OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Schützenhilfe, Kommentar zur IG Metall ...

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02.02.2016 20:16:39

Börsen-Zeitung: Schützenhilfe, Kommentar zur IG Metall von Stephan

Lorz

Frankfurt (ots) - Weil eine weitere Schwächung des

Unternehmerverbands Gesamtmetall auch der Gewerkschaft selber schaden

würde, greift die IG Metall jetzt ihrem Tarifgegner unter die Arme.

Denn in der jüngsten Tarifrunde akzeptierten viele Unternehmen nur

noch mit Murren das Verhandlungsergebnis. Ein Warnsignal. Zwar ist

die große Tariffluchtwelle vorbei, aber ein aus Unternehmersicht

erneut zu hoher Abschluss könnte die nächste anrollen lassen.

Also leistet die IG Metall nun Schützenhilfe mit ihrem neuen

Streikkonzept: Nicht die üblichen Tarifbezirke, Baden-Württemberg und

Bayern (und dazugehörige Konzerne), sollen die Hauptlast der

Auseinandersetzung tragen. Die Brennpunkte werden vielmehr über das

Bundesgebiet verteilt. Die Kritiker auf den "Tribünenplätzen", meist

große Mittelständler aus der Provinz, die ihrem Verband oft in den

Rücken fallen, werden speziell aufs Korn genommen. Und auch die

tarifungebundenen Unternehmen werden sich nicht davonstehlen können.

Sie sollen spüren, dass sich Tarifflucht nicht lohnt, heißt es.

Die Strategie der IG Metall ist durchtrieben - und

erfolgversprechend. Denn ihre Schlagkraft ist größer geworden: Der

Mitgliederabfluss wurde gestoppt, der Organisationsgrad nimmt überall

wieder deutlich zu. Damit sich das später einmal auszahlt, will sie

jetzt die Tarifbindung insgesamt stärken.

Für die Tarifauseinandersetzung verheißt das aber nichts Gutes,

selbst wenn sie jetzt mit ihrer Forderungsempfehlung von 4,5 bis 5%

etwas unter den Erwartungen geblieben ist. Die Gefahr, dass die IG

Metall die Arbeitgeber über den Tisch zieht, ist groß. Keine guten

Aussichten auch für den Standort. Schließlich ist die

Investitionsschwäche hierzulande schon ein Reflex auf die wieder

steigenden Lohnstückkosten. Zwar ist viel von Facharbeitermangel die

Rede, zugleich droht aber auch eine neue Automatisierungswelle. Von

daher wäre statt eines singulären Lohnplus ein differenzierter

Abschluss passender.

Dies scheut die IG Metall indes wie der Teufel das Weihwasser. Die

komplexe Arbeitswelt verlangt aber nach einer differenzierten Antwort

auch auf Tarifebene. Die IG Metall hat bereits gezeigt, dass sie dazu

in der Lage ist. Eine Fähigkeit, die ihr in Umbruchzeiten - Stichwort

Industrie 4.0 - eigentlich zum Vorteil gereicht. Sie darf daher nicht

in alte Verhaltensmuster zurückfallen und muss weiter den

tarifpolitischen Trendsetter spielen. Auch, wenn das ihren Mitglieder

nicht schmeckt. Der Lackmustest für den neuen IG-Metall-Chef Jörg

Hofmann.

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