Der Walldorfer Softwarekonzern SAP geht mit breiter Brust ins wichtige Jahresend-Geschäft. Europas größtes Softwarehaus hob die Prognose für das laufende Jahr trotz eines flauen dritten Quartals am Freitag leicht an.

Danach soll der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn 2016 nun bei 6,5 bis 6,7 Milliarden Euro liegen. Bislang hatte der Konzern eine Spanne von 6,4 und 6,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zur Begründung verwies Finanzvorstand Luka Mucic auf die jüngste Entwicklung. "Alle Kennzahlen zum Geschäftsausblick tendieren zum oberen Ende der jeweiligen Bandbreite vom Jahresanfang." Hinzu käme "eine gut gefüllte Auftragspipeline."

Durchwachsene Quartalszahlen



Dabei war die Entwicklung im abgelaufenen dritten Quartal eher durchwachsen. Zwar entwickelt sich das wichtige Cloud-Geschäft mit einem Plus von zuletzt rund 25 Prozent weiterhin sehr erfreulich. Auch das traditionelle Lizenz-Geschäft legte um manierliche fünf Prozent zu. Aber beim Betriebsergebnis reichte es gerade zu einem Plus von einem Prozent auf 1,64 Milliarden Euro. Und beim Netto-Ergebnis stand gegenüber dem Vorjahr gar ein Minus von 19 Prozent auf 725 Millionen Euro zu Buche.

Aber die Walldorfer sind derzeit eben auch Opfer ihres eigenen Erfolgs. Weil der Aktienkurs zuletzt stark gestiegen ist, und inzwischen jenseits der 80-Euro-Marke notiert, muss der Konzern bei seinen Aktienprogrammen nun tiefer in die Tasche greifen. Rund 300 Millionen Euro habe SAP laut Mucic alleine dafür aufwenden müssen. Dazu kommen steigende Kosten für Entwicklung oder Marketing.

SAP-Konzernchef Bill McDermott lässt sich davon nicht beirren und gibt stattdessen richtig Gas. "Wir sind ein Wachstumsunternehmen und heben zuversichtlich den Ausblick für das Gesamtjahr an".

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Einschätzung zur Aktie

SAP strotzt derzeit vor Selbstvertrauen. Natürlich hat das was mit dem Chef zu tun. Bill McDermott ist gelernter Vertriebler. Da gehört Understatement zum schlechten Ton. Aber McDermott ist auch kein Hasardeur. Die Auftragspipeline im Konzern gehört zu seiner Lieblingslektüre. Und die kann kaum ein anderer besser lesen als er.

Ungeachtet dessen ist die Prognose-Anhebung nicht ohne Risiko. Denn wer sich ein wenig in der Branche auskennt, weiß: Die Kunden werden von ihren Beratern darauf getrimmt, bei börsen-notierten Software-Herstellern möglichst erst kurz vor Quartalsende zu unterschreiben. Dann ist der Druck bei vielen Softwarehäusern besonders hoch, die letzten Aufträge einzusammeln, notfalls auch auf Kosten von Preiszugeständnissen, um Investoren ein ordentliches Zahlenwerk präsentieren zu können. Angesichts der jüngsten Prognose-Anhebung wird der Druck noch eher noch steigen.

Wenn sich McDermott dennoch zu einer Anhebung der Zielbandbreite entschließt, lässt das eigentlich nur einen Schluss zu: Wenn nicht noch ein einschneidendes Ereignis wie eine neue Finanzkrise kommt, wird die neue Zielvorgabe in jedem Fall erreicht - und vielleicht sogar noch knapp übertroffen.

Intakter Aufwärtstrend



Für die SAP-Aktie sind das gute Nachrichten. Operativ läuft das Geschäft. Die Echtzeit-Analyse rund um HANA brummt, das Geschäft mit Mietsoftware (Cloud) wächst weiter. Zudem winkt Finanz-Vorstand Luka Mucic auch noch mit einem Aktienrückkaufprogramm und einer Dividenden-Anhebung. Das dürfte dem Aktienkurs weiteren Auftrieb geben.

Auch charttechnisch ist alles im grünen Bereich. Der jüngste Aufwärtstrend ist intakt. Der nächste Widerstand ist das jüngste Hoch bei 82,60 Euro. Der dürfte demnächst fallen. Dann dürfte auch der Angriff auf das Allzeithoch aus dem März 2000 von 91,03 Euro nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Kaufen.

Ziel: 91,03 Euro

Stopp: 73 Euro.