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Drei Robo-Advisors im Vergleich - Was die digitalen Anlageberater taugen

Drei Robo-Advisors im Vergleich - Was die digitalen Anlageberater taugen

WKN: 542800 ISIN: DE0005428007 comdirect bank AG

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23.08.2016 - 17:59
01.02.2016 07:21:00

Digitale Anlageberater, sogenannte Robo-Advisors, sollen helfen, Portfolios zusammenzustellen. Das lohnt sich bislang nur für erfahrene Anleger. Ein Überblick. Von Brigitte Watermann

Anlagetipps vom automatisierten Internetberater - auf gut Englisch Robo-Advisor, sind in den USA bereits Alltag. Nun kommt das Thema hierzulande in Mode. Bislang tummeln sich auf diesem Feld vor allem Anbieter wie Vaamo, Ginmon, justETF oder Quirion. Aber auch Onlinebroker wie Comdirect oder Consorsbank haben Angebote. Nun will auch die Deutsche Bank mitmischen und hat auf ihrer Brokerage-Plattform Maxblue den "AnlageFinder" an den Start geschickt.

"Einfach und bequem zu Ihrer Anlage mit Fonds und ETFs" stellt das Programm in Aussicht. Wer das ausprobieren möchte, muss einen "Nutzungshinweis" durchlesen. Damit wollen die Juristen der Bank zeigen, dass es sich bei AnlageFinder nicht um Beratung im rechtlichen Sinne handelt und Anleger auch nicht gegen die Vorschläge des Programms klagen können. Im ersten Schritt kann sich der Nutzer entscheiden, ob er einen Einmalbetrag (ab 2500 Euro) anlegen oder einen Sparplan (ab 50 Euro monatlich) abschließen möchte. Dann gibt er die Anlagesumme, sein Alter und die Dauer der geplanten Anlage ein. Anschließend wird er aufgefordert, seine Risikobereitschaft zu beschreiben. Zur Auswahl stehen drei holzschnittartige Profile - konservativ, ausgewogen und wachstumsorientiert. Wer hier nicht recht weiß, wie er sich einstufen soll, hat es nicht leicht.

Was ist mit dem Risiko?



Die eigene Einstellung zu Risiken im Verhältnis zu möglichen Renditechancen und die Fähigkeit, Risiken finanziell zu tragen, gilt laut Verbraucherschützern als sehr anspruchsvoll. "Ich frage mich, durch welche Qualitäts-sicherung dieses Tool gegangen ist", kritisiert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, den AnlageFinder.

Wer nun das Profil "wachstumsorientiert" wählt, erhält eine Portfoliostruktur angezeigt. Im nächsten Schritt muss angegeben werden, welche Aspekte einem bei den Produkten wichtig sind - Ratings, laufende Kosten oder die jährliche Wertentwicklung. Allerdings sagen weder die Wertentwicklung der Vergangenheit noch -Ratings etwas über die Zukunft aus. Einzig die laufenden Kosten sind gewiss. Schließlich erhält der Kunde mögliche Wertpapiere für sein Depot angezeigt und kann sich aus den Kategorien einzelne Fonds oder ETFs aussuchen - weitere Hilfestellung gibt es hier nicht. Das Programm achtet nicht darauf, dass das Portfolio breit streut. Anschließend geht es bei Bedarf zur Ordererteilung. Noch läuft das nicht voll digital, der Auftrag muss noch per Post an Maxblue geschickt werden.

"Das ist nichts anderes als ein Verkaufstool", so das Fazit von Verbraucherschützer Nauhauser. "Es geht hier nur darum, dass Verbraucher irgendwelche Produkte kaufen - das läuft im Grunde nicht besser oder schlechter ab als am Bankschalter. Das Kundeninteresse spielt dabei keine Rolle."

Für die Deutsche Bank ist der Anlage-Finder aber noch nicht fertig entwickelt: "Künftig können wir weitere Daten, die uns Kunden zur Verfügung stellen - etwa zur Vermögenssituation - zu einer umfassenden Risikoanalyse und darauf basierend zu einer Portfoliooptimierung in die Anlagevorschläge einfließen lassen", erläutert Maxblue-Leiter Jürgen von der Lehr.

Bei Comdirect heißt das Robo-Advisor-Tool "Anlageassistent". Es greift ab einer Einmalanlage von 3000 Euro, ein Sparplan ist ab 100 Euro möglich. Auch hier werden Anlagesumme, Anlagezeitraum und Risikoneigung (hoch, mittel, gering) abgefragt. Nutzer können sich entscheiden zwischen einem Fertigpaket aus ETFs, einem Fertigpaket mit Managed Fonds und einem individuellen Fondsmix. Wer Ersteres wählt, erhält immerhin breit gestreute ETFs angeboten, allerdings nicht gleich auf Anhieb einen Überblick über die damit verbundenen Kosten. Wer bereits Kunde ist, kann direkt aus dem Prozess heraus per Sammelorder die gesamte Anlagestruktur, bestehend aus bis zu neun Fonds und ETFs, umsetzen. Nichtkunden können unmittelbar ein Depot eröffnen mit gleichzeitigem Wertpapierkauf.

Bei der Consorsbank heißt das Tool "Anlageplaner". Wer eine Anlagesumme und eine Risikoeinstellung angegeben hat, bekommt Aktienfonds ausgeworfen. Kostengünstigere ETFs stehen nicht auf Anhieb zur Verfügung. Eine Anlagestrategie gibt der Planer nicht aus - insgesamt erscheint er gröber und simpler gestrickt als die beiden Angebote der Konkurrenz.

Nach dem Vergleich der drei Tools wird deutlich, dass sie für Kunden, die sich bereits mit Geldanlagen etwas auskennen, Anregungen bieten können - nicht mehr.


Bildquelle: Julian Mezger

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