ROBERT HALVER

Kapitalmarkt 2016: Im Einkauf liegt der Gewinn

Kapitalmarkt 2016: Im Einkauf liegt der Gewinn

WKN: 508810 ISIN: DE0005088108 Baader Bank AG

1,97 EUR
0,05 EUR 2,40 %
05.12.2016 - 10:00
20.01.2016 07:31:30

Ukraine, US-Zinswende, Ölpreisverfall, China-Crash, Terrorismus, EU-Krise: Die zunehmende Kursschwankungsbreite schreit nach regelmäßigen Aktienansparplänen.

Es hat wohl schon freundlichere Jahresauftakte an den Aktienmärkten gegeben. Kein Wunder, es gibt ja auch eine Inflation an Krisen. Der Westen hat Streit mit Väterchen Frost Putin. Die USA haben die Zinswende eingeleitet. Die schwachen Öl- und Metallpreise haben die Kaufkraft der Rohstoffländer dramatisch einbrechen lassen wie die Stimmung beim unerwarteten Besuch der Schwiegermutter am Wochenende. China ist nicht mehr der einzigartige Jungbrunnen für die Weltkonjunktur. Und mittlerweile ist auch Terror eine latente Gefahr.

Ist Europa mehr als ein überdimensionierter Förderverein zur Rettung maroder Länder und Banken?



Zudem erlaubt sich Europa eine handfeste Strukturkrise. Die Werte- und Stabilitätsunion ist außerhalb von geschönten Sonntagsreden ein Auslaufmodell. Das zeigt die unsolidarische Bewältigung der Flüchtlingskrise und Griechenland, das trotz ausbleibender Reformpolitik dennoch üppige Hilfsgelder erhält. Regiert der Egoismus auf Länderebene weiter und werden EU-Bürger durch stinkend reformfaule Politiker perspektivisch nachhaltig desillusioniert, könnte Europa für alles Negative schuldig gemacht und der Drang nach Renationalisierung größer werden. Dabei könnte sich der Austritt der großen Briten aus der EU als Menetekel - Europa-kritische Bewegungen sind auch z.B. in Polen zu beobachten - sozusagen als erster umfallender Dominostein erweisen. Um den Bedeutungsverlust der englischen Küche mag es dann vielleicht nicht schade sein. Aber fatal wäre es, wenn das Vereinigte Königreich, das für Marktwirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit steht, Deutschland mit den staatswirtschaftlichen Gesundbetern der EU im Stich ließe. Siechte Europa dann politisch noch weiter, verlöre es auch an wirtschaftlicher Lebenskraft. An dieser Stelle darf erwähnt werden, dass sich aktuell auch Deutschland nicht mit Reform-Ruhm bekleckert, im Gegenteil. Wie konnte einer früheren kleinen Koalition ein Reform-Quantensprung gelingen, wenn die GroKo den Hintern nicht hoch bekommt?

Vor diesem reform-immobilen Hintergrund müsste die EZB mit der Muffe gepufft sein, wenn sie zins- und liquiditätspolitisch nicht jede neue Schulden-, Banken- oder Konjunkturkrise vorbeugend bekämpft, um die Gefahr einer systemischen Euro-Sklerose zu verhindern. Aktien in Europa profitieren also von dieser Pattex-Funktion der EZB, daneben aber auch von einem niedrigzinsbedingt fallenden Euro und günstigen Ölpreisen. Vor allem konjunktursensitiven Industriewerten kommt diese Entwicklung zugute.

Übrigens, angesichts der im Vergleich verhaltenen und inflationsarmen Weltkonjunktur wird die US-Notenbank eine lammfromme Zinserhöhungspolitik betreiben müssen. Und wenn es national, aber vor allem international hart auf hart kommen sollte, wird Frau Yellen sich als besonders verständnisvolle Hüterin ihrer schutzbefohlenen nationalen und internationalen Schäfchen zeigen und den US-Zinserhöhungszyklus komplett beenden.

Auf Seite 2: China steht heute dort, wo die USA 2008 standen



Seite: 1 | 2 | 3

Weitere Links: