ROUNDUP 3: Deutsche Bank rutscht mit 6,7 Milliarden Minus tief in rote Zahlen

ROUNDUP 3: Deutsche Bank rutscht mit 6,7 Milliarden Minus tief in rote Zahlen

WKN: 850628 ISIN: US46625H1005 JPMorgan Chase & Co.

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30.09.2016 - 17:58
20.01.2016 22:09:40

(Neu: Mehr Details, Aktienkurs)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht als befürchtet. 2015 habe sich wegen hoher Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten, Kosten für den laufenden Konzernumbau und Stellenstreichungen ein Verlust von rund 6,7 Milliarden Euro nach Steuern angehäuft, teilte die größte deutsche Bank überraschend am Mittwochabend in Frankfurt mit.

Experten hatten zwar wegen der bekannten Ankündigung von Abschreibungen im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft, Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen und Abfindungen bereits mit einem dicken Minus gerechnet. Sie hatten dabei aber ein Minus von etwas mehr als fünf Milliarden Euro auf dem Zettel. "Wenn nicht ein Wunder passiert, werden wir einen Verlust für 2015 ausweisen", hatte Co-Chef John Cryan schon Ende Oktober angekündigt. Für 2014 hatte das Institut noch rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn ausgewiesen - mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

AKTIE LEGT NACHBÖRSLICH ZU

Nachbörslich legte die Aktien der Deutschen Bank beim Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz (L&S) um 1,86 Prozent auf 18,05 Euro zu. Im Börsenhandel waren sie noch um 6,04 Prozent auf 17,72 Euro abgesackt. Es war vor allem die harte Kernkapitalquote von 11 Prozent zum Ende des vierten Quartals, die die Anleger überzeugte. Zwar hatte sie Ende September noch bei 11,5 Prozent gelegen, vor dem Hintergrund, dass die Deutsche Bank für 2015 mit einem Milliardenverlust rechnet, sei diese Quote aber eine positive Überraschung, sagte Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory. "Damit sinkt die Notwendigkeit für weitere Kapitalmaßnahmen."

Zu den bereits bekannten Kosten und Aufwendungen kommen im vierten Quartal weitere 1,2 Milliarden Euro für Rückstellungen, um die Folgen früherer Geschäfte juristisch zu beenden. Insgesamt sieht der DAX-Konzern hierfür 5,2 Milliarden Euro vor, eine weitere Milliarde Euro für den Jobabbau. Zudem drücken die Probleme im Privatkundengeschäft, in dem sich das Institut im laufenden Jahr unter anderem von der Postbank trennen will, auf das Ergebnis. Es herrschten "herausfordernde Marktbedingungen".

WERTPAPIERHANDEL LIEF NICHT RUND

Im Investmentbanking stellt die Bank etliche Handelsgeschäfte ein. Dem Institut machen die immer strengeren Kapitalanforderungen zu schaffen, viele Geschäfte gerade im schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft lohnen sich nicht mehr. Konzernweit sollen Tausende Stellen abgebaut werden. Aus zehn Auslandsmärkten zieht sich der deutsche Branchenprimus ganz zurück. Im eigenen Haus werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze gestrichen, 4000 davon in Deutschland.

Insgesamt belasteten die Kosten für die Neuausrichtung und Abfindungen das Ergebnis im vierten Quartal mit rund 800 Millionen Euro - zudem müssten weitere 100 Millionen Euro abgeschrieben werden, so dass sich die Sonderbelastungen im vierten Quartal auf etwas mehr als zwei Milliarden Euro belaufen.

GRÖSSTER JAHRESVERLUST BISLANG

Zudem lief das Geschäft vor allem im Handel mit Wertpapieren nicht rund, so dass die Erträge im vierten Quartal auf 6,6 Milliarden Euro zurückgingen - das sind rund 15 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zusammen mit den Sonderkosten führt dies zum Jahresende erneut zu einem Quartalsverlust. Dieser belaufe sich auf 2,7 Milliarden Euro vor Steuern und rund 2,1 Milliarden Euro unter dem Strich. Im Vorjahresquartal hatte die Bank noch einen Gewinn von 441 Millionen Euro erzielt.

Das Milliardenminus trifft die Deutsche Bank nach einem turbulenten Jahr: Co-Chef Anshu Jain musste gehen, seit Juli ist der Brite Cryan der neue starke Mann an der Konzernspitze. Der Abtritt von Co-Chef Jürgen Fitschen (67) ist beschlossene Sache. Hinzu kamen Milliardenstrafen: So einigte sich die Bank mit Behörden in den USA und Großbritannien auf die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden US-Dollar, weil Mitarbeiter über Jahre den wichtigen Referenzzins, an dem sich viele Geschäfte orientieren, manipuliert hatten.

Für den Konzern ist es der größte Jahresverlust und der zweite seit 2008. In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank erstmals in einem Gesamtjahr rote Zahlen geschrieben und rund 3,9 Milliarden Euro Verlust gemacht.

ANALYSTEN ZWEIFELN

Analysten haben angesichts der Schrumpfkur Zweifel, wie die Deutsche Bank dauerhaft Geld verdienen will. Das Institut will zum Beispiel mehr Geschäft mit Superreichen und vor allem Unternehmenskunden machen. Aktuell läuft die US-Konkurrenz davon: JPMorgan (JPMorgan ChaseCo), Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America und Wells Fargo (Wells FargoCo) vermeldeten sämtlich Milliardengewinne für 2015.

Details zu den Zahlen des vierten Quartals und des Gesamtjahres will die Deutsche Bank am 28. Januar vorlegen./zb/DP/stb

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