Unter "Avantgarde" versteht man in Kunst und Literatur Fortschritt und Kreativität. Anko Beldsnijder nutzt den Begriff, um seine Anlagephilosophie zu verdeutlichen. Der Holländer sucht europaweit nach Unternehmen, die auf dem Weg sind, überlegene Geschäftsmodelle zu entwickeln, beziehungsweise es bereits geschafft haben. "Die Firmen übernehmen in ihren Branchen oft eine Vorreiterrolle und können daher höhere Margen und höhere Gewinne als die Konkurrenz erzielen", sagt Beldsnijder. Dank ihrer starken Marktstellung seien die Unternehmen meist auch unabhängiger von konjunkturellen Entwicklungen.

Zu diesen Avantgardefirmen zählt Beldsnijder etwa Flow Traders. Das IT-Unternehmen nutzt mittlerweile an über 90 Börsenplätzen geringfügige Kursabweichungen zum An- und Verkauf von Exchange-Traded-Produkten. Im dritten Quartal 2015 stiegen die Gewinne des Unternehmens um rund 30 Prozent auf 92,4 Millionen Dollar. Das starke Interesse an börsengehandelten Indexprodukten sorge für anhaltend gute Perspektiven, meint Beldsnijder. Permanente Innovation, das sei auch der Grund, warum das Gesundheitsunternehmen Novo Nordisk seit Jahren den stark wachsenden Markt für Diabetesmedikamente dominiere.

In Europa gibt es rund 250 Unternehmen, die für Qualität , aber auch für Wachstum stehen. Aus diesen "Quality-Growth- Werten" wählt Beldsnijder etwa 50 für sein Portfolio aus. Zu den Top Ten zählt beispielsweise das dänische Schmuckunternehmen Pandora. Das im Jahr 2000 entwickelte Charm-Armband-Konzept stößt weiterhin auf starke Nachfrage. Auch bei Greencore sieht der Fondsmanager nachhaltige Chancen. Das britische Unternehmen produziert vier Millionen Sandwiches pro Woche für Supermärkte und Kaffeeläden. Neue Wachstumschancen eröffnen sich für Greencore auf dem US-Markt.

Um Quality-Growth-Unternehmen zu identifizieren, nutzt Beldsnijder, der den Fonds zunächst für MainFirst managte, seit Januar aber für Fidecum verantwortet, verschiedene Filter. Einige sind ungewöhnlich und unterscheiden sich vom Auswahlverfahren anderer Investmentprofis. Beispielsweise sieht sich Beldsnijder die Vergütung der Firmenbosse an. Exorbitante Gehälter gefallen ihm nicht. "Die Entlohnung sollte vielmehr Anreiz für das Management sein, den Unternehmenswert zu steigern."

Auch einer allzu üppigen Dividenden-politik steht er skeptisch gegenüber. Besser sei es, wenn das Geld in Innovation und Wachstum investiert werde. Ob sich ein Unternehmen als Investmentkandidat qualifiziert, macht Beldsnijder aber auch vom Einsatz moderner Informationstechnologie abhängig: "Das verschafft den Firmen enorme Wettbewerbsvorteile." Bislang lag Beldsnijder mit seinen Entscheidungen richtig. Auf Sicht von drei Jahren schaffte der Fonds 38 Prozent, der Stoxx Europe 600 bringt es nur auf 25 Prozent.

Höheres Kurspotenzial



Den jüngsten Börsenturbulenzen konnte sich aber auch der als Long-only-Fonds konzipierte Fidecum avant-garde nicht entziehen. Neben Sorgen um das globale Wachstum führt Beldsnijder die aktuell hohe Volatilität auch auf den wachsenden Einfluss von Multi-Asset-Fonds und Total-Return-Produkten zurück. Nachdem die negativen Renditen das gesamte Risikokapital für dieses Jahr aufgebraucht haben, hätten viele dieser Fonds ihre Portfolios abgesichert und somit den Abwärtstrend verstärkt.

Beldsnijder rechnet jedoch mit einem baldigen Abschluss der Hedging-Phase. Von der dann einsetzenden Erholung sollte der Fonds besonders profitieren. Seine Quality-Growth-Unternehmen wiesen im Vergleich zu rein defensiven Qualitäts-aktien wie etwa Unilever oder Nestlé wesentlich günstigere Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf, so sein Argument. Auch die Ertragsaussichten fielen besser aus. "Das durchschnittlich erwartete Gewinnwachstum pro Aktie unserer Quality-Growth-Unternehmen beträgt 13 Prozent." Defensive Qualitätsunternehmen erreichten dagegen nur durchschnittlich 6,9 Prozent. Damit sei das Kurspotenzial der Quality-Growth-Titel deutlich höher. Vom Aufschwung würde Beldsnijder auch persönlich profitieren: Er ist mit seinem eigenen Kapital im Fonds stark investiert.