Schwellenländer-Aktien sind derzeit bei den Anlagestrategen der Banken und Fondsgesellschaften mega-out. Ein Blick auf den Chart des MSCI-Emerging-Markets-Index verdeutlicht, dass sich die Anleger an die Ratschläge der "Experten" halten. Seit fünf Jahren stolpert der Index (in US-Dollar) vor sich hin, ohne wirklich voran zu kommen. In diesem Jahr kam es dann noch einmal zu einem heftigen Abverkauf: minus 25 Prozent seit Ende April.

War das nun der Schlußverkauf, bevor es wieder aufwärts geht? Möglich. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der breite, stark von chinesischen Aktien beeinflusste EM-Index auch in Zukunft nicht allzu viel Dynamik entfalten wird. Viel spricht dafür, dass sich die einzelnen nationalen Märkte in den kommenden Jahren eher unterschiedlich entwickeln werden - inklusiver einiger sehr attraktiver Gewinn-Chancen.

Eine gute Aussicht auf den Siegerplatz hat dabei der indische Aktienmarkt. Darauf deuten nicht nur seinen schon in den letzten zwei Jahren bessere Entwicklung hin (gegenüber dem MSCI EM-Index), sondern auch die zunehmend positiven Einschätzungen und Kommentare der Anlagestrategen. "Indien bleibt einer der von uns bevorzugten Märkte. Neben einem dynamischen privaten Sektor bietet das Land viele gute Unternehmen", erklärt etwa Adrian Lim, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management.

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Die Kanzlerin verspricht Unterstützung



Auch die Bundeskanzlerin und die deutsche Wirtschaft stehen zunehmend auf Indien. Bei ihrem vor kurzem absolvierten Indienbesuch betonte die Kanzlerin, Deutschland wolle beim wirtschaftlichen Aufbau Indiens helfen. Premier Narendra Modi, der seit fast anderthalb Jahren im Amt ist, habe ein "sehr ambitioniertes" Programm vorgelegt. "Deutschland möchte ein guter und wichtiger Partner sein", sagte Merkel.

Begleitet wurde Merkel bei ihrem Indien-Trip nicht nur von mehreren Ministern, sondern auch von einer zwanzigköpfigen Unternehmerdelegation. "Deutsche Unternehmen haben wieder stärkeres Vertrauen in Indien als Wachstumsmarkt und planen, ihre Aktivitäten dort auszubauen", begründete Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Unternehmerverbands DIHK. "Zwei von drei der 30 größten deutschen Arbeitgeber vor Ort wollen alleine in den nächsten drei Jahren rund 1,4 Milliarden Euro in Indien investieren", präzisierte Treier unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage der deutsch-indischen Handelskammer.

Der Grund für den Optimismus der Unternehmer: "Indien wird in diesem Jahr erstmals seit dreißig Jahren stärker wachsen als China", erklärt Treier. Bereits die Ankündigung wirtschaftspolitischer Reformen habe die Stimmung im Land deutlich verbessert - einschließlich der deutschen Unternehmen vor Ort. Zur guten Stimmung dürfte zudem auch das jetzt zwischen Deutschland und Indien vereinbarte Abkommen über ein sogenanntes "Fast-Track-Verfahren" beitragen. Das Verfahren soll deutschen Unternehmen unter anderem einen einzigen Ansprechpartner in der indischen Verwaltung geben.

Bürokratische Hürden gelten in Indien als eines der größten Investitionshindernisse. Indiens Regierungschef Modi hat deshalb versprochen, dieses Dickicht zu lichten. Ob er damit Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin: "Die Anzahl der stockenden Investmentprojekte ist zurückgegangen, da die Regierung weiter daran arbeitet, den entstandenen Rückstand abzubauen", berichtet Fondsmanager Lim. Gleichzeitig habe die Größe neuer Projekte zugenommen. Ausländische Direktinvestitionen seien ebenfalls im Aufstieg begriffen.

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Sichtbarer Aufschwung in Indien



Greifbar sind auch schon andere Erfolge von Modis Reformpolitik. "Die Wirtschaft ist in deutlich besserer Verfassung als noch vor zwei Jahren", urteilt Lim. "Die Inflation ist zurückgegangen, ebenso die Zinsen. Auch bei der Haushaltskonsolidierung bleibt Indien auf Kurs", zählt der Landeskenner auf. Auch gegen mögliche negative Folgen der anstehenden US-Zinserhöhung habe sich Indien gut gewappnet. Die indischen Devisenreserven lägen mit mehr als 350 Milliarden US-Dollar auf Rekordniveau. Wohl auch deshalb habe die indische Währung in den vergangenen Monaten Stärke gegenüber der Mehrheit der G10- und der Schwellenländerwährungen gezeigt.

Zudem: Das auf Rohstoff-Importe angewiesene Indien profitiert enorm vom Rückgang des Rohölpreises und den preiswerten anderen Rohstoffen. Indiens Regierung hat diese günstige Entwicklung genutzt und Subventionen für Kraftstoffe reduziert. So wurden Subventionen für Diesel und Benzin abgeschafft. Mit milliardenschweren Investitionen will die indische Regierung für weiteren Schwung sorgen.

Modi und seine Mannen haben sich zum Ziel gesetzt, über die nächsten zehn Jahre den Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von heute 15 Prozent auf 25 Prozent zu steigern. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, will Indien zunächst einmal die Infrastruktur verbessern. So sollen allein im Fiskaljahr 2015/2016 rund 9000 Kilometer neue Straßen gebaut werden.

Insgesamt will Modi umgerechnet 75 Milliarden Dollar vor allem für den Ausbau des Straßennetzes ausgeben. Zu den Plänen der Regierung gehören unter anderem der Bau eines Autobahnnetzes und Schnellzugtrassen. Damit sollten 100 Städte nicht nur in Hinblick auf die Reisezeit verbunden werden, sondern auch die wirtschaftliche Verflechtung angeregt werden.

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Milliarden für die indische Wirtschaft



Weitere 25 Milliarden Dollar sollen zudem für die Modernisierung veralteter Strom-Kraftwerke aufgewendet werden. Langfristig will die Regierung sogar 200 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investieren. Mit ihren Investitionen will die Regierung binnen zwei Jahren zusätzliches Wachstumspotenzial von zwei Prozentpunkten erarbeiten. Bereits für das Fiskaljahr 2015/16 prognostiziert die indische Zentralbank (RBI) eine Wachstumsbeschleunigung auf 7,8 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent.

Starkes Wirtschaftswachstum, niedrige Zinsen, Reformen und hohe Investitionen in die Infrastruktur - kein Wunder, dass sich Anlagestrategen zunehmend Chancen am indischen Aktienmarkt sehen. Der jüngste Kursrücksetzer könnte sich dabei als günstige Einstiegsgelegenheit entpuppen. Inmitten der weltweiten Börsenturbulenzen gaben auch die Kurse indischer Aktien um rund zehn Prozent nach.

Inzwischen ist der Markt jedoch schon wieder im Erholungs-Modus. Bis zum dem Hoch vom Frühjahr fehlen dem indischen Leitindex Sensex 30 allerdings noch immer rund zehn Prozent. Fast erreicht ist jedoch schon wieder die im August durchbrochene 200-Tage-Linie. Gelingt jetzt der Sprung über diese Hürde, dürfte es aus charttechnischer Sicht wohl noch ein gutes Stück weiter nach oben gehen.

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Der beste Indien-ETF



In den Sensex-Index können Anleger jedoch nicht mit ETFs investieren. Das in Deutschland verfügbare Angebot an Indien-ETFs beschränkt sich auf vier Aktien-ETF. Drei dieser ETF basieren auf dem MSCI-Indien-Index, ein ETF basiert auf dem 50 Werte umfassenden S&P CNX Nifty Index. Alle vier ETFs replizieren den Index synthetisch und gehören mit jährlichen Kosten von 0,75 bis 0,85 Prozent pro Jahr zu den teuersten Aktien-ETFs.

Dennoch sind trotz dieser Preise alle vier ETFs noch wesentlich günstiger als traditionelle, aktiv verwaltete Fonds. Doch welchen Indien-ETF sollten Anleger wählen? Am meisten Liquidität und die geringsten Handelsspannen verspricht leider der teuerste Indien-ETF, der Lyxor MSCI India ETF (FR0010361683). Er kostet pro Jahr 0,85 Prozent der Anlagesumme, verfügt aber mit rund 1,5 Milliarden Euro über das bei weitem größte Fondsvermögen.

Als Faustregel gilt: Je höher das Fondsvermögen, desto enger liegen in der Regel die An- und Verkaufspreise der Market Maker beieinander. Anleger haben also gute Aussichten, die leicht höheren Verwaltungsgebühren durch bessere Ein- und Verkaufspreise wieder wettzumachen. Zudem zeigt auch das Liquiditätsmaß XLM der Deutschen Börse, dass der Lyxor-ETF der liquideste ETF für indische Aktien zu sein scheint.

Im MSCI-India-Index, den der Lyxor MSCI India ETF abbildet, sind aktuell rund 70 Unternehmen mit großer und mittlerer Marktkapitalisierung enthalten. Nach Angaben des Indexanbieters MSCI repräsentieren sie 85 Prozent der Gesamtkapitalisierung des indischen Aktienmarkts. Dominiert wird der Index von Unternehmen aus der Informationstechnologie (23 Prozent Anteil), doch auch viele andere Branchen sind gut vertreten. Die größten Anteile belegen Finanzwerte (17%), Gesundheitswesen (14%), Basiskonsumgüter (11 %) und Energiewerte mit neun Prozent.

Lyxor MSCI India ETF

ISIN: FR0010361683

Gesamtkostenquote (TER): 0,85 Prozent

Replikationsmethode: synthetisch

Gewinnverwendung: thesaurierend