ROUNDUP 2: US-Notenbank lässt Zinswende ruhen und reduziert Straffungstempo

ROUNDUP 2: US-Notenbank lässt Zinswende ruhen und reduziert Straffungstempo
16.03.2016 20:57:39

WASHINGTON (dpa-AFX) - Die US-Notenbank Fed hat ihre Zinswende vorerst nicht fortgesetzt und keine klaren Signale hinsichtlich des kurzfristigen weiteren Weges gegeben. Eine Zinsanhebung im April sei jedenfalls nicht ausgeschlossen, sagte Fed-Präsidentin Janet Yellen am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum jüngsten Zinsentscheid. Klar ist aber: Die Notenbank dürfte ihre Geldpolitik in diesem Jahr insgesamt deutlich langsamer straffen als bisher beabsichtigt. Die Zinserwartungen der Anleger wurden gedämpft. Unter Experten gab es Kritik: Zu unklar sei der Kurs.

Wie erwartet, ließ die Fed ihren Leitzins zunächst unverändert. Die Fed-Funds-Rate liege weiter in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,50 Prozent, teilten die Währungshüter mit. Damit haben die Notenbanker zum zweiten Mal in Folge den Zins unangetastet gelassen und die Ende vergangenen Jahres eingeleitete Zinswende vorerst nicht fortgesetzt. Volkswirte und die Finanzmärkte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Sie fiel allerdings nicht einstimmig. Das Fed-Mitglied Esther George stimmte für eine Zinsanhebung.

REAKTION AUF SCHWACHE WELTWIRTSCHAFT

Mit ihrer abwartenden Haltung reagieren die Währungshüter offenbar auf die schwächelnde Weltwirtschaft. "Die heutige Entscheidung spiegelt den Einfluss globaler Entwicklungen wider", sagte Yellen. Die globale Konjunktur und Märkte stellten Risiken da.

Zu der Frage, wann die Zinswende fortgesetzt wird, gab die Fed keine klaren Signale. Yellen schloss eine Zinsanhebung im April aber nicht aus. Wie jede Sitzung werde auch dieses Treffen "live" sein, sagte die Fed-Chefin. Das bedeutet: Alles ist möglich, die letztliche Entscheidung hängt aber von der konjunkturellen Entwicklung ab.

KRITIK AN UNKLAREM KURS - YELLEN: INFLATION IM FOKUS

Die unbestimmte Haltung der Notenbank stößt unter einigen Experten auf Kritik. "Eine starke Kommunikationsstrategie ist der Schlüssel, da die Märkte wild reagieren, wenn die Zentralbanken keine klaren Signale geben", sagte Alfonso Esparza, Experte beim kanadischen Finanzdienstleister OANDA.

Künftige Zinsentscheidungen dürften vor allem von der Inflationsentwicklung abhängen. Man werde weiterhin die Entwicklung der Inflation genau beobachten, hieß es in dem Fed-Kommentar zur Entscheidung. Die wirtschaftliche Entwicklung rechtfertige nur graduelle Zinsanhebungen. Die Wirtschaft habe sich den globalen Entwicklungen zum Trotz moderat entwickelt. Allerdings gebe es nach wie vor Risiken, ausgehend von der globalen Konjunktur und den Finanzmärkten. Die Exporte seien zuletzt verhalten gewesen. Die jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt wiesen auf Verbesserungen hin.

ZINSERWARTUNGEN GESENKT

Klar ist allerdings, dass die Fed die Zinsen insgesamt weniger nach oben schrauben wird als bislang vermutet. Dies legen die neuen Leitzinsprognosen nahe. Demnach rechnet der geldpolitische Ausschuss FOMC für Ende 2016 im Mittel (Median) mit einem Zinsniveau von 0,9 Prozent. Im Dezember hatte der Wert noch bei 1,4 Prozent gelegen. Ende 2017 wird im Mittel ein Zinssatz von 1,9 Prozent erwartet, nach 2,4 Prozent im Dezember.

Dies spricht dafür, dass die Fed in diesem Jahr nur noch mit zwei Zinsanhebungen rechnet - verglichen mit vier Anhebungen im Dezember. Die Wachstumsprognosen wurden unterdessen für dieses und das kommende Jahr leicht verringert. Die Inflationsprognose für dieses Jahr wurde deutlich von 1,6 auf 1,2 Prozent zurückgenommen. "Die Fed ist noch vorsichtiger geworden, obwohl sich das Umfeld verbessert hat", sagte Harm Bandholz, US-Chefökonom bei der Bank Unicredit.

EUROKURS STEIGT ÜBER 1,12 US-DOLLAR

Dementsprechend wurden die Zinserwartungen der Anleger gedämpft. Der Dollarkurs schwächte sich ab. Der Euro stieg im Gegenzug deutlich über 1,12 US-Dollar und lag zuletzt bei 1,1235 Dollar. Die Renditen von US-Staatsanleihen gerieten unter Druck, der Goldpreis legte zu. Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten leicht positiv.

Mitte Dezember hatte die Notenbank erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins angehoben. Dieser hatte zuvor seit Ende 2008 - also kurz nachdem die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte - in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent gelegen./tos/bgf/he

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