Die Aktionäre des Genfer Warenprüfkonzerns SGS haben zurzeit wenig Freude an ihrem Investment. Der Kurs befindet sich seit Monaten im Sinkflug. Allein seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel ein Kursminus von acht Prozent, in den vergangenen zwölf Monaten ging es sogar um 21 Prozent nach unten.

Der andauernde Kursrutsch ist ungewöhnlich. Schließlich ist der Konzern, der unter anderem Industrieanlagen und Fahrzeuge auf Qualität und Sicherheit überprüft, das weltweit führende Unternehmen in einem strukturellen Wachstumsmarkt. So exportiert vor allem Asien immer mehr Waren Richtung Westen, die vor der Einfuhr geprüft werden müssen.

Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, inzwischen hat sich das Geschäft jedoch deutlich eingetrübt. Unterm Strich erzielte SGS 2014 nur noch eine geringe Umsatzsteigerung von 0,9 Prozent. Die Prognose für 2015 hat das Unternehmen nach den mäßigen Zahlen bereits Anfang des Jahres korrigiert und rechnet nun nur noch mit vier bis sieben Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr war noch von einer Steigerung um sechs bis neun Prozent die Rede.

Auf Seite 2: Analysten raten vom Kauf ab





Analysten raten vom Kauf ab



Analysten betrachten die Lage von SGS noch skeptischer. Sie gehen davon aus, dass der Umsatz dieses Jahr schrumpfen wird. Entsprechend vorsichtig bewerten sie die Aktie. "Aktuell würde ich vom Kauf abraten", sagt Reto Hess von der Credit Suisse (CS). Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,5 sei der Titel zu hoch bewertet. Allerdings - und da sind sich die Beobachter einig - ist der Prüfkonzern ein gut aufgestelltes Unternehmen.

Für das schwache Abschneiden von SGS seit Jahresbeginn gibt es verschiedene Gründe. Zum einen machte sich der starke Franken bemerkbar, zum anderen der Ölpreis, der sich zeitweise halbiert hatte. "Obschon SGS in sehr vielen Bereichen tätig ist, lässt sich eine gewisse Abhängigkeit vom Ölpreis nicht negieren", heißt es dazu von der Neuen Helvetischen Bank.
20 Prozent des Konzernumsatzes entfallen auf den Bereich Öl, Gas und Chemikalien. Viele normalerweise ausgabefreudige SGS-Kunden aus diesen Branchen mussten zuletzt kräftig sparen.

Indes bemüht sich das Unternehmen, langfristig auf Kurs zu bleiben. Zunächst fand im März ein Sesselwechsel statt. Der chinesisch-schweizerische Doppelbürger Frankie Ng löste den langjährigen Konzernchef Christopher Kirk ab. Kirk hatte sich in der Vergangenheit mehrmals mit seinen Wachstumszielen übernommen. Ng will nun bis Oktober einen Plan vorlegen, um die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und neue Märkte zu erschließen.

Ein umfassender strategischer Kurswechsel habe auch nach der Neubesetzung des Chefsessels nicht stattgefunden, meint CS-Analyst Hess. Auf kurze Sicht dürfte der Konzern auf hohem Niveau stagnieren.

Wer jetzt SGS-Aktien kauft, braucht Geduld und starke Nerven, investiert letztlich aber in ein grundsolides Unternehmen mit langfristig guten Wachstumsaussichten. Hinzu kommt die attraktive Dividendenrendite von 4,1 Prozent.

Auf Seite 3: Investor-Info