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STANDPUNKTE

Die gute Nachricht und das böse Erwachen

14.03.2016 07:31:00

"News-Trading" oder das "Handeln von Nachrichten" erfreut sich bei privaten Anlegern großer Beliebtheit. Doch oft haben sie gegenüber den Investmentprofis das Nachsehen. Von Jens Klatt

Wirtschaftsnachrichten wie der monatliche US-Arbeitsmarktbericht oder die Sitzungen der Notenbanken gelten als wichtige Indikatoren für die Entwicklung der Börsenkurse. In vielen Medien werden sie bereits Wochen vor ihrer Bekanntgabe heiß diskutiert. Gilt eine Nachricht als richtungsweisend, so beobachtet man häufig größere Kursausschläge zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Genau hierin liegt der Reiz: Kurzfristige starke Kurssprünge versprechen einen schnellen Gewinn innerhalb weniger Minuten. Aus Renditeperspektive erscheint es nur logisch, gerade diese Ausschläge im Markt zu handeln. Versuchen nicht auch Surfer stets die größte Welle zu erwischen, um sich mit ihrem sportlichen Können zu brüsten?

Was diese Analogie allerdings unterschlägt ist, dass auch Surfer lange in ruhigeren Gewässern üben, um später gut vorbereitet die "perfekte Welle" zu surfen. Privatanleger und besonders Anfänger blenden hingegen häufig die Komplexität marktbewegender Nachrichten aus. Sie interpretieren neu veröffentlichte Daten ohne tiefer gehendes Marktverständnis, um dann innerhalb weniger Minuten viel Geld zu verlieren. Unter Profi-Tradern gibt es hierzu einen Spruch, der die bereits erwähnten US-Arbeitsmarktdaten, die am ersten Freitag jeden Monats veröffentlicht werden, aufgreift: "Auf dem Friedhof der Händler findet man mehrere Grabsteine mit der Inschrift: Der Tod des Traders trat plötzlich und überraschend am ersten Freitag des Monats um 14.30 Uhr ein - möge er in Frieden ruhen."

Nicht wenige Anleger glauben, dass es an der Börse eindimensionale Kausalzusammenhänge gibt, pauschal nach dem Muster: "Wenn A, dann B". Aber der Finanzmarkt ist komplexer, gerade im Zusammenhang mit wichtigen Veröffentlichungen. Erinnern wir uns zum Beispiel an den 3. Dezember 2015 und den Kurssturz im DAX. Gegen Nachmittag verkündete Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank EZB, eine Ausdehnung des EZB-Anleihekaufprogramms um mehr als 300 Milliarden Euro. Die klassische Interpretation eines solchen Schrittes ist, dass dem Markt mehr Liquidität zufließt, die renditebringend angelegt werden möchte. Und diese Rendite fand sich im damaligen Marktumfeld in deutschen Aktien. Ergo, der DAX sollte auf eine solche Ankündigung hin steigen. Tat er aber nicht! Im Gegenteil, der DAX fiel ins Bodenlose und verlor ausgehend vom Tageshoch fast 700 Punkte oder mehr als sechs Prozent.

In der Rückschau wird klar, warum: Professionelle Marktteilnehmer hatten mit mehr Liquidität seitens der EZB gerechnet. 300 Milliarden Euro ist eine imposante Zahl, die Finanzprofis wollten aber eine Ausdehnung von (mindestens) einer Billion sehen. In den Wochen zuvor war der DAX bereits um fast 20 Prozent geklettert, der Markt hatte die erwarteten Schritte der EZB vorweggenommen. Als nun der unbedarfte Kleinanleger die Worte Draghis hörte und sich einer sicheren Wette gegenübersah, war die Party bereits vorbei. Die professionellen Marktteilnehmer stießen - enttäuscht von Draghis Worten - ihre Positionen ab. Da der Umfang ihrer Verkäufe die Kaufkraft von Privatanlegern um ein Vielfaches übersteigt, wurde der Privatanleger von der Verkaufswelle überrollt und erlitt mit seiner Position, die von steigenden Kursen ausging, einen empfindlichen Verlust.

Fakt ist, dass die Interpretation einer Wirtschaftsmeldung sowohl eine Vorstellung über deren Ausgang als auch Kenntnis über die Erwartungen der restlichen Marktteilnehmer erfordert. Das Handeln von News setzt deshalb eine tägliche Auseinandersetzung mit dem Markt voraus. Privatanleger, denen es an tiefer gehendem Marktverständnis oder auch an Zeit für eine tägliche Analyse der Märkte mangelt, sollten rund um solch schwankungsintensive Veröffentlichungen die Finger von schnellen Trades lassen. Stattdessen sollten sie erfahrenen Händlern und Analysten bei solchen Events über die Schulter schauen und lernen, bevor sie sich selbst ins gefährliche "News-Trading"-Gewässer begeben.

Jens Klatt

Klatt ist Chefanalyst bei DailyFX Deutschland (FXCM). Der gelernte Bankkaufmann hat Mathematik und Volkswirtschaft studiert und ist verantwortlich für die Einschätzungen der glo- balen Finanzmärkte von DailyFX. FXCM ist mit über 220 000 Kunden und einem Handelsvolumen von über sieben Billionen Dollar im Jahr 2014 einer der weltweit führenden Onlinebroker für Devisen (Forex) und Differenzkontrakte (CFDs).

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Bildquelle: FXCM

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