Es läuft. Vor allem an den US-Börsen geht es aufwärts. Dabei wird einem fast mulmig, derart stetig klettern die Kurse. Der Dow Jones etwa übersprang ganz locker die 24 000 Punkte. Und das, obwohl es ja immer wieder Gründe gibt, die gut genug wären für eine deutliche Korrektur. Aber die kommt einfach nicht. Wenn man so will, dann ist das durchaus ein Indiz für etwas zu viel "complacency", wie man an der Wall Street sagt, für eine gewisse Sorglosigkeit der Börsianer. Und das wiederum ist eigentlich kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung.

Allerdings gibt es auch prima Argumente dafür, dass die Kurse weiter steigen: etwa die Gewinnentwicklung der Unternehmen als wichtigster Grund überhaupt. Denn wie man es auch dreht oder wendet - die Daten, die das amerikanische Forschungsinstitut FactSet zur Gewinn- sowie Umsatzentwicklung der US-Unter-nehmen in schöner Regelmäßigkeit liefert, sind schlichtweg überzeugend. Analog zum Aktienmarkt geht es auch mit ihnen aufwärts. Und das ähnlich stetig.

Was soll da also noch bremsen? Natürlich gibt es immer wieder politische Probleme, etwa rund um die Präsidentschaft von Donald Trump. Die Russland-Affäre zum Beispiel. Dann die beinahe gescheiterte Steuerreform. Aber letztlich wiegt das alles scheinbar nicht schwer genug. Vermutlich würde die Börse sogar ein von seinen Gegnern herbeigesehntes Amtsenthebungsverfahren gegen Trump positiv beurteilen. So nach dem Motto: Der dann designierte Nachfolger und aktuelle Vizepräsident Mike Pence wäre wohl noch marktfreundlicher und vermutlich auch berechenbarer als Trump.

Trotzdem dürfte 2018 kein Selbstläufer werden. Die positiven Effekte der US-Steuerreform beispielsweise sind vielleicht schon in den aktuellen Preisen und Bewertungen enthalten. Dieser Kurstreiber dürfte im kommenden Jahr also an Bedeutung verlieren. Hinzu kommt ein für die Börse vielleicht negativer Effekt besagter Steuerreform. Um inflationären Folgen vorzubeugen, könnte sich die Notenbank Fed bestärkt fühlen, die Zinsen deutlicher und schneller anzuheben, als wir das derzeit erwarten. Und das wäre Gift für die Börse.

Im Moment gehen so ziemlich alle Beobachter von maximal drei Zinsschritten aus, einer noch in diesem Jahr - kommende Woche, um genau zu sein - und zwei dann im neuen Jahr. Wenn man aber die Veröffentlichungen der Fed studiert, sind durchaus auch vier Erhöhungen drin. Oder vielleicht gar fünf? Es wird dabei letztlich auf die Inflationsentwicklung ankommen - und der Effekt der Tax Reform ist da noch nicht so klar. Das Inflationsziel von 2,0 Prozent scheint aber jedenfalls in Gefahr, wenn man sich die jüngsten Daten zur Geldentwertung anschaut.

Und dann wäre da noch die Personalie Marvin Goodfriend. Der frisch nominierte Fed-Governor gilt als geldpolitischer Falke und dürfte Jerome Powell, der die Fed-Chefin Janet Yellen beerbt, das Leben richtig schwer machen. Da sind dann sogar Schnellschüsse in Sachen Zinsen nicht unwahrscheinlich. Also Achtung.

Als Anleger gilt es abzuwägen: Was wird 2018 wohl schwerer wiegen? Die Gewinnentwicklung der Unternehmen als positiver Aspekt? Oder, negativ, eine Geldpolitik, die restriktiver ausfällt als erwartet, weil die Inflationsdaten aus dem Ruder laufen oder weil die Notenbanker bei ihren Entscheidungen übertreiben? Das Momentum an den Märkten spricht derzeit noch für die erste Variante.

Martin Blümel ist leitender Redakteur bei BÖRSE ONLINE und Autor des Börsenblogs www.bluemelstaunt.com