29.02.2016 13:05:39

ROUNDUP: Zinstief macht Sparkassen zu schaffen - 2015 noch gute Geschäfte


FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Zinstief setzt die Sparkassen in Hessen und Thüringen zunehmend unter Druck. "Die Sparkassen stellen sich schon darauf ein, dass wir noch eine längere Durststrecke haben werden", sagte der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke, am Montag in Frankfurt. "An der einen oder anderen Stelle werden Institute zusammengehen, bei uns gibt es keine Welle in Hessen und Thüringen an diesem Punkt."

Zwar halten viele Kunden den Sparkassen die Treue, obwohl es fürs Sparen kaum noch Zinsen gibt. Im vergangenen Jahr steigerten die Sparkassen in Hessen (34) und Thüringen (16) ihre Kundeneinlagen um 3,2 Milliarden Euro auf rund 91,6 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen legte ebenfalls um 3,7 Prozent auf gut 68,7 Milliarden Euro zu. Auch für 2016 rechnet der Verband mit Zuwächsen.

Sorge macht den Instituten allerdings, dass die meisten Kunden ihre Gelder kurzfristig parken - während bei Krediten möglichst lange Laufzeiten gefragt sind. Bezogen auf das gesamte Verbandsgebiet machen täglich fällig Gelder bereits fast zwei Drittel der Kundengelder aus, in Hessen sind es sogar schon 70 Prozent. "Das ist natürlich auch ein operationelles Risiko", sagte Grandke. "Irgendwann werden die Zinsen auch wieder steigen. Dann wird die Frage nach der Einlagentreue wieder größere Bedeutung gewinnen."

Im vergangene Jahr wirkten sich die Folgen der Niedrigzinsphase geringer aus als befürchtet: Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragssäule der Sparkassen verringerte sich nur leicht. Das Betriebsergebnis vor Bewertung blieb mit gut 1,1 (Vorjahr: rund 1,15) Milliarden Euro annähernd stabil, unter dem Strich stand mit 334,9 (283,5) Millionen Euro ein höherer Gewinn.

Strafzinsen für ihre Kunden wollen die Sparkassen weiterhin möglichst vermeiden. Dagegen wertet Grandke die Debatte um Bargeldobergrenzen und die Abschaffung des 500-Euro-Scheins als Vorbereitung auf eine Welt mit negativen Zinsen. "Ich halte den 500er nur für einen Einstieg. Den Argumenten, dass es nur um Bekämpfung von Geldwäsche und Kriminalität geht, traue ich nicht." Grandke warnte: "Das ist sozusagen die technische Vorbereitung dafür, dass die Leute enteignet werden können." Die EU prüft Obergrenzen für Zahlungen mit Schein und Münze, Deutschland hatte ein Maximum von 5000 Euro für Barzahlungen ins Spiel gebracht. Zudem wird in der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nachgedacht./ben/DP/men

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