Die Gemeinschaftswährung ist seit Jahresbeginn um rund 13 Prozent geklettert und hatte zuletzt mit 1,2069 Dollar den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren markiert. Insidern zufolge bereitet dies einer zunehmenden Anzahl von Notenbankern Sorgen. Vor allem Ratsmitglieder aus den wirtschaftlich schwächeren Euro-Ländern befürchteten, dass dies das Wirtschaftswachstum bremsen könnte. Produkte europäischer Firmen werden durch den Euro-Höhenflug auf dem Weltmarkt teurer und damit unattraktiver.

"Für eine abwartende Haltung spricht zudem, dass sich die Notenbank mit Blick auf die Bundestagswahl nicht dem Vorwurf der politischen Einflussnahme aussetzen will", sagt Zinsexperte Christian Reicherter von der DZ Bank. Es sei daher eher auf der EZB-Ratssitzung am 26. Oktober mit einem Beschluss zur Zukunft des billionenschweren Anleihenprogramms zu rechnen.

Laut EZB-Präsident Mario Draghi soll im Herbst über die Wertpapierkäufe beraten werden. Diese sind momentan das wichtigste Instrument, mit dem die Notenbank für mehr Inflation sorgen will. Mit den Transaktionen sollen Banken dazu bewegt werden, mehr Kredite auszureichen statt in diese Titel zu investieren. Dies stützt dann die Konjunktur. Aktuell erwerben die Euro-Wächter monatlich Staatsanleihen und andere Papiere im Volumen von 60 Milliarden Euro. Unklar ist, wie es 2018 weitergehen soll.

FINGERZEIG ERWARTET



Die Zeit drängt also. Commerzbank-Ökonom Michael Schubert hält es daher für unwahrscheinlich, dass sich die Notenbank am Donnerstag überhaupt nicht bewegt. Es sei vorstellbar, dass die EZB ihren geldpolitischen Ausblick ergänze und erkläre, 2018 die Wertpapierkäufe auf dem derzeitigen oder einem niedrigeren Niveau fortzusetzen. "Mit einer solchen Formulierung würde die EZB die Richtung der Entscheidung vorgeben, sich aber gleichzeitig viele Optionen offenhalten." Die Bank of America erwartet, dass Draghi zumindest ankündigt, dass Ausschüsse der EZB beauftragt wurden, Vorschläge zu erarbeiten, wie es mit den Käufen 2018 weitergehen soll.

Die Wirtschaft im Euro-Raum läuft zwar wieder deutlich besser, zuletzt mit einem Wachstum von 0,6 Prozent im zweiten Quartal. Dennoch lag die Inflation mit 1,5 Prozent im August noch ein gutes Stück von der angepeilten Marke von knapp zwei Prozent entfernt. Draghi sieht daher die EZB mit ihrem ultra-expansiven Kurs noch nicht am Ziel.

Wegen der verbesserten Konjunktur werden innerhalb der Zentralbank die Stimmen lauter, die auf ein Ende der Anleihenkäufe pochen. So forderte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unlängst einen raschen und geordneten Ausstieg. Sein Vorschlag: Die Käufe sollen ab 2018 langsam auf null heruntergefahren werden. Eine abruptes Ende des Programms lehnt er ab. Laut einer Reuters-Umfrage gehen die meisten Ökonomen derzeit davon aus, dass die EZB die Transaktionen bis Ende 2018 komplett abschmelzt.

An den Leitzinsen, die seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, dürften die Euro-Wächter am Donnerstag nicht rütteln.

rtr