Es hatte so gut angefangen. Mitte November gab die Alte Leipziger als erster Lebensversicherer bekannt, welche Rendite er Neukunden für 2016 bietet - dieselbe wie im Jahr zuvor, nämlich 3,05 Prozent. Mittlerweile haben auch fast alle Konkurrenten ihre Zahlen veröffentlicht. Neben der Alten Leipziger haben aber nur drei Anbieter die laufende Verzinsung konstant gehalten. Alle anderen gingen nach unten. Das zeigt eine Auswertung von BÖRSE ONLINE, die 63 Unternehmen mit weit mehr als 90 Prozent der Marktabdeckung umfasst.

Demnach erhalten Kunden so wenig wie nie zuvor. Im Schnitt sind es 2,84 Prozent, im Vorjahr gab es noch 3,18 Prozent. Auch das war schon ein Rekordtief. Alle Werte gelten für neu abgeschlossene, ungeförderte Kapitallebens- und private Rentenversicherungen mit Garantiezins und laufender Beitragszahlung. Hintergrund des Niedergangs: Weil sie jedes Jahr zumindest den Garantiezins erwirtschaften muss, investiert die Assekuranz den Großteil des Kundengelds in Anleihen. Deren Renditen sinken jedoch stetig und haben im vergangenen Jahr neue Rekordtiefs markiert.

Verschärft wird die Lage durch die Tatsache, dass für ältere Verträge teilweise hohe Garantiezinsen gelten. So bekommt derjenige zumeist vier Prozent, der zwischen Mitte 1994 und Mitte 2000 unterschrieben hat. Um diese Ausschüttungen auch langfristig darstellen zu können, müssen die Versicherer eine Zinszusatzreserve bilden. Sie wächst stetig und schmälert das ohnehin schon schrumpfende Guthaben der Neukunden. Umgekehrt bedeuten die mageren Ergebnisse der Kapitalanlage für viele Altkunden, dass nicht mehr als der Garantiezins drin ist. Weiterhin wichtig: Sämtliche Prozentzahlen zeigen die sogenannte laufende Verzinsung und beziehen sich auf den Sparanteil, also Einzahlungen minus Kosten. Nach groben Schätzungen beträgt dieser Anteil - je nach Anbieter, Laufzeit und Vertragstyp - nur rund 75 bis 90 Prozent der Beiträge. Die laufende Verzinsung wird manchmal auch als Überschussbeteiligung bezeichnet. Sie ist, einmal definiert, für dieses Jahr verbindlich.

Bei allen Anbietern kommen noch unverbindliche Zusagen hinzu, etwa Schlussüberschussanteile. Für Kontrakte, die in einem bestimmten Jahr auslaufen, gibt es außerdem bei vielen Versicherern eine Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven. Diese entstehen, wenn Investments über ihrem Kaufpreis notieren.

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Auch für neuartige Kontrakte wichtig



Die Überschussbeteiligungen sind auch für eine Reihe neuartiger Policen relevant, die nicht mehr dem klassischen Garantiezins unterworfen sind. So zahlt die Allianz für ihre Produkt-linie "Perspektive" aktuell einen Aufschlag von 0,3 Prozentpunkten auf den laufenden Zins für Garantieprodukte.

Zurück zur Statistik: Unter den zehn größten Versicherern führen Allianz, AXA und Debeka mit 3,1 Prozent. Ganz hinten bei den Großen liegt Generali mit 2,25 Prozent, gefolgt von Zurich Deutscher Herold mit 2,3 Prozent.

Nun sind selbst die Zahlen der Nachzügler in heutigen Zeiten hervorragende Werte, auch wenn sie sich nur auf den Sparanteil beziehen. Sogar beim besten Anbieter von Festgeld mit einem Jahr Laufzeit, der Lease Plan Bank, sind gerade einmal 1,4 Prozent zu holen.

Sollte man also derzeit eine Kapitallebens- oder private Rentenpolice abschließen? Eher nicht. Wichtigstes Gegenargument ist die Zinszusatzreserve, die immer weiter steigen und die Renditen für Neuverträge auf Jahre belasten wird. Zudem legt man sich mit solchen Kontrakten extrem lange fest, Kündigungen sind verlustreich. Attraktiv sind allenfalls die staatlich geförderten Verträge à la Riester, Rürup und die betriebliche Altersvorsorge - wegen teilweise ansehnlicher Subventionen, falls die persönliche Situation zur Förderart passt. Außerdem sind Renten gegen Einmalzahlung für all jene überlegenswert, die eine größere Summe auf einen Schlag investieren und in eine Rente verwandeln wollen, die garantiert bis ans Lebensende reicht.

Generell gilt: Wer eine Police abschließen will, sollte die Anbieter penibel auswählen, beispielsweise anhand historischer Renditen. Laut einer Auswertung des Branchendiensts "Map-Report" liegen bei Policen mit zwölf Jahren Laufzeit Debeka, WGV und Interrisk vorn. Bei 20 und 30 Jahren sind es Europa, Debeka und Cosmos Direkt.