OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Es läuft, Kommentar zum Arbeitsmarkt ...

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03.01.2018 20:45:40

Börsen-Zeitung: Es läuft, Kommentar zum Arbeitsmarkt von Alexandra

Baude

Frankfurt (ots) - Es ist mal wieder so weit. Rund um die

Jahreswende kommt die große Zeit der Aus- und Rückblicke sowie der

schier endlosen Empfehlungen an Politik und Wirtschaft. Angesichts

der niedrigsten Jahresarbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung

könnte man diese Übung für den deutschen Jobmarkt kurz halten: Läuft

doch alles.

Und in der Tat, seit mittlerweile zwölf Jahren läuft es rund am

deutschen Arbeitsmarkt: Die brummende Konjunktur lässt die

Erwerbstätigenzahl stetig steigen und die Arbeitslosigkeit ebenso

kontinuierlich fallen - und dies unabhängig von all den politischen

Stolpersteinen, die auch 2017 zahlreich waren. Das vergangene Jahr

markiert das vierte Jahr in Folge mit einer im Jahresdurchschnitt

gesunkenen Arbeitslosenzahl sowie einer kräftigen Steigerung bei

sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und

Arbeitskräftenachfrage. Da Ökonomen erwarten, dass sich der breit

angelegte Konjunkturaufschwung fortsetzt, prognostizieren sie auch

eine Fortsetzung des positiven Trends am Arbeitsmarkt bis mindestens

2019.

Also: Läuft doch alles. Oberflächlich betrachtet ja. Doch nichts

wäre törichter, als wenn die Politiker, die gerade den zweiten Anlauf

zur Regierungsbildung unternehmen, in dieser konjunkturell günstigen

Situation nicht handeln würden. Der Fachkräftemangel etwa zeigt sich

erst in einigen Bereichen der Wirtschaft, doch gilt es bereits jetzt

Gegenmaßnahmen zu ergreifen, bevor der demografische Wandel das

Arbeitskräftepotenzial zu stark schrumpfen lässt. Beginnen größere

Teile der Wirtschaft darunter zu leiden, zeigt sich dies früher oder

später über sinkende Steuereinnahmen auch im Staatssäckel.

Eine Möglichkeit, das Arbeitskräftepotenzial stärker

auszuschöpfen, ist die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und

Familie, etwa über den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Vom

maroden Zustand so etlicher (Berufs-)Schulen abgesehen würden

Bildungsinvestitionen dafür sorgen, dass die duale Ausbildung, für

die Deutschland weltweit hoch angesehen ist, weiter gestärkt und die

Diskrepanz zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern geringer wird.

Ein Einwanderungsgesetz, das diesen Namen auch wirklich verdient,

könnte wiederum für gezielte Zuwanderung in Ausbildung und Arbeit

sorgen. Von verstärkten Maßnahmen in Sachen Langzeitarbeitslosigkeit

und der Integration anerkannter Asylbewerber in den Arbeitsmarkt

sowie weiteren Flexibilisierungsmaßnahmen ganz zu schweigen.

Bei alldem gilt es natürlich, die Staatsfinanzen scharf im Blick

zu haben - damit es auch 2019 rückblickend heißt: Es läuft.

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