06.03.2016 14:41:40

ROUNDUP: Spaniens Sozialisten-Führer Sánchez gibt nach Wahlpleite nicht auf


MADRID (dpa-AFX) - Nach der gescheiterten Regierungsbildung durch Sozialisten-Führer Pedro Sánchez macht sich in der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone Angst vor der Zukunft breit. "Das Nein zu Sánchez stürzt Spanien in die Ungewissheit", titelte etwa die Zeitung "El Periódico" am Wochenende.

Das Parlament in Madrid lehnte am Freitag die Kandidatur von Sánchez für das Amt des Ministerpräsidenten auch im zweiten Anlauf mit großer Mehrheit ab. Während der Debatte vor der Abstimmung hatte Sanchez die politische Ungewissheit im Land beklagt. Er warnte: "Spanien kann nicht eine Minute länger warten, um mit der Erneuerung seines politischen Lebens zu beginnen".

Wenn nun bis zum 2. Mai kein neuer Ministerpräsident gewählt wird, werden am 26. Juni Neuwahlen fällig. Ein Kandidat mit Chancen auf Erfolg ist nicht in Sicht.

Die Aussicht auf Neuwahlen weckt in Spanien große Sorgen. Man müsse diese verhindern, heißt es in einem Leitartikel des Renommierblatts "El País". Man werde bis dahin nicht nur sechs Monate verloren haben. "Schlimmer noch: Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei einer neuen Abstimmung ein ähnliches Ergebnis herauskommt, so dass wir dann wieder ganz von vorne werden anfangen müssen."

In einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Zeitung "El País" versicherte Sánchez, er werfe das Handtuch nicht und wolle "weiter mit allen Parteien verhandeln".

Sánchez setzt vor allem darauf, dass sich die linke Protestpartei Podemos (Wir Können) dem Regierungspakt zwischen Sozialisten (PSOE) und der liberalen Ciudadanos (Bürger) in den nächsten Wochen doch noch anschließt.

Nach einer "El País"-Umfrage empfinden nur 36 Prozent der Befragten das Ergebnis der Abstimmung als gut für das Land. Sogar 15 Prozent der Wähler der konservativen Volkspartei (PP) des nur noch geschäftsführenden Regierungschefs Mariano Rajoy und die Hälfte der Anhänger von Podemos, deren Vertreter am Mittwoch und Freitag alle mit Nein gestimmt hatten, erklärten sich unzufrieden.

Sánchez war von König Felipe VI. als Kandidat vorgeschlagen worden, nachdem Rajoy auf eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit verzichtet hatte. Rajoys Volkspartei hatte bei der Wahl am 20. Dezember zwar die meisten Sitze gewonnen, die absolute Mehrheit aber verloren. Rajoy fand danach keinen einzigen Bündnispartner.

Eine große Koalition mit der PP, die über eine ausreichende Mehrheit verfügen würde, schloss Sánchez im "El País"-Interview erneut kategorisch aus. Bei der Wahl hätten sich die Spanier für einen Wechsel ausgesprochen, beteuerte er wieder./er/DP/zb

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