sieger war natürlich

das Audi-Modell.

Dieser zweifelhafte Auftritt widerspricht der Vorgabe der

Wolfsburger Konzernmutter, angesichts von Dieselgate stärker auf die

Kosten zu achten. Schließlich braucht Europas größter Autohersteller

viele Milliarden, um den zu erwartenden Aufwand für die

umfangreichste Rückrufaktion in der Firmengeschichte und für das

juristische Nachspiel zu stemmen.

Und trotzdem spulten Stadler und seine Vorstandskollegen ihr

Bilanzprogramm in bester Laune herunter. Das lag vor allem daran,

dass Audi bilanziell relativ glimpflich davonkommt. Gerade mal 228

Mill. Euro mussten die Ingolstädter für Dieselgate zurückstellen. Das

war's.

Der Betrag steht in einem krassen Missverhältnis zu der Zahl der

2,4 Millionen betroffenen Audi-Modelle. Der Grund dafür liegt in den

Altverträgen zwischen Audi und VW, die das Verhältnis zwischen

Mutter- und Tochtergesellschaft regeln. Danach muss Audi nur

Rückstellungen für den Sechszylindermotor V6 3.0 TDI bilden. Das

betrifft gerade mal 110.000 Fahrzeuge. Das Gros der Audi-Dieselwagen

von 2,3 Millionen Stück muss VW bilanziell verarbeiten.

Mit anderen Worten trägt der Dax-Konzern den Großteil der Kosten.

Gäbe es diese Vertragskonstruktion nicht, hätte Audi auf Basis des

nun verbuchten Aufwands - grob gerechnet - 5 Mrd. Euro zurückstellen

müssen. Das hätte fast den gesamten Jahresvorsteuergewinn des

BMW-Rivalen aufgefressen.

Rechnet man den Betrag auf die insgesamt 11 Millionen im

Zwölf-Marken-Reich von VW betroffenen Dieselwagen hoch, lägen die

Mehrkosten auf Konzerngesamtebene bei knapp 23 Mrd. Euro. Das

entspricht in etwa dem Betrag, den bereits seriöse Autoexperten

prognostizierten.

Damit würden also die bislang von VW veranschlagten 6,7 Mrd. Euro

bei weitem nicht ausreichen. Demnach müsste das Unternehmen

mindestens 16 Mrd. Euro nachlegen. Wenn VW ihre in den April

verschobene Bilanz vorlegt, könnte es also für Konzernchef Matthias

Müller noch knüppeldick kommen.

OTS: Börsen-Zeitung

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Telefon: 069--2732-0

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