Die USA nähern sich mit Riesenschritten der Vollbeschäftigung. Im Februar entstanden 295.000 neue Stellen und damit 55.000 mehr als von Experten erwartet, berichtet das US-Arbeitsministerium am Freitag. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,5 Prozent und ist damit so niedrig wie seit Mai 2008 nicht mehr. Einen solchen Aufschwung hat es am US-Arbeitsmarkt seit 20 Jahren nicht mehr gegeben. Die Kehrseite aus Anlegersicht: Eine Zinserhöhung in den USA rückt immer näher. Die US-Notenbank hat in der Vergangenheit mehrfach klargemacht, dass sie ihre Geldpolitik straffen will, wenn sich US-Arbeitsmarkt und Wirtschaft nachhaltig erholen. Nach den jüngsten Daten könnte jetzt bereits für Juni - eher als erwartet - eine Zinserhöhung anstehen, befürchten Marktteilnehmer.

Führende US-Notenbanker stimmen die Märkte schon einmal auf dieses Szenario ein. Bis Mitte des Jahres sei es an der Zeit, ernsthaft darüber zu diskutieren, mit der Zinserhöhung zu beginnen, sagte am Donnerstag John Williams, der Chef der Federal Reserve Bank von San Francisco, in einer Rede in Hawaii. Warte man zulange, bestehe die Gefahr, dass man bei der Inflation "drastisch" über das Ziel hinausschießen könne. Sei die US-Notenbank Fed gezwungen, die Zinsen dramatisch anzuheben. Die US-Notenbank hält den Leitzins seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

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Chancen in Europa

Ganz anders bleibt dagegen das Bild im Euroraum. Hierzulande kommt die Konjunktur nicht so schnell in Schwung wie erhofft. Das zeigte gerade einmal wieder die jüngste Entwicklung verschiedener Konjunktur-Frühindikatoren, etwa der stagnierende Einkaufsmanager-Index. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat deshalb zu Beginn dieser Woche ihr bereits im Januar angekündigtes Anleihen-Aufkaufprogramm gestartet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Januar beschlossen, mindestens bis Ende 2016 monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro zu kaufen. "Wir haben bereits eine erhebliche Anzahl von positiven Auswirkungen dieser geldpolitischen Entscheidungen gesehen", warb Draghi vergangene Woche nach der EZB-Sitzung in Zypern erneut für sein vor allem in Deutschland umstrittenes Kauf-Programm. Die Kreditbedingungen für Unternehmen und Haushalte hätten sich schon erheblich verbessert.

Hinter dem Aufkaufprogramm steht die Strategie, Banken zum Verkauf ihrer Anleihenbestände zu animieren, weil durch die EZB-Käufe die Renditen sinken. Um Geld zu verdienen sollen die Banken stattdessen nach dem Willen der EZB künftig wieder mehr Kredite vergeben, was der Wirtschaft zugute käme.

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Sinkende Renditen führen zu Kursgewinnen

Zumindest der erste Teil des Plans scheint bereits zu funktionieren. Allein die Ankündigung des Aufkaufprogramms hatte in den vergangenen Wochen viele Anleihen auf neue Tiefststände gedrückt. Jetzt scheint sich diese Entwicklung fortzusetzen. Bereits am ersten Tag der EZB-Anleihenkäufe ging es mit den Renditen am Rentenmarkt munter bergab: Die zehnjährigen Anleihen Italiens, Spaniens und Irlands markierten am Dienstag ein frisches Rekordtief. Sie warfen zeitweise nur noch 1,224, 1,173 und 0,799 Prozent Rendite ab. Auch die zehnjährigen Bundesanleihen fielen um zwei Basispunkte auf 0,288 Prozent.

Mit ihrem Aufkaufprogramm wird die EZB jetzt der wichtigste Käufer am europäischen Anleihenmarkt. Die EZB-Nachfrage dürfte denn auch die Anleihenkurse im Euroraum bis auf weiteres unterstützen. Einige Analysten befürchten aufgrund der EZB-Käufe bereits eine Verknappung des Angebots, vor allem bei Bundesanleihen. Hintergrund der Sorge: Banken und Versicherungen könnten an ihren Bundesanleihen festhalten, weil sie diese als Sicherheiten in ihrer Bilanz brauchen.

Bei den etwas höher rentierenden Unternehmensanleihen dürften die Renditen ebenfalls im Abwärtstrend bleiben. Dort ist bereits eine Verknappung am Markt zu registrieren, weil die Netto-Neuemissionen für Euro-Unternehmensanleihen mit hoher Bonität (Investment-Grade) rückläufig sind. Auch bei den Unternehmensanleihen dürfte deshalb noch Spielraum für steigende Kurse bestehen. Zahlreiche europäische Anleger, die bislang in US-Anleihen investierten, könnten in den kommenden Monaten nun ihr Geld zurück in die Heimat holen. Noch entschädigen Wechselkurs-Gewinne des Dollars für die bereits eingesetzten Kursverluste bei den amerikanischen Anleihen. Doch wer weiß, wie lange der Höhenflug des Dollars noch anhält. Aus technischer Sicht erscheint die US-Währung derzeit bereits überkauft, was zumindest für eine zwischenzeitliche Korrektur spricht.

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Ein ETF für den europäischen Anleihenmarkt

Anleger, die sich gar nicht erst auf Währungsspekulationen einlassen wollen, dürfen deshalb gerne zu Eurozone-Anleihen greifen. Diese dürften bis auf weiteres Stabilität ins Portfolio bringen und positive Erträge abwerfen. Mit dem richtigen börsennotierten Indexfonds (ETF) können Anleger schnell eine gut diversifizierte Anleihenposition aufbauen.

So repräsentiert etwa der iShares Euro Aggregate Bond UCITS ETF (ISIN: DE000A0RM447) den gesamten Anleihenmarkt der Eurozone. Der bereits vor sechs Jahren aufgelegte ETF enthält Staats- und Unternehmensanleihen aus neun Ländern der Eurozone sowie einige in Euro notierende Anleihen aus den USA, Großbritannien und von supra-nationalen Organisationen. Mehr als 2000 einzelne Papiere finden sich dadurch im fast zwei Milliarden Euro schweren ETF-Portfolio.

Mit rund 22 Prozent stellen dabei Anleihen aus Frankreich die größte Gruppe, gefolgt von Papieren aus Deutschland mit 18 Prozent sowie aus Italien mit 17 Prozent. Spanische Wertpapiere sind mit elf Prozent vertreten.

Unter den Anleihen im Fondsportfolio finden sich Papiere mit allen Restlaufzeiten, wobei jedoch rund 60 Prozent der Anleihen im Restlaufzeitenbereich von drei bis zehn Jahren liegen. Etwa 20 Prozent der Anleihen haben längere Laufzeiten, ebenfalls 20 Prozent werden in weniger als drei Jahren fällig. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen im iShares Euro Aggregate Bond UCITS ETF beträgt 7,7 Jahre.

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Hohe Bonität

Nur etwa 20 Prozent der Anleihen kommen dabei von Unternehmen. Dementsprechend sieht auch die Verteilung der Bonitäten aus. Ein Drittel der Anleihen hat ein BBB Rating und liegt damit am unteren Rand des sogenannten Investment Grade. Damit werden Anleihen mit gut bis sehr guter Bonität bezeichnet. 27 Prozent der Anleihen haben dagegen das höchste Rating AAA, weitere 30 Prozent liegen eine Note tiefer bei AA. Ausfälle einzelner Anleihen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit der Emittenten müssen Anleger bei diesem ETF also nicht befürchten.

Anfallende Zinsen schüttet der iShares Euro Aggregate Bond UCITS ETF übrigens regelmäßig aus. Die durchschnittliche Rendite der Anleihen bis zu ihrem Laufzeitende liegt derzeit allerdings nur bei 0,6 Prozent. Das ist nicht sehr viel, läßt aber noch Platz für einen weiteren Renditerückgang und damit für weitere Kursgewinne.

Ganz so hoch wie im vergangenen Jahr dürften diese aber wohl nicht mehr ausfallen. 2014 glänzte der ETF mit einer Gesamtrendite von rund elf Prozent. Dennoch hat dieser Fonds jetzt durchaus einen Platz in einem gut strukturierten Wertpapierportfolio verdient.

iShares Euro Aggregate Bond UCITS ETF

ISIN: DE000A0RM447

Gesamtkostenquote (TER): 0,25 % pro Jahr