"Die Wirtschaft setzt ihren Höhenflug fort." Ökonomen hatten einen leichten Rückgang erwartet, doch beurteilten die Führungskräften ihre derzeitige Geschäftslage und auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als zuvor.



Experten sehen dafür vor allem drei Gründe: "Die niedrigen Zinsen, den fallenden Ölpreis und den zum US-Dollar unterbewerteten Euro", zählte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert auf. "Solange diese Faktoren wirken, dürfte sich an der Konjunkturdynamik in Deutschland wenig ändern." Das Zinstief befeuert vor allem den Bauboom, während günstige Energiepreise die Kaufkraft der Verbraucher stützen und der schwächelnde Euro deutsche Waren in Übersee billiger macht. Risiken wie der geplante EU-Austritt Großbritanniens oder eine erratische Politik der USA würden derzeit ausgeblendet. "Mittelfristig droht sogar eine Überhitzung", warnte Burkert.

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe nennt noch einen weiteren Faktor hinter der guten Laune. "Die Konjunktur im Euroraum hellt sich auf", sagte er angesichts der Erholung in Ländern wie Frankreich und Spanien. In die Währungsunion gehen etwa 37 Prozent der deutschen Exporte. Der Bundestagswahl im September würden die Top-Manager derzeit gelassen entgegen sehen. "Das spielt im Moment noch keine Rolle", sagte Wohlrabe. Das könne sich aber im Sommer ändern - vor allem, wenn mit einem knappen Wahlausgang gerechnet werde.

"LEBHAFTE INDUSTRIEKONJUNKTUR"



Eine kurzfristige Wende zum Schlechteren erwarten die meisten Experten nicht. "Die Party geht weiter", betonte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Das Fest wird immer rauschender, und die Stimmung schaukelt sich auf." Das werde sich irgendwann korrigieren. "Dann sollten wir bitte nicht den Fehler machen, dies als den Weg in die nächste Rezession zu interpretieren", betonte Scheuerle. Auch die Commerzbank warnt vor Rückschlägen. "So hat der Euro in den vergangenen Wochen etwas zugelegt", sagte Experte Ralph Solveen. "Zudem scheint die Weltwirtschaft etwas an Fahrt zu verlieren."

Die Bundesbank ist optimistisch für die deutsche Wirtschaft gestimmt, die im zu Ende gehenden zweiten Quartal erneut kräftig wachsen dürfte. "Getragen wird die Aufwärtsbewegung derzeit vor allem von der lebhaften Industriekonjunktur, die nicht nur aus dem Inland, sondern auch aus dem Ausland wichtige Impulse erhält", schrieb sie in ihrem Monatsbericht. Bereits im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt mit 0,6 Prozent kräftiger als die meisten anderen Industrienationen.

Die Stimmung verbesserte sich der Ifo-Umfrage zufolge vor allem im Verarbeitenden Gewerbe. "Die Nachfrage und der Auftragsbestand entwickelten sich sehr gut", erklärte Ifo-Chef Fuest. Auch im Groß- und Einzelhandel zeigte das Barometer nach oben. Dagegen ging es in der Baubranche auf hohem Niveau leicht nach unten. "Aufgrund der sehr guten Auftragslage ist zu erwarten, dass die Preise für Bauleistungen steigen", sagte Fuest.

Viele Institute hoben zuletzt ihre Prognosen an. Die Ifo-Forscher korrigierten ihre Wachstumsschätzung für 2017 von 1,5 auf 1,8 Prozent und für 2018 von 1,8 auf 2,0 Prozent. Die Bundesregierung geht dagegen nur von 1,5 und 1,6 Prozent aus.