VW auf Entschuldigungstour in den USA

VW auf Entschuldigungstour in den USA

WKN: 766403 ISIN: DE0007664039 Volkswagen AG Vz. (VW AG)

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07.12.2016 - 14:15
11.01.2016 17:47:00

- von Jan Schwartz

Detroit (Reuters) - Volkswagen hat auf der Automesse in Detroit den Kampf um sein wegen des Dieselskandals ramponiertes Image aufgenommen.

Nach VW-Chef Matthias Müller betonte auch VW-Markenvorstand Herbert Diess sein Bedauern über die Manipulation von Diesel-Abgaswerten. "Wir wissen, dass wir unsere Kunden und Händler, staatliche Stellen und das amerikanische Volk enttäuscht haben. Das tut mir wirklich Leid", sagte er bei der Präsentation neuer VW-Modelle zum Messeauftakt. "Unser wichtigstes Ziel für 2016 ist, das Vertrauen in unsere Marke zurückzugewinnen." Den Worten sollen Taten folgen: VW will sich mit der US-Umweltbehörde auf einen Rückrufplan einigen, das Gutscheinprogramm für die Kunden wird ausgeweitet. Zudem kündigte Müller 900 Millionen Dollar Investitionen und 2000 neue Jobs für das VW-Werk in Chattanooga in Tennessee an.

"Wir müssen nicht nur unsere Autos reparieren", sagte Müller bei seinem ersten Auftritt als VW-Chef seit Beginn des Skandals im Hernst in den USA am Sonntagabend in Detroit. "Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit reparieren." Er entschuldigte sich erneut für den Einsatz illegaler Software. Es habe aber nie die Absicht gegeben, Kunden oder Behörden hinters Licht zu führen. "Wir sind keine kriminelle Marke und keine kriminelle Gruppe." Beim Treffen am Mittwoch mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA Gina McCarthy will er ein Paket an Vorschlägen vorlegen. Dazu gehört ein neuer Katalysator, mit dem die Diesel-Autos die strengen Stickoxid-Grenzwerte in den USA einhalten sollen.

"DINGE IN ORDNUNG BRINGEN"

Um die Kunden zu besänftigen, will der Konzern das Gutschein-Programm ausweiten, das bereits den Besitzern der fast halben Million betroffenen Autos mit Zwei-Liter-Motoren angeboten wird. Auch für den Geländewagen VW Touareg soll es 500 Dollar Bargeld und 500 Dollar Guthaben beim Händler geben, stellte US-Chef Michael Horn in Aussicht. Im November hatte der Konzern eingeräumt, dass in den USA neben der halben Million Fahrzeugen mit kleineren Motoren auch rund 80.000 Modelle von VW, Audi und Porsche mit größeren Dieselmotoren eine illegale Software zum Steuern der Abgasreinigung an Bord haben. Auch Audi arbeite an einer Kompensation für die Kunden, sagte ein Sprecher.

Nach den Worten Horns haben sich bisher nur sehr wenige Kunden in den USA wegen des Abgasskandals beschwert oder eine Rücknahme der Fahrzeuge gefordert. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge mit der illegalen Software an Bord unterwegs. In Europa beginnt der Rückruf im Januar, das Bereinigen der Fahrzeuge wird sich über das Jahr hinziehen.

DEUTSCHE LEIDEN UNTER "DIESELGATE"

"Unser ganzer Einsatz zielt jetzt darauf ab, die Dinge in Ordnung zu bringen", sagte Müller. Die USA blieben der Kernmarkt für den Zwölf-Marken-Konzern. Zurück auf die Erfolgsspur will VW mit einer SUV-Offensive fahren. Die Investition in Chattanooga, wo VW ein Werk mit 5000 Mitarbeitern hat, ist zur Produktion eines mittelgroßen Geländewagens geplant. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll es mindestens ein SUV pro Fahrzeugsegment geben, kündigte Diess an. In Detroit zeigte VW sein meist verkauftes SUV Tiguan als Plug-in-Hybrid.

Wie der Chef des Automobilverbandes VDA in Detroit erklärte, macht der Abgasskandal allen deutschen Herstellern zu schaffen. Die Diesel-Strategie, die die deutsche Automobilindustrie seit vielen Jahren insbesondere auf dem wichtigen US-Markt verfolgt, wurde durch die Vorgänge "in einem großen Unternehmen erheblich beschädigt", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Neben VW müssten auch die anderen deutschen Hersteller daran arbeiten, die Verbraucher von den Vorteilen des Diesels mit seinem geringen Verbrauch zu überzeugen. VW, Daimler und BMW sind zusammen mit einem Marktanteil von 95 Prozent Marktführer am Dieselmarkt in den USA, der allerdings nur sehr klein ist. Neun von zehn Autos deutscher Marken sind laut VDA Benziner.

Die deutschen Autohersteller rechnen am US-Markt, der 2015 ein Rekordniveau erreichte, mit Stagnation. Der Absatz der deutschen Marken werde voraussichtlich wie im Vorjahr bei 1,4 Millionen Fahrzeugen liegen, hieß es vom VDA.

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