20.01.2016 11:02:40

ROUNDUP: Ölpreise taumeln wieder abwärts auf neues Zwölf-Jahres-Tief


NEW YORK/LONDON/WIEN (dpa-AFX) - Am Rohölmarkt kehrt keine Ruhe ein: Am Mittwoch fand der Versuch einer Stabilisierung vom Vortag ein jähes Ende, die Ölpreise gingen wieder auf Talfahrt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur März-Lieferung kostete am Vormittag 27,95 US-Dollar und damit 81 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel noch etwas stärker um 1,07 Dollar auf 27,39 Dollar.

Der Preis für US-Rohöl rutschte damit auf den tiefsten Stand seit über zwölf Jahren. Händler erklärten die starken Verluste mit der Aussicht auf steigende Ölreserven in den USA. Die ohnehin schon vergleichsweise hohen Lagerbestände dürften nach Einschätzung von Experten in der vergangenen Woche um 2,75 Millionen Barrel geklettert sein. Die US-Regierung wird die offiziellen Daten am Donnerstag veröffentlichen.

EXPERTEN: TALFAHRT KÖNNTE NOCH WEITER GEHEN

Weiter steigende Ölreserven passen in das Bild eines viel zu hohen Angebots an Rohöl. "Derzeit sind die Aussichten für den Ölmarkt ziemlich negativ", sagte Rohstoffexperte Angus Nicholson vom britischen Handelshaus IG Group. Zuletzt habe die Aussicht auf steigende Ölexporte durch den Iran nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen den Preisdruck verstärkt.

Am Dienstag hatte die Internationale Energieagentur IEA in drastischen Worten davor gewarnt, dass der Ölmarkt im Überangebot zu "ertrinken" drohe. Führende Banken übertreffen sich mit immer niedrigeren Prognosen für die Ölpreise. Während die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley von einem Tiefpunkt bei 20 Dollar ausgehen, hatte die britische Bank Standard Chartered ein Abrutschen bis auf 10 Dollar nicht ausgeschlossen.

ÖLBRANCHE RECHNET MIT WIEDER STEIGENDEN PREISEN

Trotz immer neuer Tiefstände gibt es in der Ölbranche Aussagen, wonach die Preise künftig wieder steigen werden. Es sei einfach nur eine Frage der Zeit, sagte beispielsweise der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al Mazrouei, am Mittwoch vor Journalisten in Abu Dhabi. Ähnlich äußerte sich am Morgen auch der Chef des Erdöl- und Erdgasproduzenten Wintershall, Mario Mehren, der fest davon überzeugt ist, dass die Ölpreise auch wieder steigen werden.

Die Hoffnung erklärt sich unter anderem damit, dass sich wegen der billigen Ölpreise eine vergleichsweise teure Förderung in Ländern außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nicht mehr rechnet. Die Folge wäre ein Rückgang des Angebots auf dem Weltmarkt. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) dürfte es aber noch dauern, bis dieser Effekt eintritt. Derzeit gehen Experten der IEA davon aus, dass in der ersten Jahreshälfte 1,5 Millionen Barrel pro Tag mehr auf dem Ölmarkt landen als tatsächlich verbraucht werden./jkr/bgf/das

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