14.01.2016 14:31:40

Positionen zu jüngster EZB-Zinsentscheidung waren kontrovers - Sitzungsprotokoll


FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Positionen der Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) vor dem jüngsten Zinsentscheid am 3. Dezember 2015 waren kontrovers. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll zu der Sitzung hervor. Einige Mitglieder sprachen sich demnach für eine stärkere geldpolitische Lockerung aus. Andere hätten dagegen dafür plädiert, gar keine Lockerung vorzunehmen.

Am Ende hatte sich die EZB für einen Mittelweg entschieden: Sie hatte den Einlagensatz, also den auf von Banken bei der EZB gebunkertes Geld erhobenen Zinssatz, von minus 0,2 auf minus 0,3 Prozent gesenkt und das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm um ein halbes Jahr bis zum März 2017 verlängert. Das monatliche Volumen der Käufe wurde nicht erhöht. Die Finanzmärkte hatten verschnupft auf die Ankündigungen reagiert, weil sie sich stärkere Lockerungsmaßnahmen erhofft hatten.

Aus dem Protokoll geht hervor, dass einige EZB-Mitglieder sich für eine stärkere Absenkung des Einlagensatzes um 0,2 Prozent auf minus 0,4 Prozent und für eine Erhöhung des monatlichen Volumens an Wertpapierkäufen ausgesprochen hatten. Auf der anderen Seite hätten aber auch einige Mitglieder dafür plädiert, gar keine Lockerung vorzunehmen. Sie argumentierten, dass sich die Wirtschaft kontinuierlich verbessert habe und die Kerninflation nach oben tendiere.

Die Entscheidung, den Einlagensatz relativ moderat um 0,10 Prozentpunkte zu senken, sei getroffen worden, weil auf diese Weise noch Luft für weitere mögliche Anpassungen nach unten bleibe, heißt es in dem Protokoll. Weitgehend einig sei man sich darin gewesen, das Volumen der Wertpapierkäufe künftig noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Verhalten sahen die EZB-Mitglieder die künftige Inflationsentwicklung. "Es gab eine breite Einigkeit darin, dass sich die Inflationsaussichten noch weiter verschlechtert haben", heißt es in der Mitschrift. Eine Rückkehr zu dem angestrebten Inflationsziel nahe zwei Prozent werde voraussichtlich länger dauern als bislang erwartet./tos/bgf

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