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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Geldpolitische Despotie, Kommentar zur ...

24.03.2016 20:46:39

Börsen-Zeitung: Geldpolitische Despotie, Kommentar zur EZB von Bernd

Wittkowski

Frankfurt (ots) - Liebe Leserinnen und Leser, halten Sie sich in

nächster Zeit im Freien auf, es könnte sich lohnen! Gut möglich, dass

ein Hubschrauber über Sie hinwegfliegt, in dem EZB-Präsident Mario

Draghi am Steuerknüppel sitzt und "ein sehr interessantes Konzept"

realisiert. Ja, Sie trauen Ihren Augen nicht, aber es regnet

tatsächlich Banknoten, kleine und große, sogar jede Menge

500-Euro-Scheine - wie gut, dass man die in weiser Voraussicht noch

nicht abgeschafft hat. Ist doch gerade der große Lilafarbene prima

als Helikoptergeld geeignet.

Befinden wir uns noch in der Realität oder schon in der Satire?

Vermutlich ist es wie vieles, womit uns die EZB seit Jahren beglückt,

real existierender Surrealismus. Ganz im Ernst müssen wir

konzedieren, die sogenannten Hüter des Euro unterschätzt zu haben.

Schon häufig hatten wir glauben wollen, die europäische

"Zentralbankverwaltungswirtschaft", wie sie der Metzler-Bankier

Michael Klaus bereits 2014 nannte, habe ihr ultimatives Stadium

erreicht. Weit gefehlt! Draghi & Co. fällt immer noch ein Komparativ

des Superlativs ein. Und sei es eine Steigerung ins Irrwitzige.

Dabei kennt die EZB auf ihrer unermüdlichen Jagd nach dem

Deflationsgespenst durchaus eine Konstante: den Tabubruch. Diesmal

ist es - noch als "sehr interessantes Konzept", in nicht zu ferner

Zukunft gewiss als letzter Schrei der unkonventionellen Geldpolitik -

das Verschenken von Geld. Ökonomen finden Gefallen an dem Instrument,

der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke ("Helicopter Ben") hat

damit geliebäugelt, und Helikopter-Mario, da sind wir ziemlich

sicher, wird es einsetzen.

Kai Ostermann, der Chef der Deutschen Leasing, hat dieser Tage

richtigerweise angemerkt, für solche Ideen wären Studenten früher

zwangsexmatrikuliert worden. Wir würden noch etwas weiter gehen:

Schon dass über diese nächste Eskalationsstufe der Geldentwertung

allen Ernstes diskutiert wird, ist kriminell. Längst ist der Euro

wertlos, nämlich in dem Sinn, dass er mit der faktischen Abschaffung

des Zinses und von dessen Steuerungsfunktion keinen Preis mehr hat.

Schlag nach bei Albert Einstein: Was nichts kostet, ist nichts wert.

Inzwischen sind wir nun sogar so weit, dass diejenigen, die Geld in

seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel verwenden, bestraft

werden, nicht mehr nur real, sondern oft bereits auch mit nominalen

Negativzinsen. Eine Notenbank, die zu allem Überfluss sinnbildlich

noch Geld aus dem Helikopter aufs Volk wirft, hütet ihre Währung

nicht, sondern verachtet sie und tut ihr Gewalt an. Das ist nicht nur

komplett krank. Das ist geldpolitische Despotie.

OTS: Börsen-Zeitung

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Pressekontakt:

Börsen-Zeitung

Redaktion

Telefon: 069--2732-0

www.boersen-zeitung.de

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