Die Bilanz des Niederländers Anko Beldsnijder kann sich sehen lassen. Er hat mit dem Fidecum avant-garde Stock Fund in den vergangenen drei Jahren die Benchmark, den Index Stoxx Europe 600 TR, um gut 25 Prozentpunkte geschlagen: Das Börsenbarometer stieg in diesem Zeitraum um 34 Prozent. Der Fonds erzielte ein Plus von rund 60 Prozent. Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten waren es etwa 28 Prozent.

Beldsnijder setzt dazu auf den sogenannten "Quality-GARP"-Ansatz: "Quality Growth at a Reasonable Price", qualitatives Wachstum zu einem angemessenen Preis. Im Gegensatz zu reinen "Quality"-Anlegern achte er auf das Gewinnwachstum der Unternehmen, betont er. Genau das sei der Kurstreiber der Aktien im Fidecum-Fonds: Der Wert der Papiere nimmt durch die steigenden Gewinne der Firmen zu - damit bleiben die Bewertungen stabil auf einem niedrigen Niveau. Im Portfolio hält er somit Unternehmen, die im Vergleich zu ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hohe Erwartungen an das Gewinnwachstum aufweisen. Beldsnijder: "Gewinnwachstum ist der neue Zins."

Digitale Wirtschaft im Fokus



Der Fondsmanager sucht nach Firmen, die von der Digitalisierung profitieren. "Der Umgang mit IT wird immer wichtiger." Ein Beispiel dafür ist der Halbleiterhersteller STMicroelectronics. Das Unternehmen habe etwa durch das autonome Fahren großes Wachstumspotenzial, sagt er. Die Aktie sei mit einem 2017er-KGV von zwölf günstig bewertet. Zum Vergleich: Beim Konkurrenten Infineon liegt dieser Wert etwa doppelt so hoch. STMicro habe ein ähnliches Geschäftsmodell und ähnliche Kunden wie der DAX-Konzern, werde aber noch mit einem deutlichen Abschlag gehandelt, betont Beldsnijder. Beim operativen Gewinn (Ebit) erwartet er sogar eine Steigerung um 174 Prozent.

Auch die Lufthansa-Aktie passt in sein Beuteschema. Die Airline könne - etwa durch verbesserte Buchungssysteme und die Analyse von Kreditkartendaten - die Angebote und die Preise direkt auf die Kunden zuschneiden. Dadurch steige die Marge. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kurs der Aktie bereits um mehr als 150 Prozent gestiegen. Value-Investoren würden jetzt aussteigen, glaubt er. Das Papier sei mit einem 2017er-KGV von 6,7 aber noch immer relativ günstig. Durch die Digitalisierung ergebe sich noch weiteres Potenzial. "Man muss nicht Amazon mit einem KGV über 250 kaufen."

Klassische Qualitätsaktien wie L’Oréal hält Beldsnijder nicht im Portfolio. Solche Aktien seien mit KGVs von weit über 20 sehr hoch bewertet. Er erwartet, dass Umsatz und Gewinn bei L’Oréal nur noch langsam wachsen werden. Dadurch könnten sich die Papiere schlechter entwickeln als der Gesamtmarkt.

Gut und günstig



Im Portfolio befinden sich derzeit insgesamt 51 Einzelwerte. Zu den größten Positionen zählen unter anderem das Technologieunternehmen Asetek und der Pharmakonzern Novo Nordisk, beide aus Dänemark. Mehr als die Hälfte der Werte stammt allerdings aus der Eurozone. Seine bevorzugten Branchen sind aktuell Technologie (rund 24 Prozent), Industrie (20 Prozent) und Gesundheit (16 Prozent). Das 2017er-KGV der Papiere im Fonds liegt im Durchschnitt bei 19, das langfristig geschätzte Gewinnwachstum nach eigenen Berechnungen ebenfalls bei 19 Prozent. Damit liegt er in der Kennzahl PEG (Price/Earnings to Growth; zu Deutsch: KGV zu Gewinnwachstum) klar vor der Konkurrenz. In der Morningstar-Kategorie "Aktien Europa Standardwerte Growth" betragen diese Werte 21 und neun. Die Unternehmen im Fidecum-Fonds sind demnach günstiger und deutlich wachstumsstärker.

Beldsnijder lancierte den avant-garde Stock Fund bereits im April 2004 bei Mainfirst. Seit 2012 managt der Niederländer ihn gemeinsam mit Richard Burkhardt, seit Januar 2016 für Fidecum. Zuvor war er Fondsmanager für europäische Aktien bei der Credit Suisse, ABN Amro und Griffin.