ROUNDUP: VW setzt in Amerika auf Ex-BMW-Manager - Suche nach 'Botschafter'

ROUNDUP: VW setzt in Amerika auf Ex-BMW-Manager - Suche nach 'Botschafter'

WKN: 710000 ISIN: DE0007100000 Daimler AG

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23.09.2016 - 17:55
19.01.2016 19:20:40

WOLFSBURG/WASHINGTON (dpa-AFX) - Die wichtige Region Nordamerika mit dem Problemmarkt USA wird bei Volkswagen (Volkswagen vz) künftig von einem ehemaligen BMW-Manager gesteuert. Hinrich Woebcken soll den krisengeschüttelten Autobauer auf der anderen Seite des Atlantiks zurück in die Spur bringen. Wie VW (Volkswagen vz) am Dienstag nach einer Sitzung der obersten Aufseher mitteilte, wird der 55-Jährige zum 1. April neuer Nordamerika-Chef.

Zunächst hatte der Konzern dem früheren Skoda-Lenker Winfried Vahland den Job angeboten, der am Ende doch ablehnte. Weiter offen ist bei den Wolfsburger dagegen die Suche nach einem "Botschafter", der in den USA engen Kontakt zu Regulierern und Politik halten soll. VW betonte nach dem Treffen des Aufsichtsratspräsidiums, dass die Aufarbeitung des Skandals um manipulierte Abgaswerte vorankomme.

"Herr Woebcken wird mit seiner internationalen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Marke in der Region leisten", sagte VW-Markenchef Herbert Diess laut Mitteilung. Die USA seien für Volkswagen ein wichtiger Kernmarkt. "Deshalb erfolgt die Steuerung der Region Nordamerika im Interesse unserer Kunden und Händler vor Ort." Eine dezentralere Führungsstruktur mit mehr Autonomie für die einzelnen Regionen hatte auch schon vor dem Beginn des Diesel-Debakels zu den Schwerpunkten der VW-Strategie gehört.

Woebcken war rund zehn Jahre lang bei BMW unter anderem für den Einkauf zuständig, allerdings unterhalb der Vorstandsebene. Zuletzt war er Nutzfahrzeug-Vorstand beim Zulieferer Knorr-Bremse.

DETAILS ZU ERMITTLUNGEN IM FRÜHJAHR

Bis zum Frühjahr hofft VW, mehr Details zu den Ermittlungen in der Abgas-Affäre berichten zu können. "Nach derzeitiger Planung werden im April der Interview-Prozess und die laufende Dokumentenprüfung soweit fortgeschritten sein, dass die Gesellschaft auf der Hauptversammlung einen substanziellen Bericht abgeben kann", hieß es am Dienstag.

Vor allem über "den Ablauf der Ereignisse und die Frage, welche Abteilungen und hierarchischen Ebenen wann und wie informiert und involviert wurden", werde dann Auskunft gegeben. Die von VW mit den Ermittlungen beauftragte Kanzlei Jones Day habe "erhebliche weitere Fortschritte erzielt". VW hatte im September zugegeben, Abgasmessungen mit Hilfe einer Software manipuliert zu haben.

BERICHTE ÜBER FBI-MANN FREEH

Unklar blieb bis auf weiteres, ob es schon einen konkreten Kandidaten für den Job eines allgemeinen VW-Repräsentanten in den USA gibt. Aus Konzernkreisen war vor der Sitzung des innersten Aufseherzirkels zu hören, der angeblich vom Vorstand geplante Einsatz von Ex-FBI-Chef Louis Freeh als US-Sonderbeauftragter habe für Kopfschütteln aufseiten der mächtigen Arbeitnehmerseite gesorgt. Zuvor hatte es Medienberichte über eine mögliche Verpflichtung Freehs gegeben.

Auf Anfrage teilte VW dazu am Abend mit: "Zu bestimmten Sachverhalten in den USA plant das Unternehmen, weitere externe Spezialisten zu verpflichten. Das Präsidium des Aufsichtsrates hat ein entsprechendes Kandidatenprofil erörtert. Auf Basis dieses Profils wird das Unternehmen in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen."

Sollte die Wahl am Ende auf den 66-jährigen Freeh fallen, würde dieser auch Aufgaben wahrnehmen, die im Ressort der VW-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt liegen. Sie war vom Konkurrenten Daimler nach Wolfsburg gewechselt und ist für Integrität und Recht zuständig.

Die Juristin hatte zuvor in ähnlicher Funktion bei Daimler geholfen, eine Schmiergeldaffäre zu bewältigen. Auch Freeh war bei den Stuttgartern schon in Erscheinung getreten: Sie hatten ihn als Aufpasser engagiert, der darüber wachte, dass die Geschäfte nun sauber liefen. Das kam bei den US-Behörden gut an.

Aus den VW-Arbeitnehmerkreisen hieß es zu den Spekulationen über Freeh unmissverständlich: "Wir haben Frau Hohmann-Dennhardt für diese anspruchsvolle Aufgabe. Weiteren Bedarf sehen wir nicht."

MÜLLERS STUHL WACKELT NICHT - ÄRGER IN SÜDKOREA

Zuletzt hatte der Auftritt von Konzernchef Matthias Müller in den USA für Wirbel gesorgt. Müller erweckte vor rund einer Woche während der US-Automesse in Detroit in einem Interview den Eindruck, er spiele die Affäre herunter und halte die Reaktion der USA für überzogen. Nach dpa-Informationen beschäftigt sich das Präsidium am Dienstag auch mit Fragen zur USA-Reise. Müllers Stuhl wackele aber nicht.

Unterdessen droht VW auch in Südkorea ein Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre. Das Umweltministerium in Seoul erstattete am Dienstag Strafanzeige gegen den Geschäftsführer von Audi Volkswagen Korea, Johannes Thammer. Die Behörde wirft VW vor, Anordnungen nicht befolgt und nur mangelhafte Rückrufpläne für mehr als 125 000 Diesel-Fahrzeuge eingereicht zu haben./loh/DP/she

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