25.02.2016 20:49:40

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Börsen-Zeitung: Gaudi oder Gouda, Kommentar zur Deutschen Telekom von

Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) - Klar, es sind nicht nur die USA, die die Zahlen

der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr in allen wesentlichen

Kategorien zweistellig nach vorn gebracht haben. Die Stabilisierung

im Heimatmarkt und darüber hinaus auch in den meisten europäischen

Auslandsmärkten hat ebenfalls dazu beigetragen, dass der Dax-Konzern

seine Ziele in Teilen übererfüllt und die Erwartungen des

Kapitalmarktes teils geschlagen hat, wie CEO Timotheus Höttges in

Bonn betonte.

In erster Linie ist es aber natürlich die Entwicklung der

amerikanischen Mobilfunktochter, die zusammen mit dem relativ starken

Dollar die Stimmung magenta färbt. Das ist schon deshalb kein Erfolg

zweiter Klasse, weil man der Telekom ein Kunststück wie den

Turnaround bei T-Mobile US erst einmal nachmachen muss. John Legere,

der unkonventionelle Statthalter vor Ort, hat daran entscheidenden

Anteil. Ohne das Durchhaltevermögen der Mutter - die nach den

gescheiterten Verkaufsversuchen freilich wenig Alternativen dazu

hatte - wäre die cashintensive Neupositionierung aber nicht gelungen.

Die Telekom habe zuletzt auch Glück gehabt, dass viele ihrer

Wetten aufgegangen sind, sagte Höttges und meinte damit unter anderem

die USA. In den Niederlanden geht er jetzt eine ähnliche, wenn auch

deutlich kleinere Wette ein. Den Verkaufsprozess für die

Mobilfunktochter im Nachbarland hat Höttges auf Eis gelegt, weil die

Gebote von den Finanzinvestoren Warburg Pincus und Apollo hinter den

Erwartungen zurückblieben, wie zu hören ist. Jetzt wollen sich die

Bonner erst einmal darauf konzentrieren, die operativen Probleme der

Tochter zu lösen.

Die Zeit drängt, denn der Zusammenschluss von Vodafone mit dem

Kabelnetzbetreiber Liberty Global in dem Land erhöht den Druck auf

T-Mobile Netherlands. Hinzu kommt, dass die Telekom aufs Geld schauen

muss. Sie hat gerade - wie versprochen - die Dividende erhöht. Da

verbietet es sich, in Kürze einen Rückzieher zu machen, weil der

Druck auf den Cash-flow steigt, etwa weil in den Niederlanden "in den

Markt investiert" wird.

Die Wette ist Ausdruck des gestiegenen Selbstvertrauens, für die

Problemfälle im eigenen Portfolio am Ende eine gute Lösung finden zu

können. Das ist der Telekom aus einer schwachen Wettbewerbsposition

zuletzt in Großbritannien gelungen, wo sich der Konzern über den

Verkauf des Joint Ventures EE eine stattliche Beteiligung an BT Group

gesichert hat. Es werden noch Wetten darauf angenommen, ob Höttges in

den Niederlanden am Ende eine ähnliche Gaudi haben wird oder die

Investoren die Portfoliostrategie Käse finden.

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