Die "Sunday Times" hatte berichtet, der britische Pharmakonzern Shire erwäge, Actelion für umgerechnet gut 16 Milliarden Euro zu kaufen. Eine formlose Anfrage der Briten sei vor einigen Wochen zurückgewiesen worden, meldete die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Shire sei bereit, 160 Schweizer Franken je Aktie zu zahlen - das wäre ein Aufschlag von mehr als 20 Prozent zum Actelion-Schlusskurs vom Freitag.

Sprecher von Shire und Actelion wollten sich zu dem Bericht nicht äußern. Actelion-Chef Jean-Paul Clozel hatte im April zur Vorlage der Quartalsbilanz gesagt, die Schweizer Biotechfirma habe kein Übernahmeangebote erhalten. Das Unternehmen selbst schaue sich aktiv nach Zukäufen um, wolle im grassierenden Übernahmefieber in der Branche aber einen kühlen Kopf bewahren.

Shire hatte zuletzt einige größere Zukäufe gemacht. Anfang 2015 übernahmen sie die US-Pharmafirma NPS Pharmaceuticals für 5,2 Milliarden Dollar und im vergangenen Jahr ViroPharma für 4,2 Milliarden Dollar. Der US-Pharmakonzern AbbVie

Nach Einschätzung der Analysten von J.Safra Sarasin wäre Actelion mit 160 Franken je Aktie zwar mehr als fair bewertet. Am Markt werde aber davon ausgegangen, dass Actelion-Chef Clozel dass Unternehmen nicht verkaufen wolle und langfristige höhere Ambitionen habe. Daher sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, ob eine solche Offerte ihn zum Umdenken bewegen könnte. Die Experten der Berenberg Bank halten einen Zusammenschluss von Shire und Actelion für sinnvoll. Das Geschäft von Actelion mit Arzneimitteln gegen Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) passe gut zu Shire`s Portfolio an Medikamenten zur Behandlung seltener Krankheiten. Bei der Zürcher Kantonalbank hieß es, ein Übernahmeangebot sei möglich. "Aber das Zustandekommen ist nicht wahrscheinlicher ist, als bei früheren Gerüchten."

Unter Analysten gilt Actelion wegen seiner führenden Stellung bei der Behandlung der Lungenkrankheit PAH als lohnendes Übernahmeziel. In der Pharmabranche waren zuletzt mehrere Milliardenkäufe angekündigt worden. Unter anderem treiben hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente die aktuelle Übernahmewelle an.

Reuters