Anleger, die Finanznachrichten verfolgen, kennen Folker Hellmeyer. Der Chefanalyst der Bremer Landesbank wird oft zitiert. Nicht selten stehen seine Markteinschätzungen im Gegensatz zu dem, was offizielle Statistiken behaupten und Mainstream-Experten daraus ableiten. So beziffert das US-Bureau of Labour Statistics die Arbeitslosenquote in den USA derzeit auf nur noch fünf Prozent. Ein klares Zeichen dafür, dass die USA auf dem Weg zur Vollbeschäftigung sind? Hellmeyer ist mehr als skeptisch: "Die Arbeitslosenquote ist getunt. Zählt man die hinzu, die nicht mehr aktiv nach einem Job suchen, kommt man auf 20 Prozent." Auch die offiziell ausgewiesenen US-Wachstumsraten hätten mehr mit Kreativität als mit Realität zu tun. Sein Urteil: "Die USA flirten derzeit mit einer Rezession."

Im BLB Global Opportunities sucht man US-Werte daher vergebens. Der im Januar aufgelegte Fonds nutzt Hellmeyers makroökonomisches Know-how. Thorsten Müller und vier weitere Anlageprofis finden und gewichten die dazu passenden Investments. Das Team ist an keine Benchmark gebunden, es darf sich in Aktien, Renten, Rohstoffen oder Währungen zwischen null und 100 Prozent engagieren. Für jede Anlageklasse kann der Fonds auch Short-Positionen eingehen. "Diese Flexibilität ist für uns notwendige Voraussetzung, um auf die neuen Realitäten an den Finanzmärkten erfolgreich reagieren zu können", sagt Müller. Zu diesen neuen Realitäten zählt er eine deutliche Zunahme der Korrelation zwischen den jeweiligen Anlageklassen. "Im Gegensatz zu früher können mittlerweile Aktien, Anleihen und Rohstoffe gleichzeitig in den Keller gehen." Auch habe die Schwankungsintensität zugenommen. Und es komme vermehrt zu Phasen, in denen die Politik die Märkte treibe.

Schwellenländer werden überraschen



Aktuell ist der 18 Millionen Euro schwere Fonds zu 70 Prozent in Aktien investiert, rund 60 Prozent entfallen auf Europa. Gespielt wird das Europa-Thema über Exchange Traded Funds, Zertifikate und Einzelwerte wie etwa L’Oréal oder Deutsche Wohnen. "Die Konjunkturdaten fallen für Europa wesentlich besser aus als für die USA", begründet Müller die im Vergleich zum MSCI World deutliche Übergewichtung Europas. Auch seien die Bewertungen wesentlich günstiger. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt mittels 50 unterschiedlichen Kriterien wie den Gewinnaussichten, aber auch dem Sentiment.

Zehn Prozent der Mittel hat der BLB Global Opportunities in China und Russland angelegt. Hellmeyer rechnet in beiden Ländern im zweiten Halbjahr mit guten Nachrichten. So könnten die westlichen Sanktionen gegen Russland gelockert werden, was die Moskauer Börse beflügeln dürfte.

Noch optimistischer sieht Hellmeyer nach den zuletzt überraschend positiv ausgefallenen Einkaufsmanagerindizes das Reich der Mitte. Aus dem Seidenstraßenprojekt Chinas ergäben sich langfristige Chancen. Die zu Hellmeyers Einschätzungen passenden Investmentvehikel sind wiederum für Manager Müller die Aktienfonds Parvest Equity Russia Opportunities und Gam Star China Equity. Da Chinas Infrastrukturinvestitionen zu einer verstärkten Nachfrage nach Öl und Eisenerz führen dürften, haben Hellmeyer und Müller gemeinsam entschieden, den Rohstoffanteil hochzufahren.

Hellmeyer und das Team um Müller haben gleichberechtigte Stimmverhältnisse. Jeder verfügt über ein Vetorecht, davon aber dürften sie wenig Gebrauch machen.