Die "Tagesschau" um 20 Uhr gilt als eine Art Lagerfeuer, vor dem sich regelmäßig Millionen Deutsche versammeln. Mit den Nachrichten beginnt die Hauptsendezeit. Neben den öffentlich- rechtlichen buhlen dann zahlreiche private Sender mit Filmen, Serien und Shows um möglichst hohe Einschaltquoten. So war das über Jahrzehnte. Aber eigentlich spielt die Prime Time keine Rolle mehr - der moderne Konsument ist nicht mehr an das Programmschema gebunden. Er streamt seine Lieblingssendung, wann immer er möchte. Die Digitalisierung macht es möglich - und stellt für die Fernsehmacher eine große Herausforderung dar.

Das macht auch den Aktien großer TV-Konzerne derzeit zu schaffen. Beispielsweise schrumpfte der Börsenwert von ProSiebenSat.1 binnen zwölf Monaten um 15 Prozent. Damit trägt die Sendergruppe die rote Laterne im DAX. Die schwierigen Bedingungen am TV-Werbemarkt dürften aber mittlerweile im Kurs enthalten sein. Zumal ProSiebenSat.1 selbst die Digitalisierungswelle reitet und sich mit eigenen Plattformen gegen Streaminganbieter wie Netflix oder Amazon stemmt. Überdies legt Vorstandschef Thomas Ebeling Hand an die von Kritikern als "Gemischtwarenladen" bezeichnete Konzernstruktur. Kürzlich verkaufte er für mehr als eine halbe Milliarde Euro das Flugreiseportal Etraveli - innerhalb von zwei Jahren hat sich der Wert dieser Beteiligung damit mehr als verdoppelt.

Jetzt stellt sich die Frage, was Ebeling mit der gut gefüllten Kasse vorhat - bereits per 31. März türmten sich liquide Mittel von knapp 1,3 Milliarden Euro auf. Möglicherweise erhalten Anleger bei der Vorlage der Halbjahresbilanz am 3. August einen ersten Fingerzeig. Spätestens zum Kapitalmarkttag im Dezember dürfte Ebeling konkrete Pläne präsentieren. Vor diesem Hintergrund und angesichts des auf weniger als 13 geschrumpften Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) sowie der Dividendenrendite von mehr als sechs Prozent ist die Aktie reif für eine Aufholjagd.



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Axel Springer-Aktie - Transformation geschafft



Bei Axel Springer ist das Börsencomeback bereits in vollem Gange. Im bisherigen Jahresverlauf setzte sich der Titel mit einem Plus von 12,4 Prozent vom europäischen Mediensektor ab. Auch beim traditionsreichen Berliner Verlagshaus dreht sich alles um das Zauberwort Digitalisierung. Mittlerweile gehen 72 Prozent der Umsätze und 80 Prozent des Gewinns auf das Geschäftsfeld zurück, zu dem unter anderem Onlineportale für Autos, Jobs oder Immobilien zählen.

"Springer hat die digitale Transformation erfolgreich bewerkstelligt", meint Analyst Craig Abbott von Kepler Cheuvreux. Er traut dem Konzern in den kommenden Jahren ein überdurchschnittliches Ergebniswachstum zu. Zwar sei der Mid Cap nach der jüngsten Rally kein Schnäppchen mehr. Doch solange Springer die Erwartungen erfülle, dürfte die Neubewertung laut Abbott anhalten.

Die ganze Medienwelt in einer Aktie

Viel Unterhaltungswert bringt die Aktie von Vivendi mit. Sie ist zuletzt aus einem Abwärtstrend nach oben ausgebrochen. Mit dem französischen Large Cap holen sich Anleger ein breit gestreutes Medieninvestment ins Depot. Unter anderem zählt Universal Music, der Platzhirsch des globalen Musikgeschäfts, zu dem Konglomerat. Außerdem betreibt Vivendi Pay-TV-Sender sowie eine Filmproduktion. Mit dem hauseigenen Label Gameloft und der Beteiligung an Ubisoft ist das Unternehmen auch auf dem boomenden Markt für Onlinespiele aktiv. Hinzu kommt die Werbegruppe Havas, an deren Verschmelzung das Management arbeitet.

Für Kursfantasie sorgt jedoch vor allem die Musiksparte. Mit einem Umsatzplus von 14,8 Prozent verbuchte Universal im ersten Quartal das stärkste Wachstum seit 15 Jahren. Die Einnahmen aus dem Onlinestreaming nahmen sogar um knapp die Hälfte zu. Möglicherweise nutzen die Franzosen das operative Momentum schon bald für den seit einiger Zeit im Raum stehenden Börsengang der Tochter. Zudem ist Vivendi im Ticketingeschäft aktiv. Nach eigenen Angaben setzt die Sparte pro Jahr 35 Millionen Eintrittskarten ab.

Mehr als das Vierfache dieser Menge läuft über die Systeme von CTS Eventim. Europas Ticketingmarktführer gilt als Paradebeispiel für die erfolgreiche Ausrichtung eines Mediengeschäftsmodells in Richtung Digitalisierung. Nicht nur dass die Münchner vom besonders margenträchtigen und stark wachsenden Absatzkanal Internet profitieren, unser Dauerfavorit zieht zudem sämtliche technischen Register, um bei den Fans die Begeisterung für die häufig selbst organisierten und durchgeführten Shows zu schüren. Damit sorgt CTS Eventim nicht selten dafür, dass so mancher Deutsche das Lagerfeuer "Tagesschau" verpasst.



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