Herr Mucic, SAP hat im ersten Quartal beim Umsatz währungsbereinigt ein Plus von zehn Prozent hingelegt, beim operativen Ergebnis steht aber ein Rückgang von zwei Prozent zu Buche, beim Nettogewinn sogar ein Minus von 23 Prozent. Damit kann der Finanzvorstand doch nicht richtig zufrieden sein, oder?

Doch. Ich bin sehr zufrieden. Es stimmt: Die Euro-Schwäche hat uns in die Karten gespielt. Aber auch um Währungseffekte bereinigt haben wir beim Umsatz zehn Prozent zugelegt, bei Cloud- und Software-Erlösen sogar zwölf Prozent. Was das Betriebsergebnis anbelangt, finden sich dort natürlich jetzt die Investitionen des vergangenen Jahres wieder. Aber auch dort liegen wir im Rahmen der Analystenschätzungen. Von daher ist alles im grünen Bereich.

Bei den Kosten könnte es schon ein bisschen besser laufen. Die sind im ersten Quartal gleich um 13 Prozent gestiegen, was Ihnen auch die operative Marge verhagelt hat. Woher kommt dieser Anstieg?


Der Euro hat uns in die Karten gespielt."
SAP-Finanzvorstand Luk Mucic über den Rückenwind von der Währungsseite.
Ein großer Punkt ist hier natürlich der Personalaufbau. Wir haben im Vorjahr organisch 2200 neue Stellen geschaffen. Dazu kommen über Akquisitionen wie Fieldglass und Concur nochmal 5000 weitere neue Mitarbeiter - mit dem entsprechenden Innovationspotenzial und der Vertriebskapazität. Und wir haben natürlich in den Aufbau unserer Cloud-Infrastruktur investiert, denken Sie etwa an den Ausbau unserer Rechenzentren weltweit.

Auf Seite 2: Was SAP bei seinem größten Kostenblock für 2015 plant



Personal ist traditionell Ihr größter Kostenblock. Was planen Sie nach den hohen Zuwächsen für 2015?

Wir sind im ersten Quartal um knapp 150 Mitarbeiter gewachsen. Wir haben bereits im Januar gesagt, dass wir Ende 2015 mehr Mitarbeiter an Bord haben wollen als zum Jahresanfang. Klar ist: Wir investieren weiter maßvoll in Wachstumsbereiche, in denen wir Kompetenzen und Kapazitäten aufbauen wollen.

Das Kerngeschäft mit dem Verkauf von Software-Lizenzen hat im ersten Quartal praktisch stagniert. Ist das nur eine Momentaufnahme oder werden sich Investoren hier im Jahresverlauf auf eine neue Realität einstellen müssen?

Das erste Quartal ist traditionell das kleinste Quartal. Wir haben aber mit unserer erst seit Februar verfügbaren neuen Suite-Lösung S4/HANA und bei HANA selbst ein sehr hohes Interesse bei den Kunden gesehen. Wir haben heute knapp doppelt so viele HANA-Kunden wie vor einem Jahr. Dazu kommt, dass wir in den meisten wichtigen Ländern eine gute Performance hatten. Das stimmt uns für den Jahresverlauf sehr positiv.

In der Cloud läuft’s dafür richtig gut. Zum Jahresauftakt haben Sie da ein Plus von 131 Prozent vorgelegt. Wie lange werden Sie solche Wachstumsraten durchhalten können?

Wir haben Anfang des Jahres gesagt, dass wir für 2015 in der Cloud einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro anpeilen. Dabei sehen wir uns auf einem guten Weg, auch beim Neugeschäft.

Aber jetzt haben Sie bereits in Ihrem traditionell schwächsten Quartal ein Viertel des angepeilten Umsatzes eingefahren. Hochgerechnet aufs ganze Jahr müsste da eigentlich mehr drin sein?

Unsere Prognose hat sich auf konstante Wechselkurse bezogen. Wenn sich die Währungskurse im weiteren Jahresverlauf so weiter entwickeln wie bisher, erwarten wir auch im Cloud-Geschäft einen positiven Effekt.

Auf Seite 3: Welchen Kapitalbedarf Finanzchef Mucic für 2015 sieht



SAPhat die jüngsten Akquisitionen zunächst über Kredite finanziert und dann das aktuelle Niedrigzins-Umfeld genutzt und die Kredite zum Teil über Anleihen abgelöst. Gibt es hier noch Bedarf?

Nein. Die Finanzierung der Concur-Übernahme ist komplett durchstrukturiert finanziert. Und auch die vorangegangenen Zukäufe sind bereits getilgt, sofern wir sie nicht über Anleihen abgelöst haben. Von daher sehen wir hier aktuell keinen Bedarf. Unser Fokus liegt derzeit eher darauf, die Verschuldung über unseren operativen Cash-flow weiter zurückzuführen und da kommen wir sehr gut voran.

Auf Seite 4: Was der Finanzvorstand zum hohen Goodwill in der Bilanz und einem möglichen Abschreibungsbedarf sagt



Mit den Akquisitionen haben Sie zuletzt ja ordentlich Goodwill in der Bilanz aufgebaut. Zum 31. März waren es 22,8 Milliarden Euro, nach 13,7 Milliarden im Jahr zuvor. Nun wachsen bei Investoren die Sorgen, es könnte unter Umständen zu Abschreibungen kommen. Wie solide sind die Wertansätze für die Unternehmen in Ihrer Bilanz?

Wir testen unseren Goodwill regelmäßig auf Abschreibungsbedarf. Aber aktuell gibt es für Abschreibungen überhaupt keine Veranlassung, denn sowohl unser angestammtes Geschäft als auch die neuen Bereiche entwickeln sich sehr gut. Von daher sehen wir hier keine Wölkchen am Horizont.


Wir sehen hier keine Wölkchen am Horizont."
SAP-Finanzvorstand Luk Mucic über den hohen Goodwill in der Bilanz und die Gefahr möglicher Abschreibungen.
SAP verfügt mit Ariba über die größte Beschaffungsplattform für Unternehmen weltweit. Zuletzt haben Sie mit Concur und Fieldglass weitere Beschaffungsplattformen für Reisebuchungen bzw. die Suche und den Einsatz von Zeitarbeitskräften übernommen. Werden Sie diese Angebote in Ariba integrieren oder als eigenständige Angebote weiter führen?

Wir sehen unsere Zukunft in diesem Bereich als Betreiber eines Netzwerks von Netzwerken. Wir können uns auch vorstellen, Partner-Netzwerke anzubinden. Insofern werden diese Angebote weiter eigenständig bleiben, aber aufeinander abgestimmt.

SAP hat 2014 über Ariba Transaktionen im Volumen von insgesamt 700 Milliarden Dollar abgewickelt nach 500 Milliarden im Jahr davor. Welches Volumen erwarten Sie für 2020?

Ariba entwickelt sich weiterhin dynamisch. Wir trauen uns zu, dass wir bis dahin einschließlich anderer Geschäftsnetzwerke wie Concur oder Fieldglass Transaktionen im Volumen von 2000 Milliarden Dollar abwickeln.