Deutsche Anleihen: Deutlich gefallen - EZB-Entscheidungen verpuffen

Deutsche Anleihen: Deutlich gefallen - EZB-Entscheidungen verpuffen
10.03.2016 18:09:40

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben von den Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nur kurzzeitig profitiert und sind zuletzt deutlich gefallen. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sank um 0,48 Prozent auf 161,43 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 0,30 Prozent. Auch in den übrigen Ländern der Eurozone fand eine steile Berg- und Talfahrt am Anleihemarkt statt.

Das überraschend groß ausgefallene Maßnahmenpaket der EZB im Kampf gegen die niedrige Inflation hat den deutschen Anleihemarkt nur kurzfristig beflügelt. So stieg der Euro-Bund-Future bis auf 163,40 Punkte. Als EZB-Präsident Mario Draghi allerdings deutlich machte, dass er aus heutiger Sicht keine weiteren Zinssenkungen für nötig erachtet, gerieten die Anleihen unter Druck. Die EZB hatte zuvor die Leitzinsen gesenkt. Außerdem waren neue langfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) aufgelegt worden, und die EUB will künftig auch Unternehmensanleihen kaufen.

Draghi habe in Aussicht gestellt, dass sich der Schwerpunkt künftiger Maßnahmen der Notenbank auf unkonventionelle Instrumente verlagern werde, schreibt LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert in einem Kommentar. "Insgesamt spricht dies dafür, dass die EZB nicht die Absicht hat, die Zinsen nochmals zu senken, aber sie hält sich diese Option offen." Nach Einschätzung von DZ Bank-Ökonom Jan Holthusen besteht das Risiko, dass der Markt für deutsche Staatsanleihen austrocknen könnte.

Noch stärker waren die Kursausschläge in den südeuropäischen Ländern der Eurozone. Insbesondere die Staatsanleihen aus Italien, Spanien und Portugal stiegen zunächst deutlich. Nach den Aussagen von Draghi gaben jedoch ihre Gewinne ab und italienische und spanische Anleihen drehten sogar ins Minus./jsl/jkr

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